Die NachDenkSeiten wollen zwar kein Teil eines Querfrontnetzwerkes sein, beweisen das Gegenteil aber beim Versuch den Vorwurf zu entkräften

Albrecht Müller behauptet bei den NachDenkSeiten über Ken Jebsen in Bezug auf das von uns an anderer Stelle schon besprochene Papier von Wolfgang Storz über die Querfront, welches von Müller nur als ein kaum mehr als „Parolen“ enthaltendes Machwerk bezeichnet wird.

Jebsen, der nun schon wieder wie schon auf der Montagsdemo pauschal jeden Kritiker der „Friedensbewegung“ als Auftragsschreiber der NATO bezeichnet sei kein Verschwörungsideologe.

KenFm Querfront Studie 2

Wenn die Kontext Wochenzeitung zustimmend auf Storz verweist, heißt es dazu bei NachDenkSeiten: „Auch dieses ansonsten aufklärende Medium übernimmt in seinem Editorial vom 19. August ungeprüft[sic!] die Parolen des Autors der Otto Brenner Stiftung“. Wer die Welt anders sieht, gilt eben immer schon selbst Teil der Verschwörung, ob nun als Mitverschwörer oder Teil der manipulierten Masse – typisch für Verschwörungsideologen, wie man nicht nur bei GWUP, sondern auch bei K.I.Z. lernen kann.
Verschwörungsideologie finden die NachDenkSeiten eigentlich sowieso nicht weiter problematisch und können sich offenbar gar nicht vorstellen, dass das andere so sehen würden. Und so heißt es da:

Zweifel an der offiziellen Version zum 11. September mögen ja unangebracht sein, aber wieso solche Zweifel Ausweis von rechtsradikalem Denken sein sollen und damit Beleg für die Zuordnung des Daniele Ganser zur ‚Querfront‘, das ist nicht zu verstehen

Als wäre behauptet wurden jeder aus dem Netzwerk sei rechtsradikal. Dass das Storzpapier zumindest missverständlich ist und so interpretiert werden kann, als würden Jebsen alle Positionen Elsässers teilen hatten wir allerdings auch kritisiert.

Jebsen, der Juden homogene Interessen und die Herrschaft über die USA unterstellte sei kein Antisemit.

Im selben Artikel, in dem sie am Beispiel Jebsen leugnen mit Antisemiten zu tun zu haben weil dieser kein Antisemit sei, empfehlen sie auf die Besprechungen des Storz-Papiers durch den zu 9/11 eine „Kosher[sic!] conspiracy“-Theorie vertreten Truther Bröckers und die sich selbst im globalen Kampf gegen „das anglo-zionistische Imperium“ sehende Seite Vineyardsaker.

Antisemitisch finden das die NachDenkSeiten aber vermutlich alles nicht. Nachdem die Studie „Occupy Frieden“ veröffentlicht wurde, laut der 51,6 der befragten Mahnwachenteilnehmer der von Lars Mährholz stammenden Aussage zustimmten, dass „Amerika bzw. das amerikanische Militär“ nur „der Knüppel der FED“ sei und weitere 39,4 Prozent diese Aussage nicht eindeutig ablehnten, 27,3 Prozent der Teilnehmer einem weiteren Mitorganisator zustimmen, dass sich die „Zionisten weltweit an die Hebel der Macht gesetzt“ hätten und „Politik, Börse und auch die Medien nach ihrer Pfeife tanzen“ lassen würden und weitere 19,7 Prozent dies nicht eindeutig ablehnten kommentierte einer  NachDenkSeiten-Macher:

Die erwähnte Umfrage scheint aber zumindest die Unterstellungen, dabei handle es sich um eine rechte, gar antisemitische Bewegung in das Reich der Legenden zu verweisen

Immerhin befand NachDenkSeiten-Mann Jens Berger:

Es ist beispielsweise zugleich interessant als auch erschreckend, dass mehr als die Hälfte der Befragen der These „Amerika bzw. das amerikanische Militär ist nur der Knüppel der FED“ überwiegend bzw. ganz zustimmen.

Ob er weiß, dass Ken Jebsen dieser Aussage von Lars Mährholz nicht nur zustimmen würde, sondern einen langen Monolog veröffentlicht hat, der sich um die Weltherrschaft der FED dreht und in diesem Zusammenhang noch ganz nebenbei die „wahren“ Gründe für den Untergang den Titanic, die Weltkriege, den Tod John F. Kennedys, die Krim-Krise und dem Scheitern des (von Jebsen gelobten) TeaParty-Vordenkers Ron Paul bei den US-Präsidentschaftswahlen „aufklärte“?

