„Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“

Es ist bemerkenswert, dass Kritik an politischen Auffassungen und Standpunkten von den Kritisierten häufig mit Verbot gleichgesetzt und jetzt eben mit dem Spaltungsvorwurf konfrontiert wird. Diese gedankliche Verquickung verweist auf eine politische Tradition, in der Kritik aufgrund eines sakrosankten Standpunktes nicht sein kann und politische Auseinandersetzung immer nur administrativ geführt, Generallinien und die Einheit der Partei bisweilen eben auch mit Verboten und durch Verfolgung sanktioniert wurden. Die Möglichkeit, dass bestimmte Gewissheiten (es gibt keine Menschenrechtsverletzungen, keine Gesinnungsjustiz, keinen GAU und auch keinen Antisemitismus im Sozialismus) sich als falsch und deswegen auch als nicht mehr vertretbar erweisen, muss wegen Unfähigkeit zur Selbstreflektion und der notwendigerweise damit verbundenen Gefahr der Selbstaufgabe weit von sich gewiesen werden. Zur Not hilft dann auch der Verweis auf den Verräter, Diversant, Spalter oder eben den bezahlten Agenten. (BGA Kassel)

Klappentext zu „Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“ von Wolfgang Gehrcke :

Die deutsche Linke wird immer wieder mit dem Verdikt des Antisemitismus belegt. Ihre Kritik an der US-amerikanischen wie der israelischen Regierungspolitik bediene antisemitische Vorurteile. Dieser Vorwurf wird in Politik und Medien in stetiger Wiederholung variiert. Wie kommt es zu solchen Anschuldigungen und was bezwecken sie? Warum richten sie sich ausgerechnet gegen links? Stellen sie nicht eine der schlimmsten Anklagen dar, die gegen ein linkes Selbstverständnis erhoben werden könnten? Sind derartige Kampagnen möglicherweise nur ein Vorwand? Sollte es dabei etwa gar nicht gegen Antisemitismus gehen? Zielen sie vielleicht in Wirklichkeit nur auf den Antikapitalismus der Linken? Wolfgang Gehrcke deckt auf, welche formellen und informellen Netzwerke solche propagandistischen Feldzüge inszenieren, mit welchen unbewiesenen Unterstellungen und Manipulationen sie operieren und welche Absichten sie verfolgen. Und er konfrontiert den behaupteten mit dem tatsächlich existierenden Antisemitismus.

Daniel Bratanovic rezensierte das Buch für die junge Welt:

Gehrcke unterstellt die Existenz einer Kampagne, also eines (von oben) zentral geplanten und gesteuerten Vorgehens, von vorne bis hinten durchorganisiert, bei dem noch der letzte antideutsche Fußtrupp seine Order erhalten haben soll, um Rufmord an der Linken (nicht nur an der gleichnamigen Partei) zu begehen. Weil er das nicht beweisen kann, konstruiert er ein Szenario des möglichen Ablaufs, koordiniert von Mitgliedern zweier miteinander verwobener und weitverzweigter elitärer Netzwerke: der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und des American Jewish Committee in Deutschland. Empirisch nachweisbar ist daran nichts, aber die Auflistung zahlreicher Personen- und Organisationsnamen soll Faktizität vortäuschen und dem arglosen Leser suggerieren: So muss es gewesen sein! So fragwürdig diese Methode insgesamt ist, sie zeigt allemal ein unterkomplexes Verständnis bestimmter Vorgänge an und bedient zudem ein Klischee.

Ahja, das „American Jewish Committee in Deutschland“ bestimmt also, was man in Deutschland sagen darf. Aber auch Prof. Dr. Werner Bergmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, auf den Gehrcke sich in seinem Buch beruft, schreibt:

Es handelt sich beim Antisemitismus also nicht bloß um Xenophobie oder um ein religiöses und soziales Vorurteil, das es gegenüber Juden auch gibt, sondern um ein spezifisches Phänomen: eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache sozialer, politischer, religiöser und kultureller Probleme sieht. Entsprechend wurden und werden bestimmte moderne politische Strömungen und Ordnungen (Liberalismus, Kommunismus, Demokratie, übernationale Organisationen) oder wirtschaftliche Entwicklungen (Finanzkapitalismus, Globalisierung) als Erfindungen „jüdischen Geistes betrachtet, die den anderen Nationen als etwas Fremdes aufgezwungen werden.

Für einen Antisemiten können Juden in den Gesellschaften, in denen sie leben, ihre Destruktivität in mehrfacher Hinsicht ausüben:

a) in religiös-kultureller Hinsicht etwa durch Säkularisierung (Verweltlichung), d.h. durch das Herauslösen von Gruppen aus den religiösen und kirchlichen Bindungen und durch die Gefährdung der nationalen Kultur durch Einführung universalistische Werte. Juden gelten als Vertreter des Abstrakt-Gesellschaftlichen, von universalen Prinzipien, von Geldwirtschaft, eigennützigem Materialismus, Atheismus, schrankenloser Sexualität, der Vermischung von Völkern und „Rassen“ (z.B. durch Zuwanderung). Damit stehen sie im Widerspruch zur nationalen Gemeinschaft, deren vertraute, traditionelle und harmonische Lebensformen sie auf diese Weise zerstören.

b) in ökonomischer Hinsicht durch finanzielle Ausbeutung, internationale Finanzmanipulationen, Vorantreiben der Globalisierung usw. Juden fungieren hier als Personifikation von Macht. Als Beherrscher der Massenmedien und Finanzmärkte werden sie für ein verschwörungstheoretisches Denken zu den Urhebern krisenhafter Entwicklungen, die sie zu ihrem Nutzen inszenieren.

