„Querfront vom Feinsten“: Die RT-Doku „Soft Occupation“

Screenshot „Soft Occupation“ – Kofner im Gespräch mit Afd-Spitzenpolitikern

„Querfront vom Feinsten“ frohlockte der extrem rechte Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer bereits am 16. Juli in seinem Blog über die neue RT-Doku „Soft Occupation“ zur vermeintlichen US-Besatzung Deutschlands und traf damit den Kern des Films. Das antiamerikanische Machwerk des russischen Staatssenders deckt nämlich weniger eine vermeintliche US-Besatzung auf, als dass sie die putintreue Querfront in Deutschland aus Verschwörungsideologen, Identitären und Politikern aus AfD- und Linkspartei präsentiert.

Zu Wort kommen als selbsternannte „Experten“ neben klassischen Kreml-Propagandisten wie Willy Wimmer, der nicht nur lange mit Jürgen Elsässer zusammenarbeitete, sondern auch für KenFM und Sputnik schreibt und auf Veranstaltungen der völkischen Friedensbewegung anzutreffen ist, auch AfD-Politiker wie Hugh Bronson (Abgeordneter aus Berlin), Andreas Kalbitz (Landesvorsitzender AfD-Brandenburg) und Jörg Sobolewski (rechter Burschenschaftler, AfD-Bundestagskandidat und Identitärer) sowie der Verschwörungsideologe und Redakteur des rechten Verschwörungsportals NuoVisoTV, Norbert Fleischer, der sich auch im Umfeld der Mahnwachen und Pax Terra bewegt. Weitere Gesprächspartner, die die These Deutschland würde von den USA kontrolliert unterfüttern sind Jürgen Elsässer, der bereits verstorbene Udo Ulfkotte (KOPP-Autor und Rechtspopulist) und die beiden Bundestagsabgeordneten der Partei Die LINKE Wolfgang Gehrcke und Alexander Neu, deren Auftritt in diesem stramm rechten Potpourri allerdings kaum mehr verwundert, fallen sie doch schon lange als Putinpropagandisten im Querfrontmilieu auf.

Diese Zusammenstellung an Protagonisten überrascht noch weniger, wenn man schaut, wer diesen Film produziert hat: Diese „Dokumentation“ stammt aus der Feder des „Eurasiers“, Compact-Autoren und Identitären Jurij Kofner aus München, der sich bereits in der Vergangenheit regelmäßig als Netzwerker bei linken und rechten Kremlfreunden einschmeichelte. Kofner betreibt das „Center for Eurasian Studies“, das sich früher „Zentrum für Kontinentale Zusammenarbeit“ (ZKZ) nannte und schon mehrfach medial thematisiert wurde (siehe hier und hier). Er fungiert als ein Bindeglied der moskautreuen Querfront in Deutschland und Österreich. Weitere Mitglieder des „Center for Eurasian Studies“ sind u.a. der österreichische Identitäre Maximilian Dvorak Stocker, Philipp Liehs (Vorstand des weit rechtsaußen-Flügels der AfD „Patriotischen Plattform“), der Dresdener AfDler Alexey Yakovlev aber auch der „Chef“ der „Antiimperialistischen Aktion“, Tobias Pfennig (aka Tobias Nase), über den wir schon mehrfach berichtet hatten. Kofner und Pfennig veranstalteten im Juli 2016 zusammen mit der „Identitären Bewegung München“ eine Veranstaltung zu „Putinismus“. Insofern ist es nur konsequent, dass Kofners Machwerk erstmals am 12. August diesen Jahres auf dem „AfD-Russlandkongress“ in Magdeburg öffentlich zur Präsentation kam, der zusammen mit der rassistischen Propagandaschleuder Compact von Jürgen Elsässer ausgeführt wurde.
Screen: Jürgen Elsässer Blog
Der AfD- Kongress richtete sich gegen den Einfluss der NATO und forderte ein engeres Deutsch-Russisches Bündnis, sowie die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland. Kofners Film, der behauptet, die USA würden nicht nur das Deutsche Heer, sondern auch die öffentliche Meinung kontrollieren, passte hier perfekt in den Rahmen.
Im Interview mit Kofner meint Norbert Fleischer (NuoVisoTV) zum Beispiel, dass das Hausrecht der Amerikaner in der Bundesrepublik „wahrscheinlich im Bett von Frau Merkel“ ende. Und der Linkenpolitiker Alexander Neu, der wie sein Kollege Wolfgang Gehrcke entgegen eines Parteibeschlusses die rechtsoffenen Mahnwachen für den Frieden unterstützt, weiß über die Funktion des Militärstützpunktes Ramstein zu berichten:


„Deutsches Territorium […] wird [den USA] zur Verfügung gestellt, um illegales Töten der USA möglich zu machen; Deutsches Territorium wird zur Verfügung gestellt, um einen Truppenaufmarsch gegen Russland zu ermöglichen. Das ist ganz eindeutig!“ [vgl. „Soft Occupation“ min 00:10:00]

Desweiteren, so Neu, würden die USA mit Wohltätigkeitsangeboten und Austauschprogrammen ihre Vormachtsstellung in Deutschland sichern und über Indoktrination junger Journalisten ihre Kontrolle halten, eine These die Jörg Sobolewski, Bundestagskandidat der AfD, mit persönlichen Anekdoten zu unterfüttern weiß.