Der Nachweis, Ken Jebsen, der gerne Leute in seine Sendung einlädt die vieles sehr ähnlich sehen und sich mit solchen Leuten die Bühnen auf vielen Demonstrationen teilte, gehöre zu einem Querfront-Netzwerk sei nicht erbracht und auch überhaupt nicht belegt.

Wir berichteten kürzlich wie die NachDenkSeiten eine angebliche Zugehörigkeit zu einem Netzwerk beweisen und belegen wollten: Eine nach eigenen Angaben weitestgehend unbekannte Bloggerin „mit täglich etwa 100 Zugriffen auf ihren Blog, ohne jede Vernetzung, ohne Facebook-Aktivitäten, ohne Twitter-Tätigkeit“ wurde als angebliche Hilfskraft eines Netzwerkes einer „Gedanken- und Gesinnungspolizei“ im Interesse „der Zentren der Macht“ diffamiert und als fragwürdiger Beweis ohne ihr Einverständnis ihre Presseanfrage an Professor Mausfeld veröffentlicht. Ohne jeden weiteren Anhaltspunkt wurde die Bloggerin wegen einer harmlosen Presseanfrage zum Teil einer„Gedanken- und Gesinnungspolizei“ und „Denunzianten“ erklärte, die „versucht, schon die Ansätze zum Aufbau einer Gegenöffentlichkeit zu stören“, der zustimmend Professor Mausfeld mit dessen Ausführungen zitierte, es handele sich um eine „Kleininquisitorin“, die „unter dem vorgeblich seriösen Mantel einer Presseanfrage“, „eine[r] der schlichtesten und wirksamsten Propagandatechniken“ deren Tätigkeit zur Strategie des „Astroturfing“ gehöre, also durch mächtige Akteure zentral gesteuert sei um „soziale Bewegungen, die den Zentren der Macht gefährlich zu werden drohen, gleichsam von Innen [sic!] zu vergiften und für die Öffentlichkeit zu diskreditieren“, was zu den „Techniken, soziale Bewegungen durch systematische Infusion geeigneter Vorwurfsgifte gleichsam von Innen [sic!] zu zersetzen“ gehöre. In einem Nachtrag zur Kritik am Papier von Storz veröffentlichte ausgerechnet jener Müller noch diesen Leserbrief:

Ich war besonders erschüttert, dass so etwas von der Otto-Brenner-Stiftung kommt, die ja immer wieder auch gute Sachen veröffentlicht. (So ist es, A.M.) Aber, das jetzige Machwerk scheint eher unter die Kategorie „Verleumdung“ und „Rufschädigung“ zu fallen, als unter die Kategorie Wissenschaftlichkeit. Nach dem Motto: Bewirf jemanden mit Dreck, etwas wird schon hängen bleiben! Ein alter Trick der psychologischen Kriegsführung!

So also antwortet Müller, der gegen andere an den Haaren herbeigezogene verschwörungsideologische und mutmaßlich justitziable Verleumdungen vorbringt auf das einigermaßen gut belegte Papier von Storz? Der Mann ist in seinen Projektionen offenbar völlig merkbefreit.

Die E-Mail der Bloggerin enthielt lediglich die Presseanfrage, ob Professor Mausfeld ein Transkript eines seiner Vorträge im umstrittenen mit Magazin free21 autorisiert habe., welches zur Gefolgschaft Ken Jebsen gehöre, von dem zahlreiche antisemitische Aussagen belegt sein. Die Presseanfrage wurde ohne ihre Autorisierung bei den NachDenkSeiten veröffentlicht.

Obgleich obige verschwörungsideologische, auf einem „Cui Bono?“-Fehlschluss basierende Konstruktion eines Netzwerkes um die „Zentren der Macht“ unter der Beteiligung völlig unbekannter Blogger von den NachDenkSeiten selbst stammt, wird das folgende ihnen wohl nicht als Beleg für ein Querfront-Netzwerk gelten, sondern als ein Fall von „Gesinnungs- und Gedankenpolizei“ vermerkt werden. Zu dem Vorgang um die diffamierte Bloggerin führten wir aus:

free21 ist ein Magazin, in dem sonst z.B. auch Artikel  des zuvor schon als Antisemiten bekannten Dean Henderson wie Freimaurer und die Rothschild-Dynastie“ und „Die Acht Familien“ erscheinen, die beide im wesentlichen auf der Falschbehauptung beruhen, das Federal Reserve System (also die amerikanische Zentralbank) sei eine private Bank, wobei „zufällig“ und in beiden Fällen längst widerlegte Legenden aus antisemitischer Tradition aufgewärmt werden, nach denen fast ausschließlich Juden die angeblichen Eigentümer der FED wären (siehe dies und das).  Auf ähnlichem Irrsinn basierte übrigens auch der Aufruf von Lars Mährholz zu den Mahnwachen in Deutschland. Der Chefredakteur Tommy Hansen machte [hingegen] die Illuminaten für den Nazismus verantwortlich.