c) in politischer Hinsicht durch Verrat an äußere Feinde, als revolutionäre Kraft, indem sie die Politik und Medien des Landes kontrollieren oder indem sie Unfrieden unter den Völkern stiften. Juden nehmen hier die „Figur des Dritten“ ein, der die nationale Ordnung der Welt sprengt und sich nicht eindeutig als Nation, Volk, Rasse oder Religion definieren lässt, sondern eine weltumspannende Gruppe in anderen Nationen darstellt. Sie gelten damit als „Störenfriede“ und sind für die Konflikte in und zwischen den Nationen verantwortlich. Juden gelten als Feinde der Humanität. Mit ihnen ist ein Zusammenleben nicht möglich, da sie einen Ausbeutungs- und Unterdrückungskrieg gegen alle Völker führen.

d) in moralischer Hinsicht, indem sie ihre Rolle als Opfer von Verfolgung und Diskriminierung (insbesondere im Holocaust) nutzen, um andere Nationen zu diskreditieren, um Entschädigungsforderungen zu erheben oder um Regierungen unter Druck zu setzen. Das Argumentationsmuster der Täter-Opfer-Umkehr dient nicht erst seit dem Holocaust dazu, Schuldgefühle abzuwehren und die eigenen Verbrechen zu relativieren, die Juden als die Aggressoren zu kennzeichnen und den eigenen Antisemitismus als Notwehrreaktion zu legitimieren.

Die Friedensfreunde von OCCUPEACE freuen sich über das Buch – für sie ist es offenbar erst dann Antisemitismus, wenn Schornsteine rauchen:

Jene, die – inzwischen schon fast inflationär – mit dem pauschalen “Vorwurf” des Antisemitismus hantieren, nehmen durch ihr Reden und Schreiben ganz offensichtlich billigend in Kauf: Die Entwertung des historischen Holocaust – d.h. der industriell und systematisch bürokratisch betriebene Vernichtung von Menschen, die als “Juden” definiert wurden. Dieses verbale – und insbesondere ahistorische(!) – Verhalten ist unsäglich und ein intolerabler Vorgang!
Insbesondere auch deshalb, weil diese diffamierenden Kreise dadurch (unfreiwillig?) ablenken von dem tatsächlich existierenden Problem des Rechtspopulismus. Dieser ist per se rassistisch, nationalistisch, chauvinistisch – und damit immer offen in Richtung Rechtsextremismus.

Daniel Bratanovic würde dem widersprechen:

Ist [..] die Position des Parteifreunds Diether Dehm [der das Buch selbstverständlich auch gut findet, s.u., Anmerk. FDW] nicht abzulehnen, der auf dem Ostermarsch in Kassel 2009 gesagt hat: »Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben«? Abzulehnen auch deshalb, weil eine solche Bestimmung Äußerungen wie diesen einen Blankoscheck ausstellt: »Das Volk ohne Raum, das auserwählte Volk, agiert mittels Mossad, der sich, welche Ironie, auch mit SS schreibt, nach den Methoden der Nazis.« Getätigt hat sie der ehemalige RBB-Moderator Ken Jebsen. Die Passage ist Teil eines Beitrags aus dem Jahr 2012, der voll von diesem übelriechenden Unrat ist, den nicht als antisemitisch zu bezeichnen, ausgesprochen schwerfallen dürfte. Bis heute ist nicht bekannt, dass Jebsen sich davon distanziert hätte. Der Autor aber verteidigt ihn, den prominenten Vertreter der Montagsmahnwachen, und wähnt ihn wie die Bewegung ebenfalls als Opfer der nämlichen Kampagne. Der durchgängige Verteidigungscharakter lässt die kleine Schrift zur Bestätigungsliteratur für all diejenigen werden, die es ohnehin schon immer wussten.

Dehm Rufmord
„Konkret sprach sich aber besonders Benjamin Krüger, Vorstandsmitglied des BAK Shalom, auch gegen den Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs innerhalb linker Diskurse aus. […] Es geht aber nicht nur um weniger Aggressivität unter uns, sondern um Frieden im Nahen Osten.“ Als würden sie so den Nahostkonflikt beenden…
Und so könnte man auch monieren:

Geht es um Antisemitismus, geht es in Deutschland nahezu immer auch und gerade um Israel. Moderner Antisemitismus kommt oft als »Israelkritik« daher, als Rat getarnt, der Juden davor bewahren soll, rückfällig zu werden, wie Wolfgang Pohrt einst analysierte. Das sieht Wolfgang Gehrcke anders, der daher exemplarisch etwa solche Sätze formuliert:

»Seit Mitte der sechziger Jahre [..] kämpfte die israelische Presse- und Informationspolitik darum, dass in der westlichen Öffentlichkeit Kritik an israelischer Regierungspolitik mit dem Makel des Antisemitismus behaftet werde. [..] Eine offene Auseinandersetzung mit israelischer Regierungspolitik wie auch mit dem realen Antisemitismus und seinen Gefahren ist seither enorm erschwert.«

Hieße nun jemand die Behauptung, »die israelische Presse- und Informationspolitik« erschwere die Auseinandersetzung »mit dem realen Antisemitismus«, antisemitisch, wäre das in den Augen Wolfgang Gehrckes wohl nicht nur falsch, sondern ein Versuch, von »realem Antisemitismus« abzulenken, oder gar der Beginn einer »Kampagne« gegen ihn, Wolfgang Gehrcke (*).