Screenshot Facebook: Jurij Kofner mit Wolfgang Gehrcke (oben) und Alexander Neu (unten) , die Fotos sind u.a. überschrieben mit: „Freiheit für das Deutsche Vaterland! P.S. Ceterum censeo Carthago delenda est, also #Merkelmussweg“

Jörg Sobolewski, der seine Nähe zu den vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären leugnet und der in der Vergangenheit seine Homophobie mit dem Verbrennen einer Regenbogenfahne unterstrich, wird als Ex-Juso und Student vorgestellt. Er berichtet davon wie er in seiner Juso-Zeit von den USA mit Angeboten zu attraktiven Austauschprogrammen, kostenlosen Reisen und Vergünstigungen umgarnt worden sei. Diese und ähnliche Erzählungen bilden den roten Faden durch den Film, sowie dass die Interviewten unabhängig ihrer menschenverachtenden politischen Positionen neutral vorgestellt werden. So wird aus Udo Ulfkotte ein freier Journalist und sein Buch „Gekaufte Journalisten“ zu einem seriösen Sachbuch, dessen inhaltliche Brisanz, Ulfkotte womöglich das Leben gekostet haben könnte. Kofner vermeidet es hier eindeutig zu werden, suggeriert aber eine mögliche Verschwörung gegen Ulfkotte. Am Ende beklagt der Film, dass es im Nachkriegsdeutschland unmöglich geworden sei, einen starken Nationalstolz zu haben. Ob Alexander Neu und Wolfgang Gehrcke, mit denen Kofner sich beim Händeschütteln fotografieren ließ, das auch so sehen? Wer weiß? Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Zusammenarbeit der beiden Linkenpolitiker mit dem Rechtsaußen, sowie der indirekte Auftritt auf dem AfD-Russlandkongress für beide keine Konsequenzen haben wird.


„Linkspartei und AfD scheinen auf den ersten Blick völlig gegensätzlich. Tatsächlich gibt es aber durchaus einige Gemeinsamkeiten, zum Beispiel in der Russlandpolitik. Sind links und rechts näher als gedacht?“ Ein Beitrag von FAKT vom 12.09.2017

Vereint im Widerstand: Ex-Wahnwichtel Lars Günther, Julia Schwarze und André Poggenburg bei Elsässer

Ex Wahnwichtel Lars Günther mit Andre Poggenburg, Julia SChwarze ("Das Sachsen-Mädel") und Jürgen Elsässer bei Compact
Ex Wahnwichtel Lars Günther mit André Poggenburg, Julia Schwarze („Das Sachsen-Mädel“) und Jürgen Elsässer bei Compact

Ex-Wahnwichtel Lars Günther hat Bilder von der Compact- Aschermittwochs Veranstaltung in Altenburg gepostet, die im Zeichen der Solidarität mit Höcke stand. Dabei ist mal wieder Andre Poggenburg mit dem „Sachsen-Mädel“ Julia Schwarze, Thügida-Aktivistin um Alexander Kurth und David Köckert. Sie wird mal wieder auch für den 5. Merkel-muss-weg-Naziaufmarsch am kommenden Samstag in Berlin erwartet. Ebenfalls auf den Fotos der Compact Veranstaltung zu sehen sind der Dresdner Richter Jens Maier und Siegfried Däbritz.

der Dresdner Richter Jens Maier mit Andre Poggenburg und Jürgen Elsässer
Der Dresdner Richter Jens Maier mit André Poggenburg und Jürgen Elsässer

Poggenburg war in letzter Zeit nicht nur wegen seiner Wortwahl im Landtag von Sachsen-Anhalt in die Kritik geraten – er sprach von „linksextremen Lumpen“ und „Wucherung am deutschen Volkskörper“, die man endgültig loswerden müsse, sondern auch weil Fotos von ihm mit eben jener Julia Schwarze öffentlich wurden. Von seinem verhinderten Auftritt an der Uni Magdeburg, die von Ingo Zimmermann, Maik Range (beide DIE RECHTE) und von Identitären und anderen Nazis besucht wurde, mal ganz zu schweigen.

Lars Günther war 2014 mit Christoph Kastius, Carsten Halffter und Anja Heussmann Mitbegründer des AK Berlin, eine der ersten rechten Abspaltungen der Montagswachen in Solidarität mit Elsässer, der nach sich Prinz Chaos und Shayhar in die Wachen integriert hatten aus strategischen Gründen ausgeschlossen wurde. Der AK Berlin organisierte dann wöchentliche Kundgebungen am Alexanderplatz und größere Demos am geschichtsträchtigen Daten am Kanzleramt. Bei einer dieser Veranstaltungen war nicht nur Xavier Naidoo dabei, sondern auch der mutmaßliche Rechtsterrorist Burghard Bangert.
Das verhinderte dennoch nicht, dass diese offen rechte Truppe zu größeren Wichtel-Veranstaltungen immer wieder mit dem Shahyar-Chaos-Jebsen-Mährholz-Flügel verschmolz. Mittlerweile betätigt sich Lars Günther als Propagandaschleuder für Elsässer und die Afd. Er war am 05.11.2016 in Berlin für den Einlass zur Compact-Konferenz zuständig und kontrollierte die Gästelisten, wie er auch im August 2016 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Neubrandenburg mit Bernd Höcke anwesend war und für Elsässer Compact-Werbung verteilte. Momentan richtet er die wöchentlichen Mittwochsdemos am Kanzleramt in Berlin für Franz Wiese (Afd Brandenburg) aus, an der Siegfried Däbritz regelmäßig teilnimmt. Auch Identitäre um Robert Timm, der wiederum am letzten Montag, dem 27.02. bei Pegida in Dresden auf der Bühne stand, sind dort ab und an zu Gast. Da ist ordentlich was zusammengewachsen.