Dieses Magazin, dessen Strategie es ist den üblichen Internetdreck auf Papier seriöser aussehen zu lassen, soll vor allem an Schulen verteilt bzw. als Lehrmaterial werden, wie Hansen oft betont (siehe dieses Video).

Das man sowas ganz ehrlich kritikwürdig finden kann ohne von „transatlantischen Netzwerken“ dafür bezahlt zu werden fällt den NachDenkSeiten freilich nicht ein, welche free21 nicht nur schon verlinkt haben: Jens Wernicke veröffentlichte dort. Bei denen  [den NachDenkSeiten] selbst darf der verschwörungsideologische Pegida-Apologet Willy Wimmer ja nicht nur Texte veröffentlichen, sondern darin auch Ralf Hochhuth und den Zeitgeist-Verlag verlinken: Elsässerkontakt, Holocaustleugner, „Nazi-Verlag“. Für die NachDenkSeiten wäre dieser Hinweis freilich wieder nur ein weiterer Fall von „Gesinnungs- und Gedankenpolizei“…

Das alles scheint Müller aber nicht zu interessieren – vermutlich genauso wenig, wie dass der gleiche antiamerikanistische Text von Wimmer schon parallel bei KenFM, Elsässers Compact und den NachDenkSeiten erschien. Er tut einfach so, als ob es diese und viele weitere belegten personellen und ideologischen Schnittmengen nicht geben würde, leugnet einfach, dass ein offensichtlich existierendes Netzwerk existieren würde und/oder dass die Leute, die zu diesem Netzwerk gerechnet wurden jene Positionen vertreten, die sie nun einmal nachweislich vertreten.

Jebsen, der meinte es ginge auch ohne Demokratie und Zugvögel und Ameisen zum Vorbild erklärte sei kein Antidemokrat.

Die Autoren von „Occupy Frieden“ befanden zu den Mahnwachen:

Auf den Mahnwachen war die Einteilung in links und rechts mantrahaft als überholt dargestellt worden. Diese Wahrnehmung teilt die überwältigende Mehrheit, nämlich zwei Drittel der Befragten. Sie stimmten der Aussage „Die Einteilung in ‚links‘ und ‚rechts‘ in der Politik ist überholt“ ganz oder teilweise zu.

In einigen Fällen geht die Ablehnung des Links-Rechts-Schemas mit einem starken antipolitischen Wunsch nach einer Gesellschaft ohne Widersprüche und Konflikt einher. Dafür stehen folgende Zitate aus der offenen Frage nach den Anliegen der Teilnehmer/innen:

Das Bedürfnis aller Menschen nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit als
Grundlage für eine weltweite und schichtenübergreifende Diskussion zur
Neuordnung der Gesellschaft. Abschaffung des Schuldgeldes;
Abschaffung des Kapitalismus; parteienlose,dezentrale „Demokratie“; Gesellschaftswandel; Abschaffung altpolitischer Paradigmen und Bauernfängerphrasen wie beispielsweise „links“ und „rechts“.

Offensichtlich wird also nicht von Mehrheitsentscheidungen, Aushandlungsprozessen usw., sondern von einem hypothetischen Volkswillen(Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 5., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2011.) ausgegangen, davon

dass ein objektives Gesamtinteresse angegeben werden kann[…]; dieser Interpretation liegen (i. d. R. unrealistische) Vorstellungen von umfassender Homogenität und gesellschaftlicher Harmonie zugrunde.