Denn so läuft es nach seiner Ansicht nämlich immer in Deutschland. Da gibt es auf der einen Seite wohlmeinende Linke, die nicht notwendigerweise in der Partei organisiert sein müssen, die dieses Label für sich beansprucht, und auf der anderen »Antisemiten-Jäger um Henryk M. Broder«, die Antisemitismus als »Kampfbegriff« gegen all jene nutzten, die doch nur für das Gute kämpften.

Das sind für Wolfgang Gehrcke in der jüngeren Zeit die »globalisierungskritische« Bewegung Attac, eine sich Friedenswinter nennende Organisation, Günter Grass, Jakob Augstein oder »kritische Wissenschaftler« und seine Partei Die Linke. Ihnen allen bescheinigt der Politiker die allergrößte Ferne zum Antisemitismus und erklärt Antisemitismusvorwürfe zu »Kampagnen«.

Ließe sich da oder dort über solche Vorwürfe womöglich diskutieren, macht Wolfgang Gehrcke mit seiner Kampagnenbehauptung freilich deutlich, daß er gar nicht gewillt ist, beispielsweise eine etwas über 300 Seiten starke politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem »Fall« Augstein auch nur wahrzunehmen. Ist doch ohnehin alles bloß Teil einer »Kampagne«.

»Nicht alle Kampagnen hatten eine so massive Medienbegleitung, zu der in wachsendem Maße auch das Internet gehört, wie die gegen Attac, Grass und Augstein. Für die weniger bekannten Opfer waren aber die Folgen möglicherweise noch verheerender, in hohem Maße rufschädigend, zum Teil auch existenzbedrohend, weil die Solidarität schwach war oder gänzlich ausblieb.«

So geraten also immer wieder völlig Unschuldige ins Visier jener »Antisemiten-Jäger um Henryk M. Broder«, dem, wer weiß das schon so genau, vielleicht sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel rechenschaftspflichtig ist. Wo Wolfgang Gehrcke blind ist für tatsächlichen Antisemitismus, verfügt er über eine blühende Phantasie, die ihn ein Netzwerk von Rufmördern herbeihalluzinieren läßt.

Das friedensbewegte Hamburger Forum hatte auch eine Vorstellung des Buches organisiert. Über diese schrieb „Emanzipation statt Querfront“:

Ziel war es nicht, sich mit Antisemitismus oder Antisemitismusvorwürfen auseinanderzusetzen, sondern pauschal diese als „Kampagne“ zu denunzieren, die von sogenannten „Antisemitismusjägern“, „Antideutschen“ oder „Heckenschützen des Neoliberalismus“ betrieben werden. Dies war Wasser auf die Mühlen der Anwesenden, waren doch Mahnwachenaktivisten sowie Mitglieder des Hamburger Forums vor Ort, die nicht zu Unrecht der Verwendung antisemitischer Denkweisen oder zumindest das Tolerierens offenen Antisemitismus vorgeworfen wurde. Aber Gehrcke ließ sie wissen, dass sie sich keine Sorgen machen müssten, da dies alles nur eine Kampagne mit dem Ziel die „verbrecherische“ israelische Regierungspolitik in Deutschland mehrheitsfähig zu machen und als Strategie für innerlinke Machtkämpfe sei.

Welche Regression sich an diesem Abend dort breit machte, wollen wir anhand einiger Aussagen, die unwidersprochen getätigt wurden, darlegen:

Gehrcke: Israel dürfe kein europäischer Staat im Nahen Osten sein, sondern vielmehr ein nahöstlicher Staat.

Gehrcke: Die SPD würde nicht mit der Linkspartei koalieren wollen, weil es gegen die Linke Antisemitismusvorwürfe gibt.

Gehrcke: Ungefähr 30 Personen prägen die außenpolitische Meinung in der Bundesrepublik Deutschland.

Gehrcke: Den Begriff Querfront sehe er nicht kritisch. Er stehe hinter einem solchen Bündnis, jedoch warnte er die Kritiker, dass Karl Radek wegen Querfrontbestrebungen hingerichtet worden sei.

Paech: Das BDS-Movement sei nicht antisemitisch. Die Palästinenser versuchen nicht militant, sondern durch Boykott und politischen Druck ihre Ziele zu erreichen.

Zuschauer: Syrische Flüchtlinge kommen her, weil Israel Syrien bombardiert.

Zuschauer: „Araber sind auch Semiten“

Zuschauer: Was früher der Vorwurf des Kommunismus war, ist heute der Antisemitismus.

Eine ausführliche Darstellung des Abends findet ihr auf unserem Blog:

Aber anderen hat das Buch gefallen, denn sie konnten ihm entnehmen was sie schon immer über das mächtige Netzwerk der Antisemitismuskampagnentreiber zu wissen glaubten:

Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung der exzellenten Vernetzung der politischen Klasse, wenn es darum geht, “Antisemitismus”-Kampagnen gegen Linke oder so genannte Israelkritiker loszutreten. Dabei tun sich besonders einige Mitglieder der Linkspartei hervor, die aus Karrieregründen ihre “Parteifreunde” ans politische Messer liefern, was von den Medien besonders goutiert wird. In großen Teilen ist die Linkspartei von Sayanims[IMs des Mossad] unterwandert. (Der Semit)

Das weist der LINKEN-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke gründlich nach, wenn er in seinem Buch „Rufmord – Die Antisemitismuskampagne gegen Links“ sorgsam die Vorwürfe mit den Fakten vergleicht und unter den vielen Anwürfen auch jenen gegen Oskar Lafontaine findet – dem von Dieter Graumann, einem Funktionär des jüdischen Zentralrates – „krankhafte“ Feindseligkeit gegen Israel vorgeworfen wurde. Dass der Graumann mit dem Wort „krankhaft“ die Sprache der Nazis benutzte, fiel der allgemeinen Öffentlichkeit einfach nicht auf. (Freigeist Weimar)

Und so verhält es sich auch mit der Linken und dem Antisemitismus, sie sind keine Geschwister, keine Verwandten und keine Freunde, nein sie sind Todfeinde, doch der Einsatz für Frieden im Nahen Osten, wird so leicht als Antisemitismus diffamiert, wenn er den herrschenden Ideen entgegenläuft, das am Ende nur noch wenig Zeit bleibt über praktische Solidarität mit den Menschen vor Ort zu reden!

Wolfgang Gehrckes Buch „Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“ ist ideal geeignet um zu verstehen wie mediale Kampagne funktionieren und wie man sich diesen widersetzen kann. (Die Freiheitsliebe)

Derartige Kampagnen sind nur ein Vorwand – sie zielen in Wirklichkeit auf den
Antimilitarismus der Friedensbewegung. Wolfgang Gehrcke deckt auf, welche formellen und informellen Netzwerke solche propagandistischen Feldzüge inszenieren, mit welchen unbewiesenen Unterstellungen und Manipulationen sie operieren und welche Absichten sie verfolgen. (Hamburger Forum)

 

Prof. Dr. Werner Bergmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin:

Es handelt sich beim Antisemitismus also nicht bloß um Xenophobie oder um ein religiöses und soziales Vorurteil, das es gegenüber Juden auch gibt, sondern um ein spezifisches Phänomen: eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache sozialer, politischer, religiöser und kultureller Probleme sieht. Entsprechend wurden und werden bestimmte moderne politische Strömungen und Ordnungen (Liberalismus, Kommunismus, Demokratie, übernationale Organisationen) oder wirtschaftliche Entwicklungen (Finanzkapitalismus, Globalisierung) als Erfindungen „jüdischen Geistes betrachtet, die den anderen Nationen als etwas Fremdes aufgezwungen werden.

Für einen Antisemiten können Juden in den Gesellschaften, in denen sie leben, ihre Destruktivität in mehrfacher Hinsicht ausüben:

a) in religiös-kultureller Hinsicht etwa durch Säkularisierung (Verweltlichung), d.h. durch das Herauslösen von Gruppen aus den religiösen und kirchlichen Bindungen und durch die Gefährdung der nationalen Kultur durch Einführung universalistische Werte. Juden gelten als Vertreter des Abstrakt-Gesellschaftlichen, von universalen Prinzipien, von Geldwirtschaft, eigennützigem Materialismus, Atheismus, schrankenloser Sexualität, der Vermischung von Völkern und „Rassen“ (z.B. durch Zuwanderung). Damit stehen sie im Widerspruch zur nationalen Gemeinschaft, deren vertraute, traditionelle und harmonische Lebensformen sie auf diese Weise zerstören.

b) in ökonomischer Hinsicht durch finanzielle Ausbeutung, internationale Finanzmanipulationen, Vorantreiben der Globalisierung usw. Juden fungieren hier als Personifikation von Macht. Als Beherrscher der Massenmedien und Finanzmärkte werden sie für ein verschwörungstheoretisches Denken zu den Urhebern krisenhafter Entwicklungen, die sie zu ihrem Nutzen inszenieren.

c) in politischer Hinsicht durch Verrat an äußere Feinde, als revolutionäre Kraft, indem sie die Politik und Medien des Landes kontrollieren oder indem sie Unfrieden unter den Völkern stiften. Juden nehmen hier die „Figur des Dritten“ ein, der die nationale Ordnung der Welt sprengt und sich nicht eindeutig als Nation, Volk, Rasse oder Religion definieren lässt, sondern eine weltumspannende Gruppe in anderen Nationen darstellt. Sie gelten damit als „Störenfriede“ und sind für die Konflikte in und zwischen den Nationen verantwortlich. Juden gelten als Feinde der Humanität. Mit ihnen ist ein Zusammenleben nicht möglich, da sie einen Ausbeutungs- und Unterdrückungskrieg gegen alle Völker führen.

d) in moralischer Hinsicht, indem sie ihre Rolle als Opfer von Verfolgung und Diskriminierung (insbesondere im Holocaust) nutzen, um andere Nationen zu diskreditieren, um Entschädigungsforderungen zu erheben oder um Regierungen unter Druck zu setzen. Das Argumentationsmuster der Täter-Opfer-Umkehr dient nicht erst seit dem Holocaust dazu, Schuldgefühle abzuwehren und die eigenen Verbrechen zu relativieren, die Juden als die Aggressoren zu kennzeichnen und den eigenen Antisemitismus als Notwehrreaktion zu legitimieren.

Da diese „Machenschaften“ der Juden nach Meinung des Antisemiten verdeckt geschehen, gehört der Gestus des Entlarvens zum Kern antisemitischer Kommunikation, die sich dabei selbst häufig in die Form von Codes, Chiffren, Anspielungen, Mutmaßungen und Gerüchten kleidet (eine bekannte Definition des Antisemitismus nennt ihn das „Gerücht über die Juden“), um nicht mit der angeblichen jüdischen Macht zu kollidieren, zumal die Antisemiten sich immer in der Defensive wähnen und ihren Antisemitismus als einen berechtigten Abwehrkampf verstehen. Wie andere Formen verschwörungstheoretischen Denkens, das alle Fakten nur als Bestätigung für bereits bestehende Überzeugungen und Gefühle selektiv heranzieht und deutet, entzieht sich auch der Antisemitismus einer rationalen Diskussion. Dies macht überzeugte Antisemiten gegen rationale Aufklärung weitgehend resistent, was nicht in gleichem Maße für Personen gilt, die nur einzelne negative Stereotype über Juden für zutreffend halten, diese aber nicht in eine umfassendere Weltanschauung integrieren.