Wie reagierten die NachDenkSeiten darauf und die Berichterstattung über diesen Befund? Ignorierend das der Befund eines naiven Wunsches nach einer Gesellschaft ohne Widersprüche und Konflikte aus der Studie stammte – es kann ja nicht sein, was nicht sein darf – schoss man gegen einen gemeinsamen Lieblingsfeind der Querfrontpublizisten – inklusive NachDenkSeiten:

Die erwähnte Umfrage scheint aber zumindest die Unterstellungen, dabei handle es sich um eine rechte, gar antisemitische Bewegung in das Reich der Legenden zu verweisen. Die herablassende, unterstellende Arroganz mit der sich aber die Mainstreamjournaille der Zeit im obigen Artikel über die Montagsmahnwachen äußert, reizt schon wieder dazu sich doch näher damit auseinanderzusetzen.
Nachdem der Versuch diese sogenannten „Mahnwachen für den Frieden“ in die rechtspopulistische und verschwörungstheoretische Ecke zu drängen so nicht funktioniert hat, muss nun ein anderer Weg der Diffamierung von Menschen, die sich kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in der „marktkonformen“ Demokratie auseinandersetzen, gefunden werden. Mindestens eine naiv-totalitäre Sehnsucht muss unterstellt werden sowie ein naiver Wunsch nach einer Gesellschaft ohne Widersprüche und Konflikte. Aber kennt man so etwas nicht eher aus Diktaturen, das jenen, die Kritik an den bestehenden Machtverhältnissen üben, unterstellt wird, sie seihen nicht ganz richtig im Kopf? Wie kann man es auch wagen, Kritik an der besten aller (neoliberalen) Welten zu üben.

Die Kritik am antidemokratischen Gedankengut der Mahnwachenbesucher wurde einfach zur Apologie des Neoliberalismus umgedeutet. Und ähnliches passiert nun wieder:

Das Storz immer wieder betont dass er meint es würden zu viele Personen aus dem Mainstream ausgeschlossen werden (wo wir ihm übrigens eher widersprochen haben) kann Müller gar nicht zur Kenntnis nehmen, weil es nicht in sein manichäisches Weltbild passt, in dem Storz nun einmal einer der Bösen ist.

Müller schimpft über das Papier von Storz den Querfrontlern zum Vorwurf macht, diesen würden „positive Bekenntnisse zur demokratisch-repräsentativen Gesellschaftsordnung und den ihr zugrunde liegenden Werten fehlen“. Müller interpretiert diese Worte so, als wolle Storz nur die soziale Lage schönreden. Als hätte Storz damit nicht das für Verschwörungsideologen typische, von anderen als „kryptofaschistisch“ bezeichnete Streben vieler Querfrontler nach einer illiberalen Demokratie auf Basis eines als homogenen imaginierten Volkswillens und -interesses gemeint: Laut der Befragung für die Studie Occupy Frieden war die Zustimmung sogar zur Machtübernahme eines „starken Manns“ unter den Mahnwachenteilnehmern wesentlich höher als in der Durchschnittsbevölkerung.

Müller will das aber alles einfach nicht wahrhaben, das Storz den Akteuren des Netzwerkes ein Streben nach einer „autoritäre nichtliberalen Volks-Demokratie“ vorwirft sei „unterste Schublade“.

Müller kritisiert weiter, dass die „traditionellen Medien“ sich laut dem Storzpapier im Gegensatz zu den Querfrontlern der „Aufgabe der Qualitätssicherung und Orientierung zu stellen haben“ und tut so, als würde dieser Satz einen Ist-Zustand und keinen Anspruch behaupten. Als stünde bei Storz die „traditionellen Medien“ wären allesamt perfekt argumentiert Müller gegen diesen Pappkameraden: Als würde irgendjemand die BILD für ein Qualitätsmedium halten, nimmt er dann ausgerechnet diese als Beispiel um den Strohmann zu widerlegen.

Und so legt Müller Storz die Ansicht in den Mund,

„dass die Welt eigentlich im Großen und Ganzen in Ordnung sei und wir keine Gegenöffentlichkeit brauchen, weil die herrschenden Medien sich ja immer wieder der Qualitätskontrolle unterziehen“.

Und um diese irrsinnige Argumentation gegen Pappkameraden auf die Spitze zu treiben, haben die NachDenkSeiten (und danach auch RT Deutsch) nun ein offenen Brief  von Werner Rügemer veröffentlicht, in dem es heißt:

Die Otto Brenner-Stiftung hat in Dutzenden von geförderten Projekten und dann veröffentlichten Studien ebenfalls „hiesige Verhältnisse“ hart kritisiert, sehr fundiert, sehr verdienstvoll, z.B. „Verdeckte PR in Wikipedia“, „Marktordnung für Lobbyisten“, zu den Politmagazinen „Den Mächtigen unbequem sein“, zu Leiharbeit u.a. Wieso taucht dann die „Kritik der hiesigen Verhältnisse“ als Merkmal des „Querfront-Netzwerks“ auf?