 

Denn eigentlich ist das alles ja ganz einfach, die Frage ob es Ihrer Meinung nach denn gar keinen Antisemitismus von links gebe, konnte Wolfgang Gehrcke den NachDenkSeiten so beantworten:

Es gibt keinen linken Antisemitismus, also keine linke Begründung oder gar Theorie zum Hass, zur Ausgrenzung oder Verachtung von Jüdinnen und Juden, weil sie Juden sind. Links ist prinzipiell nicht völkisch und links wird keiner Menschengruppe bestimmte Verhaltensweisen oder Eigenschaften andichten.
Wolfgang Gehrcke schreibt das wirklich so: "Antisemitismus und Antikapitalismus schließen sich aus wie Feuer und Wasser." (W. Gehrcke, Rufmord: Die Antisemitismus-Kampagne gegen links, Seite 170)
Wolfgang Gehrcke schreibt das wirklich so: „Antisemitismus und Antikapitalismus schließen sich aus wie Feuer und Wasser.“ (W. Gehrcke, Rufmord: Die Antisemitismus-Kampagne gegen links, Seite 170)

In der Tat: Kein linker Antisemitismus. Nirgends. So einfach ist das. Nur ein paar Verschwörer wie das American Jewish Comittee, Broder oder der Zentralrat der Juden, die den Antisemitismusvorwurf benutzen um ihre Macht oder jene des Staaten unter den Juden zu bewahren und auszubauen.

Um es kurz zu machen:

Das Buch ist unglaublich schlecht.
Aber das wird eben auch niemanden überraschen der nicht vor Jahrzehnten bereits DKP-Mitglied war und mittlerweile zum verschwörungstheoretischen Flügel der Linkspartei gehört.
Auffällig ist dass der Buch unfassbar dünn „besiedelt“ (lustiger Wortwitz, ja?) ist an Quellennachweisen. Die gefühlte Hälfte führt auf den einschlägigen Blog von Albrecht Müller, „Nachdenkseiten“, die andere Hälfte auf andere einschlägige Antizionisten, die dadurch dass sie von Gehrcke als „jüdisch“ vorgestellt werden scheinbar plötzlich keine mehr sind. Die gleichen Leute, die Gerhcke als Quellen angeben hat, berufen sich nun auf das Buch und sehen darin, oh wunder, ihre Thesen bestätigt. Ein antizionistisches und verschwörungsideologisches Zitierkartell.

Er behauptet ernsthaft eine Medienverschwörung, geplanten Rufmord, angezettelt von „Drahtziehern“ wie u.a. der „American Jewish Conference“ und „Bertelsmann“. Halt irgendein „hochgradig vernetztes System von Eliten“.
Schreibt einer der sich gegen den Antisemitismus-Vorwurf wehren möchte.

An weiteren Antisemitismuskritikerinnen lässt er auch kaum Gutes. Die Tätigkeit Annetta Kahanes, Vorsitzende der „Amadeu-Antonio-Stiftung“, die sich in erster Linie für Bildungsangebote gegen rechtsradikale Propaganda einsetzt, wird in dem Buch als „giften“ umschrieben, andere Kritiker gelten als die „üblichen Verdächtigen“.

Wenn er Graumann erwähnt, Vorsitzender des Zentralrates der Juden, dann nur um ihm zu unterstellen seine „Erlaubnis“ zu irgendwas würde eine Rolle spielen, ein Diskurs quasi ohne diese sei nicht erlaubt. Auch ansonsten widerwärtiges Vokubular wie „Brückenköpfe“, „zionistischer Gründungsmythos“ etc.

Das Buch ist witzig weil es eindrucksvoll darstellt was an den Vorwürfen dran ist. Die Behauptung einer „Antisemitismuskeule“ wird hier quasi nur zum Anlass genommen die zur Kritik Anlass gebenden Ressentiments zu wiederholen.

Noch kürzer:

Die knapp 180 Seiten dürften vor allem Lesern Freude bereiten, die das Angebot des Rottenburger Kopp Verlags als informativ schätzen. Allen anderen kann die Lektüre zeigen, daß Verfolgungswahn kein allein rechtes Phänomen ist.

Wolfgang Gehrcke: Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links. PapyRossa-Verlag, Köln 2015, 177 S., 12,90 Euro

Sahra Wagenknecht​, der Antikriegstag und die Sehnsucht nach dem Volkserwachen

„Ich erwarte sehnsüchtig den Tag, an dem das Volk erwacht.“

Das ist der Kommentar mit den mit Abstand meisten Likes unter dem letzten friedensbewegten Posting der vermutlich kommenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestags-Linksraktion.

Vor kurzem sehnte sich auch Jakob Augstein​ nach einer Volksgemeinschaft und erkor die Banken zum gemeinsamen Feind – ein Mainstreamkompatibler Aufruf zur Querfront. Der Politwissenschaftler Stephan Grigat​ beschrieb den Antiamerikanismus als Ideologie, die die Gefahr der Bildung einer Volksgemeinschaft in postnazistischen Gesellschaften wie Deutschland und Österreich birgt.

Und genau an dieses ressentimentgeladene Ideologie appelierte Wagenknecht, um Zustimmung und Kommentare wie den oben zu erheischen[2]. Das sie es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt muss einen nicht wundern: Wer braucht schon Fakten, wenn er ein Ressentiment zu bieten hat? Und nicht nur die „Es ging ums ÖL“-Legende greift sie auf:

So verbreitet sie auch die unsichere Behauptung, aber in Deutschland vielen als Fakt geltende Behauptung die Taliban seien durch die USA „aufgerüstet und unterstützt“ wurden als wäre es eine unumstrittende Wahrheit. Gesichert ist aber nur, dass die Taliban als „Islamisches Emirat Afghanistan“ durch Pakistan, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate anerkannt und unterstützt wurden. Freilich haben die USA die Mudschaheddin in ihrem Krieg gegen die Sowjet Union und deren afghanischer Marionettenregierung unterstützt, aber die Taliban sind nun einmal eine andere Gruppe, die in Flüchtlingslagern in Pakistan ausgebildet wurden und erst nach Abzug der sowjetischen Truppen in Afghanistan einfiel und eben gegen jene Mudschaheddin einen Bürgerkrieg führte, die nach dem 11.September 2001 als Nordallianz an der Seite der NATO kämpften(Siehe z.B. hier).

Emanzipation und Frieden“ schrieb zu Analysen wie derer Wagenknechts:

Besonders gerne verstehen sich Antiimperialisten als Friedensfreunde. Auffällig ist, dass sie für „den Frieden“ – oder jedenfalls für ihre Vorstellung davon – regelmäßig nur dann kämpfen, wenn es gegen die USA, Israel oder den Westen geht. Können sie denen beim besten Willen nichts anhängen, lassen sie Kriege und Militäraktionen auf der ganzen Welt verdächtig kalt. Wie ressentimentgeladen dieses Weltbild ist, lässt sich anhand der Losung „Kein Blut für Öl“ zeigen. Als die USA 2003 den Irakkrieg begannen, demonstrierten hunderttausende unter diesem Motto. Es erwies sich als fähig, staatstragende BürgerInnen zusammen mit linken Antiimps, Islamisten und Nazis in Scharen auf die Straßen zu treiben. Vom positiven Bezug auf „das Blut“ wollen wir hier einmal schweigen. Reden wir über die andere Flüssigkeit. Dass das Saddam-Hussein-Regime Öl an den Westen verkaufte und unter Umgehung von Embargobestimmungen liebend gerne noch viel mehr geliefert hätte, es folglich keinen Krieg brauchte, damit die USA an irakisches Öl kamen, blendeten alle miteinander aus. Auch, dass die Hälfte des weltweit geförderten Öls zur Aufrechterhaltung des Verkehrs dient, ein „Krieg für Öl“ folglich auch dafür geführt worden wäre, dass deutsche Friedensfreunde jederzeit volltanken können, musste natürlich abgewehrt werden. Ein Aufruf zum Tankstellenboykott, zehntausendfach auf Friedensdemos verteilt, blieb erwartungsgemäß ohne Resonanz. Er passte nicht ins Bild von „uns Guten“ und „den Bösen“. Auch stellt sich zehn Jahre nach dem Irakkrieg – gegen den man aus anderen Gründen durchaus etwas haben konnte – keineR der vermeintlichen FriedensfreundInnen die Frage, wo denn nun eigentlich die US-Tankerflotten geblieben sind, die „dem irakischen Volk“ sein Öl raubten. KeineR fragt, warum ausgerechnet chinesische Konzerne den großen Deal machten, als die neue irakische Regierung Lizenzen für die Erdölindustrie vergab. (Siehe z.B. China plant milliardenschweren Öl-Deal im Irak, Spiegel online, 30.12.2012) Obwohl Kapitalismus also anders funktioniert, als sich Antiimperialisten das vorstellen, kramte eine angebliche Friedensbewegung im Jahre 2011 erneut die Parole „Kein Krieg für Öl“ hervor. Dass jedoch auch das libysche Gaddafi-Regime einen Großteil seines Reichtums aus dem Ölverkauf an den Westen bezog, dieser folglich auch diesmal dafür keinen Krieg nötig hatte, durfte einfach nicht wahr sein.

„Die Linke​ lehnt als einzige Partei im Deutschen Bundestag Krieg als Mittel der Politik konsequent ab.“ sagt Wagenknecht stolz. Grigat würde antworten, dass dieser Pazifismus auch eine Art der Vergangenheitsbewältigung ist, mit dem der allierte Krieg gegen Nazideutschland nachträglich delegitimiert werden soll, denn in diesem wäre es dann ja auch nur um „geostrategische Interessen, um Rüstungsprofite und um Öl“ gegangen.

Freilich ist es nicht das erste mal, das die Unterstützerin der querföntelenden Friedenswinter Wagenknecht Dinge äußert, die Wichtelherze höher schlagen lassen. „Fluchtursachen bekämpfen heißt insbesondere dem US-Imperialismus die rote Karte zeigen!“ hieß es neulich bei ihr in Berufung auf das die Wichtelseite „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“, denen sie schon ein Interview über „unheimliche Komplizenschaften zwischen Deutschland und den USA“ gab, in dem sie behauptete, die deutsche Außenpolitik und Medien wären von den USA gesteuert und ähnlich wie nun im Falle warf sie auch im syrischen Bürgerkrieg gekonnt FSA und IS bzw.  alle Gegner Assads in einen Topf um den Wahnwichteln, die zumeist glauben der IS wäre direkt durch die Amerikaner aufgerüstet wurden, eine Steilvorlage durch Doppeldeutigkeit zu geben.