Als würde irgendwo in der Studie stehen, jeder der „Kritik der hiesigen Verhältnisse“ übt sei ein Teil der Querfront, als sei das nicht lediglich als eines von mehreren verbindenden Merkmalen der Querfrontler. Wie konsequent diese Leute gegen Pappkameraden diskutieren könnten, bewies Albrecht Müller übrigens auch im Zusammenhang mit Antisemitismusvorwürfen gegen Rügemer. Und nein, natürlich hat der Rügemer gar nichts mit Querfront zu schaffen und würde nie rechtsradikalen Magazinen wie der blauen Narzisse ein Interview geben:

Rügemer Blaue Narzisse

Und warum wird Jebsen kritisiert?

Müller muss sich aber auch irgend eine Motivation der Kritiker Jebsen ausdenken, denn das an der Kritik was dran wäre bezweifelt er ja ganz gründlich. Da er offenbar nicht jeden Kritiker, wie oben genannte Bloggerin, zum Teil einer Verschwörung erklären möchte aber dennoch nicht wahr haben will, dass diese Jebsen nach besten Wissen und Gewissen kritisieren möchten, wirft er ihnen einen andere Schlechtigkeit vor:

Mehrere Medien, die positiv auf das Machwerk der Otto Brenner Stiftung eingestiegen sind, arbeiten sich wie so oft an Ken Jebsen ab. Ich gewinne den Eindruck, dass die meisten dieser Medienschaffenden einfach nur neidisch sind, weil Ken Jebsen mit dem Einsatz großer intellektueller Kraft und Energie – neben manchem Verzichtbaren – gute Medienprodukte geschaffen hat und hohe Klickzahlen erreicht. Klickzahlen, von denen seine Kritiker nur träumen können.

Professor und NachDenkSeiten erklären unbekannte Bloggerin zur Astroturferin der Weltverschwörung

Im Dezember 2014 passierte dies:

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Der prominente Blogger Jens Berger vom Blog Spiegelfechter hat kürzlich vier seiner Kommentatoren “bestraft”,  indem er ungefragt und gegen deren Willen ihre Klarnamen veröffentlicht hat – einer von den vieren bin ich. Außerdem hat Berger von einem dieser Kommentatoren – eben von “Herr Karl” – ein großformatiges Portraitfoto, das er im Netz fand (das aber nicht Herrn Karl darstellt), veröffentlicht und umfangreiche Angaben über dessen Arbeitsort inklusive familiärer Daten veröffentlicht. […]

Es dauerte nicht lange, und Spiegelfechter-Kommentatoren kündigten an, die Betroffenen zuhause zu besuchen. Berger macht den vier übrigens keinen einzigen konkreten Vorwurf. Es gibt keine Falschaussagen, keine Beleidigungen (im Gegensatz zu dem, was seine Leser schreiben; die könnte man täglich wegen Beleidigung vor Gericht zerren, wenn man so drauf wäre.) Die Vier übten durch die Bank seriöse Kritik, auf die Berger allerdings nie einging.[…]

Nun hat Albrecht Müller, neben Jens Berger einer der Macher der  NachDenkSeiten ähnliches getan. Wir dokumentieren hier Teile eines offenen Briefes an Professor Rainer Mausfeld:

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Mausfeld,

der Vorgang ist so einmalig wie unverhältnismäßig: Da rotten sich ein renommierter Wissenschaftler der Universität Kiel und ein bekannter Publizist zusammen, um eine völlig unbedeutende Bloggerin in aller Öffentlich namentlich zu diskreditieren und sie an den Pranger zu stellen. Deren von den beiden „Kapazitäten“ kritisiertes „Vergehen“: eine reguläre, in höflichem Ton gehaltene Presseanfrage an Sie, Herr Professor Dr. Mausfeld.

Vorgeschichte: Was bisher geschah

Am 22. Juni 2015 hielten Sie an der Christian Albrechts Universität Kiel den Vortrag Warum schweigen die Lämmer? Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements. Diesen Ihren Vortrag habe ich auf meinem gewerblichen Blog SatireSenf.de (SaSe) in der Rubrik „Hintergrundinformationen“ am 13. Juli 2015 vorgestellt und über den grünen Klee gelobt. Am 15. Juli 2015 hatte ich den Artikel aktualisiert und den Link auf eine schriftliche Zusammenfassung Ihres Vortrags bei denNachDenkSeiten (NDS) eingestellt.