 

Volk erwache Wagenknecht

Wahnmachen und Islamismus I

Hendra Kremzow und das islamistische Propagandavideo

Nachdem wir kürzlich auf Facebook über Hendra Kremzow berichteten, der in einem Video behauptete keine Feindbilder zu proklamieren während er lauter Feinbilder proklamierte, wurden wir darauf hingewiesen, das er ein Video teilte und es mit einer offensichtlich antisemitischen Anspielung versah. Bei dem Video handelt es sich um ein islamistisches Propagandavideo, wie Floris Biskamp und Stefan Hößl recherchiert haben:

Schlimmer noch ist aber, dass das Video letztlich auf das hinausläuft, was mit einem hässlichen, aber treffenden Wort als „Opferkonkurrenz“ bezeichnet wird – und die Opfer, mit denen man sich am stärksten in Konkurrenz sieht sind selbstredend die Juden. Die Sprecherin moniert, dass „[d]ie Diffamierung von Juden jeglicher Art oder auch die Kritik an israelischen Verbrechen […] als Antisemitismus und Judenhass gedeutet [wird], während die Diffamierung der Muslime als künstlerische Expression, Meinungs- und Pressefreiheit interpretiert werden müsse und es sich nicht um Islamhass handele sondern um Islamkritik“.

[…]

Wer steht dahinter?

Über „Generation Islam“ finden sich im Internet nur wenige Informationen. Laut Impressum der GI-Website zeichnet sich der Hamburger Faruk Özmen für diese verantwortlich. Betrachtet man die Seite genauer, wird schnell klar, wer hier mit welchem Interesse Videos produziert. So findet sich bspw. eine knapp 13-minütige Solidaritätsbekundung für den in salafistischen Szenen verorteten Sven Lau bzw. Abu Adam, der sich wegen des Vorwurfs, terroristische Aktivitäten zu unterstützen, vor Gericht verantworten muss. Der Titel des Videos lautet „Die Festnahme unseres Bruders Sven Lau (Abu Adam)“. In ihm verkündet ein Sprecher:

„Wir Muslime sitzen alle in einem Boot und wir können nicht die Muslime in Gruppen aufteilen – […] selektieren in Form von dass wir den Radikalen haben, den Extremen haben, den Liberalen haben ähm den konservativen Muslim haben und den friedfertigen Muslim, den toleranten usw. usw. Dieses Muster und dieses Bild ist etwas […] was die Medien aufzeigen, um die Muslime zu kategorisieren, um die Muslime auch zu spalten, damit wir uns von uns selber distanzieren. Damit wir uns gegenüber der Umma und gegenüber den Muslimen distanzieren, und so letztendlich gespalten werden. Und dahingehend müssen wir verstehen, dass wir in einem Boot sitzen und wenn einer untergeht […] geht letztendlich die Identität des Islams unter und die Muslime in ihrer Gesamtheit gehen unter weil heute ist es Abu Adam und morgen bin ich es und morgen bist du es.“

Insgesamt vermittelt dieses Video muslimischen Zuschauern also nicht nur den Eindruck, sie seien eine von finsteren Mächten verfolgte und bedrohte Minderheit, sondern suggeriert auch noch, sie seien dieeinzigen von Diskriminierung und Ressentiments Betroffenen – während insbesondere die Juden ungerechtfertigt viel Aufmerksamkeit bekämen.

Somit ist deutlich, worauf „Generation Islam“ insgesamt abzielt: Gerade junge Muslime sollen glauben, sie seien gegenwärtig die verfolgte und diskriminierte Minderheit schlechthin. Und wenn Islamisten wegen mutmaßlicher Unterstützung von terroristischen Organisationen vor Gericht stehen, sollen sie darin einen Teil einer antiislamischen Verschwörung sehen, die letztlich auf den Massenmord an Muslimen zielt.

Alle, die sich gegen Islamfeindlichkeit oder antimuslimischen Rassismus engagieren, sollten sich gut überlegen, ob sie diese Hetze durch Alarmismus und hyperbolische Vergleiche unterstützen wollen.

Ist Kremzow also ein Antirassist, der sich verannt hat, wie manche, die dieses Video teilten? Daran darf man zweifeln, sagt er auf Youtube doch Dinge wie:

Die Afrikaner […] können sehr gut singen, [..] wir können uns von denen auch was abschauen.[…] Zweifellos können die Afrikaner sehr viel von den Deutschen lernen, wie man Maschinen baut, wie man akribische Prozesse macht, wie man produktiv wird und zuverlässig und alles[…] Aber das Leben ist sehr vielschichtig und das Wunder der Schöpfung ist auch vielschichtig […] und man sagt es gibt so viele Wege zum Islam wie es Menschen gibt.

Die vermeintliche Spaltung der Wahnmachenszene

Wenig überraschend bezieht Kremzow im Mahnwacheninternen teilweise mit aburden verschwörungsideologischen Argumenten geführten Streit um Pegida, Elsässer und andere Rechte Position für jene Rechten, denen er nicht andichtet nur Teil der Verschwörung zu sein – die nachfolgende Diskussion macht das Statement übrigens nicht besser:

 

Hendra und das afghanische Flüchtlingsmädchen
Hendra Kremzow gegen die „Augrenzerites“

Elsässer hatte Pegida und Muslime aufgerufen, sich gegen Israel und USA zu vereinen, ist Chefredakteur eines Magazins, das bis zum Zerwürfnis über Pegida zu einem Drittel dem Islamisten Andreas Abu Bakre Rieger gehörte und grenzt sich – in typischer Begriffsumdeutung – von „den Neuen Rechten“ ab, die er als  „zionistisch durchsetzt“, rassistisch und antiislamisch sieht. Wobei laut Elsässer erst der „zionistische Einfluss“ zum Rassismus führe.

Darin, dass „die Neuen Rechten“ angeblich „alle“ Israel „lieben“ würden, ist er sich übrigens mit seinen wahnmacheninternen Gegenspieler Pedram Shahyar völlig einig, welcher es eigentlich schon wegen des Beispiels Elsässer besser wissen müsste. Weniger bekannte Neue Rechte, bzw. weniger als Neue Rechte bekannte Personen als Elsässer, wie z.B. Willy Wimmer, dürfen freilich bis heute auch bei KenFM auftreten und dort Pegida verteidigen, im Gegensatz zu Elsässer stehen sie dem unentwegt von Shahyar hervorgebrachten strategisch motiviertem Argument, man habe sich doch „von den Rechten distanziert“ offenbar nicht entgegen.

Islamismus auch im Umfeld der „KenFM-Fraktion“

Interessant ist auch, das Kremzow dieses Video offenbar via Jörg Cölsmann geteilt hat. Cölsmann vermittelte kürzlich die mutmaßlichen IS-Unterstützer von Ansaar International, die eindeutig zur Islamistenszene gehören an das „Give Back“-Sommerfest aus Kreisen der Mahnwachenbewegung. Über dieses berichteten wir auf Facebook. Die Salafisten von Anssar International stellten sich dort als humanitäre Hilfsorganisation da, die besonders effektive Entwicklungshilfe weltweit betreibt. […] Bei Give Back durften sie […] ihr freundliches Gesicht zeigen. Der stadtbekannte Antisemit Jörg Cölsmann trug ein Pali-Tuch auf seinem Kopf und hing mit den Salafisten ab. Den freien Journalisten Danny Marx bezeichnete er im Vorrübergehen murmelnd als „Zionist“. Schon im Vorfeld verharmloste er beim Wichtelmedium „krosta.TV“ Ansaar und behauptete sogar, dass die Gruppe aus religiösen Gründen verfolgt werden würde. Seine Rede beim Sommerfest lässt sich zusammenfassen mit: Syrien, Asyl, Ölhunger des US-amerikanischen Militärs, weswegen in der Türkei deutsche Soldaten mit Riesen-Raketenstationen auf der Bergspitze sitzen, und Ansaar ist toll. Cölsmann rief dazu auf an Ansaar zu spenden.

„Give Back“ als eines der Projekte von „Bildung für den Frieden“ bzw. dem „Freundeskreis Wanfried“ aufgeführt. Da hängt nicht nur z.B. Pedram Shahyar (Team KenFM) sondern auch der recht bekannte Altfriedensbewegte Rainer Braun mit drin. Beide nahmen als Redner am Give Back Sommerfest teil, wie auch Kaveh Ahanger und Leute des free21-Magazins. Aus diesen Kreisen geht auch die Kampagne „Stopp Ramstein“ hervor, welche leider auch vom Co-Vorsitzenden der Linkspartei, Riexinger, unterstützte wird.

Mitglieder der Gruppe „Give Back“ waren Teilnehmer_innen und/oder Redner_innen der Düsseldorfer Montagsmahnwachen im vergangenen Jahr und Monatsmahnwachen in diesem Jahr. Zudem war die Gruppe z.B. mit einem Give Back-Infostand bei der Veranstaltung „Marsch auf den Landtag“ 2014 und div. Anlässen in Düsseldorf und Köln vertreten. Zuletzt beteiligten sich Mitglieder der Gruppe am erneuten „Marsch auf den Landtag“ unter dem Namen „Peace Parade„.

In einem Video von „Endlich Montag TV“ begleiten zwei bekannte Aktivst_innen der Düsseldorfer Wahnmache die lokale „Give Back – Don’t Talk, Move“-Gruppe bei ihrem offenbar karitativen Stadtrundgang durch die Düsseldorfer Altstadt. Pascal Liquos, ein Mitglied der etwa aus 20 Personen bestehenden Gruppe (zum großen Teil aus Düsseldorf und Meerbusch) erklärt in dem Video, dass sich Give Back nicht ausschließlich um Obdachlose sorgt, es bestünden auch Projekte wie z.B. das Informieren über den „Israel/Palästina-Konflikt“. Dafür wurden im vergangenen Sommer eigens Flyer erstellt und verteilt, in der z.B., recht typisch nicht nur für die Wahnmachen(sondern z.B. auch für Organisatoren und Redner des Al Quds-Aufmarsches), auf antizionistische jüdische Kronzeugen Bezug genommen wird. Ja, diese Leute wollen sogar wissen wer „richtige Juden“ sind und wer nicht – denn so die „Logik“:  Wären die, gegen die sich der eigene Antisemitismus richtet, „keine richtigen Juden“, so könne man ja auch kein richtiger Antisemit seien, selbst wenn man glasklaren und nur leicht codierten Antisemitismus verbreitet, z.B. suggeriert, „die Zionisten“ könnten weltweit die Medien manipulieren oder unterstell, sie würden planmäßig einen Völkermord betreiben:

Give Back Völkermord Gaza

Freilich sind das nicht die einzigen Verbindungen zwischen Protagonisten der Wahnmachenszene und Islamisten, die sich vor allem aus bestimmten geteilten Feindbildern, Ideologien und Ideologemen, insbesondere dem Antisemitismus und Antiamerikanismus, ergeben. Wir berichteten auf Facebook darüber und werden auch in Zukunft darüber berichten.