Am 6. August 2015 erhielt ich von der Redaktion des Online-Magazins Free21.org eine E-Mail mit der Aufforderung, ein von Ihnen autorisiertes Transkript des Vortrags, das im genannten Magazin veröffentlicht wurde, zu verlinken. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass es eine Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Magazin Free21.org gibt, dessen Redakteur Tommy Hansen bekennender Zögling des nachhaltig unter Antisemitismusvorwurf stehenden Journalisten Ken Jebsen ist, richtete ich am 10. August 2015 eine in höflicher Diktion gehaltene schriftliche Presseanfrage an Sie zu der „Zusammenarbeit“ mit dem Magazin Free21.org und dessen Umfeld. Insbesondere fragte ich Sie danach, ob, falls es diese Zusammenarbeit überhaupt gibt, diese als ein politisches Statement Ihrerseits zu verstehen sei.

free21 ist ein Magazin, in dem sonst z.B. auch Artikel  des zuvor schon als Antisemiten bekannten Dean Henderson wie Freimaurer und die Rothschild-Dynastie“ und „Die Acht Familien“ erscheinen, die beide im wesentlichen auf der Falschbehauptung beruhen, das Federal Reserve System (also die amerikanische Zentralbank) sei eine private Bank, wobei „zufällig“ und in beiden Fällen längst widerlegte Legenden aus antisemitischer Tradition aufgewärmt werden, nach denen fast ausschließlich Juden die angeblichen Eigentümer der FED wären (siehe dies und das).  Auf ähnlichem Irrsinn basierte übrigens auch der Aufruf von Lars Mährholz zu den Mahnwachen in Deutschland. Der Chefredakteur Tommy Hansen machte die Illuminaten für den Nazismus verantwortlich.

Dieses Magazin, dessen Strategie es ist den üblichen Internetdreck auf Papier seriöser aussehen zu lassen, soll vor allem an Schulen verteilt bzw. als Lehrmaterial werden, wie Hansen oft betont (siehe dieses Video).

Das man sowas ganz ehrlich kritikwürdig finden kann ohne von „transatlantischen Netzwerken“ dafür bezahlt zu werden fällt den NachDenkSeiten freilich nicht ein, welche free21 nicht nur schon verlinkt haben: Jens Wernicke veröffentlichte dort. Bei denen selbst darf der verschwörungsideologische Pegida-Apologet Willy Wimmer ja nicht nur Texte veröffentlichen, sondern darin auch Ralf Hochhuth und den Zeitgeist-Verlag verlinken: Elsässerkontakt, Holocaustleugner, „Nazi-Verlag“. Für die NachDenkSeiten wäre dieser Hinweis freilich wieder nur ein weiterer Fall von „Gesinnungs- und Gedankenpolizei“…

Weiter aus dem offenen Brief an Professor Rainer Mausfeld:

Auf diese Presseanfrage habe ich bis heute (29.08.15) keine Antwort von Ihnen erhalten.

Stattdessen wunderte ich mich am 27. August 2015 über einen Flut von Mails auf meinen Redaktionsaccount, die zu 99 Prozent von erkennbaren Ken-Jebsen-Fans stammen. Erst durch diese E-Mails bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Herr Albrecht Müller und Sie auf dem Gegenöffentlichkeitsblog NachDenkSeiten am 26. August 2015 einen atemberaubend denunziatorischen Text gegen mich sowie die meinem Urheberrecht unterliegende Presseanfrage ohne mein Einverständnis veröffentlicht haben.

Als erstes darf ich Sie fragen: Wer gibt Ihnen eigentlich das Recht, Texte, die meinem Urheberrecht unterliegen, ohne meine Zustimmung zu veröffentlichen? Ist dieser Ihr Umgang mit den Rechten Dritter symptomatisch oder war das nur ein funktionaler „Ausrutscher“?

[…]

Namensnennung gebettet in Unterstellungen und Verleumdungen


Die verleumderische Wucht des Pranger-Textes auf den NachDenkSeiten ergibt sich aus den Synergieeffekten der von Ihnen sowohl wie von Herrn Müllern gebrauchten Etiketten, die mit einem einzigen Namen in Verbindung gebracht werden, nämlich meinen. Ich darf diese einmal kurz zusammenstellen (Hervorhebungen von mir):

+Gedanken- und Gesinnungspolizei“ (Müller)
+ „Es wird damit nämlich versucht, schon die Ansätze zum Aufbau einer Gegenöffentlichkeit zu stören“ (Müller)
+ „Denunzianten“ (Müller)
+ „das Geraune von Denunziantentum“ (Mausfeld)
+Kleininquisitorin“ (Mausfeld)
+unter dem vorgeblich seriösen Mantel einer Presseanfrage“ (Mausfeld)
+ „eine der schlichtesten und wirksamsten Propagandatechniken“ (Mausfeld)
+ „bereitwillige Trolle, ‚Hiwi’s‘ etc.“ (Mausfeld)
+ „Denunziantentum“ (Mausfeld)
+Astroturfing“ (Mausfeld)
+ „… soziale Bewegungen, die den Zentren der Macht gefährlich zu werden drohen, gleichsam von Innen [sic!] zu vergiften und für die Öffentlichkeit zu diskreditieren“ (Mausfeld)
+ „… Techniken, soziale Bewegungen durch systematische Infusion geeigneter Vorwurfsgifte gleichsam von Innen [sic!] zu zersetzen“ (Mausfeld)

Dieser ganze gemeinschaftliche Verschwörungssermon von Herrn Albrecht Müller und Ihnen kulminiert dann in der Nennung meines Namens und dem unerlaubten Abdruck meiner Presseanfrage an Sie.

Es ist sicherlich nicht der angemessene Ton für einen offenen Brief an einen Universitätsprofessor, aber Sie müssen sich schon fragen lassen, ob Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank haben?

Darf das bitte nicht wahr sein? Ein angesehener Professor stilisiert in aller Öffentlichkeit eine völlig unbekannte Bloggerin mit täglich etwa 100 Zugriffen auf ihren Blog, ohne jede Vernetzung, ohne Facebook-Aktivitäten, ohne Twitter-Tätigkeit etc. zur „Astroturferin!“ und Brunnenvergifterin hoch, die Teil eines dubiosen Netzwerks im Dienste der „Zentren der Macht“ sei und diesem als Hilfswillige (Terminus „Hiwi“) und Troll zur Verfügung steht.

Ein von mir einmal sehr geschätzter Publizist kategorisiert diese Technik als „Meinungsmache durch Übertreibung“. „Maßlose Übertreibung“ wäre im vorliegenden Fall zu ergänzen. Weniger akademisch nennt man so etwas schlicht einen hysterischen Anfall.

Der verleumderischen Wucht Ihrer und Herrn Müllers Verbalinjurien kann ich natürlich nicht das Wasser reichen. Aber schon aus Gründen der sportlichen Fairness: Würden Sie mir bitte erlauben, Sie künftig unter dem Etikett „Verschwörungstheoretiker-Professor aus Kiel“ zu führen?

Bitte belegen Sie Ihre dramatisierenden Behauptungen!


Herr Professor Mausfeld, Sie sind Wissenschaftler und haben einen Ruf zu verlieren. Ich fordere Sie hiermit auf, mir zeitnah Ihre Belege für diese ungeheuerlichen Unterstellungen und Behauptungen im Kontext des Blogs SatireSenf.de vorzulegen. Es ist schwer vorstellbar, dass Sie solche gravierenden Anschuldigungen gegen eine namentlich benannte Person erheben, ohne irgendwelche Belege dafür zu haben. Gern erfahre ich mehr über mich.

Meine Kölner Rechtsanwälte haben mir empfohlen, juristisch gegen Sie und Herrn Albrecht Müller vorzugehen. Das Angebot habe ich dankend ausgeschlagen. Ich präferiere die inhaltliche Auseinandersetzung, der Sie sich ja leider verweigern (ausbleibende Presseantwort; keine Kontaktaufnahme mit mir vor der Denunziation auf NachDenkSeiten). Ebenso wie Herr Albrecht Müller, der eine SaSe-Presseanfrage vor wenigen Wochen zu einem dubiosen Spendenaufruf auf den NDS unbeantwortet ließ.  Ebenso wie Herr Konstantin Wecker (Weltnetz.TV), praktischerweise Freund des Herrn Albrecht Müller,  in seiner Funktion als „Ehrenvorsitzender“ des von diesem Spendenaufruf begünstigten Geistervereins, der noch nicht einmal im Internet zu finden ist! Ebenso wie die Verantwortlichen und ein Autor (Kabarettist) eines irreführend unter dem Label „Gegenöffentlichkeitsprojekt“ firmierenden Konstrukts, deren wahrer und im Handelsregister dokumentierter Geschäftsgegenstand schlicht Vertrieb und Vermarktung ist.
Meine Wahrnehmung: „Gegenöffentlichkeit“, die sich der Öffentlichkeit verweigert … so sie dann kritische Fragen stellt!

Der Unterschied zwischen Ihnen und mir


An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal den dokumentierten Unterschied zwischen dem, der „Denunziantentum“ schreit, und der Person, die des Denunziantentums geziehen wird, herausstellen: Sie werden weder im Internet noch auf Papier oder als bezeugte mündliche Invektive irgendwo ein einziges Wort von mir finden, das Sie, Ihren Vortrag etc. in irgendeiner Weise diskreditiert oder gar kritisiert. Ganz im Gegenteil habe ich Sie und Ihren Vortrag, wie oben belegt, überschwänglich gelobt. Aus heutiger Sicht war das eventuell eine (bedauerliche) Fehleinschätzung.

Uns wundert das alles gar nicht. Müller und Mausfeld zeigen nun mit welcher Aggressivität derartige selbsternannte „Freiheitskämpfer“ fast immer gegen jene vorgehen, die sie zu ihren „Feinden“ erklärt haben – Xavier Naidoo versucht z.B. gerade Kritiker in den Ruin zu treiben. Was diese Leute anderen (den bösen Verschwörern) nachsagen beruht zu großen Teilen auf (falscher) Projektion – siehe auch Adorno und Horkheimer.

Mausfelds unsäglicher Vortrag mit den üblichen Versatzstücken. gibt die Linie eigentlich schon vor. Dr. Mausfeld ist Psychologe und Philosoph. Man müsste meinen angesichts des Themas ausreichend qualifiziert. Würde es tatsächlich nur darum gehen, wäre das wohl auch der Fall. Es geht aber nicht nur darum. Mausfeld springt in einen Haufen Weltpolitik die sich vom Antiken Griechenland bis zu den heutigen Tagen erstreckt und skizziert das Ganze in solch einer groben, verallgemeinernden und inkonsequenten Art und Weise. Extremer Antiamerikanismus, (struktureller) Antisemitismus, Bilderberger, Machteliten, die die Welt steuern … alles dabei, was eine Wichtelherz höher schlagen lässt. Ein Haufen aufeinander gestapelter Verallgemeinerungen die durch konstante Widersprüche zum rotieren gebracht wird. Das Beste daran ist jedoch das Bild der Bevölkerung. Welch ein dummes Pack das doch ist laut dem Professor und wer manipuliert ist, definiert der Professor, der zu jedem Thema „die Wahrheit“ kennt. Gekleidet in die Autorität eines wissenschaftlichen Titels streift er Themengebite weit ab von seiner Profession und führt seine Herde zur Erleuchtung. Diese klatscht und jauchzt wenn sie hören an den richtigen Stellen wie es sich gehört und hält dabei auch noch alle anderen für manipuliert.

Weiter aus dem Wir offenen Brief an Professor Rainer Mausfeld:

Bei dieser Praxis von „Gegenöffentlichkeit“ wird mir angst und bange

Ihr Vorgehen in meinem Fall wirft auch ein neues Licht auf Ihren Vortrag. Ich weiß nicht genau, für welches alternative Medien- und mithin Gesellschaftssystem Sie und Herr Müller eintreten. Aber wenn es ein System ist, in dem mit Andersdenkenden oder auch nur Presseanfragen anders Formulierenden in der Art und Weise umgegangen wird, wie Herr Müller und Sie es mit mir getan haben, dann wird mir angst und bange. Zwei alte Männer ohne jedes Mandat knobeln im stillen Kämmerlein aus, wer die Guten und die Bösen sind und missbrauchen dann ihr bisschen Macht (digitale Reichweite der NDS, Ihr wissenschaftliches Renommee), um mit hysterischen Etiketten das/die Böse abzustempeln.

Offensichtlich also muss man gegenüber den von Ihnen beiden propagierten „Gegenöffentlichkeitsprojekten“ noch viel wachsamer sein, als mir bisher bewusst war. Diesbezüglich danke ich Ihnen für den Weckruf! Ich werde meine Aufmerksamkeit und meine von keinen Dritten gelenkte oder mächtigen Geldgebern unterstützte publizistische Tätigkeit in diese Richtung in Zukunft verdoppeln.

Die deutsche Medienlandschaft hat viel und fundierte Kritik verdient und wird sich damit hoffentlich verbessern. Aber das Schicksal walte, dass Menschen wie Sie und Herr Müller in die Position gelangen, ihre Verschwörungstheorien exekutiv mit Breitenwirkung auszuleben.

Zum versöhnlichen Abschluss: Von Berufspraktikern werde ich gebeten, Ihnen folgenden Expertentipp zu übermitteln: Wer engen, weil sprachheilpädagogischen Umgang mit Lämmern pflegt, sollte nicht zu oft an deren Balg herum schnüffeln.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Burger
Redaktion SatireSenf.de