Obsessiver Hass auf Juden: Fristlose Kündigung für selbsternannten Volkslehrer

Gute Nachrichten: der Grundschullehrer und selbsternannte Volkslehrer Nikolai Nerling, der via YouTube NS-Propaganda verbreitet und die Shoah leugnet, wurde fristlos gekündigt. Nerling wurde nach Bekanntwerden seines Falls im Januar 2018 zur Überprüfung der Anschuldigungen bei vollem Gehalt vorerst vom Schuldienst freigestellt. Er nutzte die Zeit um sich in der Shoahleugner- und Neonazi-Szene einzuleben und in Youtube-Videos NS-Ideologie zu glorifizieren.

Seine nun endlich erfolgte fristlose Kündigung gibt Nerling in einem Video bekannt, das nach dem Prozess des Shoahleugners Alfred Schaefer entstanden ist. Schaefer musste sich am 4. Mai in Dresden wegen Volksverhetzung verantworten. Er hatte 2017 auf einer geschichtsrevisionistischen Veranstaltung von Gerhard Ittner, der selbst mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, die Verbrechen der Nationalsozialisten eine „Fantasie der Weltbanken“ genannt. Nerling war neben anderen ShoahleugnerInnen ihm zur Unterstützung angereist. In dem Video tritt neben Schaefer auch die verurteilte Shoahleugnerin und ehemalige Lebensgefährtin von Horst Mahler, Sylvia Stolz auf. Gemeinsam feiern sie sich als mutige KämpferInnen gegen ein Unrechtssystem und machen deutlich, dass sie die Glorifizierung des NS und Leugnung des millionenfachen Mordes an Juden und Jüdinnen als Lebensaufgabe betreiben.

Screenshot: YouTube Volkslehrer, Nerling mit Alfred Schaefer, seinem Anwalt und Sylvia Stolz

Nerling ist mittlerweile auch mit Haverbeck oder auch Axel Schlimper, Regionalleiter der inzwischen aufgelösten ShoahleugnerInnen-Gruppe „Europäischen Aktion“, freundschaftlich verbunden. Für erstere bewirbt er gerade eine Solidaritäts-Veranstaltung der neonazistischen Kleinstpartei DIE RECHTE, die aus Haverbeck ein Opfer des Internationalen Auschwitz Komitees machen. Letzteren begleitete er auf das neonazistische Schild und Schwert Festival nach Ostritz, das vom allein wegen Volksverhetzung mehrfach vorbestraften Neonazi-Kader Thorsten Heise über den Geburtstag von Adolf Hitler organisiert wurde.

Aber nicht nur NS-Propaganda gehört zum Geschäft des selbsterannten Volkslehrers, zunehmend fällt er auch dadurch auf, dass er Journalist*innen nachstellt, diese bedrängt und in seinen Videos outet.

Trotz der eindeutigen Faktenlage will sich Nerling keiner Schuld bewusst sein. Er spricht von einer Inquisition und wertet seine Kündigung als Beweis für das Unrecht, das Menschen in diesem Staat droht, die doch „nur“ ihre Meinung sagen. Seinen unverhohlenen Hass auf Juden und der Glaube an eine jüdische Weltverschwörung offenbart sich dabei auch immer wieder in kleinen Nebensätzen. In seinem Newsletter beispielsweise schrieb er über seine Anhörung:

„Obwohl ich mich weder zum Nationalsozialismus bekannte, noch den Holocaust in Frage stellte und auch nicht die Existenz der BRD leugnete, teilte mir der Herr, der mich prüfen sollte, mit, dass er an meiner Eignung zweifele.
Der freundliche Herr, war übrigens dem jüdischen Volk angehörig, aber das ist sicher völlig irrelevant.“

Wir haben über den Fall des selbsternannten Volkslehrers bereits Anfang des Jahres berichtet. Er fiel erstmals 2016 breiter auf, als er auf einer Frank Geppert-Demo auf Plakaten mittels Verschwörungsthesen die Shoah zu „einer Geschichte voller Lügen“ erklärte. Er stand aber bereits 2015 auf der Bühne einer Mährholzwache und referierte über das Geldsystem.

Nikolai Nerling, der die letzten Monate trotz seines vollen Lehrergehalts von seiner Community erfolgreich Spenden einsammelte, wird in Zukunft wohl dringender auf diese Spenden angewiesen sein, wenn er das Pensum, mit dem er NS-Propaganda betreibt, aufrechterhalten will. Wie lange die Freundschaft zu gewalttätigen Neonazis, obsessiven ShoahleugnerInnen und verurteilten VolksverhetzerInnen halten wird, steht dagegen in den Sternen. Falls alle Stricke reißen sollten, kann er es ja mal bei KenFM oder RT Deutsch versuchen. Beide Plattformen hatten sich bereits positiv auf Nerling bezogen. Bei RT Deutsch wurde er als „der Mann, der das Schweigen brach“ heroisiert, bei KenFM nach seiner Suspendierung zum Opfer einer Hetzkampagne deutscher Leitmedien erklärt.

 

Shoahleugner, Reichsbürger und Verschwörungsideologe: Ein Grundschullehrer des Grauens

 

Shoahleugner, Reichsbürger und Verschwörungsideologe: Ein Grundschullehrer des Grauens

Das kann man sich gar nicht ausdenken: Der Shoahleugner, der am 08.10.2016 auf der Demonstration des Bündnisses „Friedensbewegung Bundesweite Koordination“ stolz ein Schild präsentierte, das auf der einen Seite mit Verweis auf Horst Mahler für die Abschaffung des Paragrafen der Volksverhetzung warb und auf der anderen krude antisemitische Verschwörungserzählungen inklusive der Leugnung der Shoah zeigte, ist Lehrer an der Weddinger Vineta-Grundschule und unterrichtet Kinder in Musik und Sport.

Der selbsternannte „Volkslehrer“ auf einer Demonstration am 08.10.2017 in Berlin

In seiner Freizeit dagegen präsentiert er als Nikolai, „Der Volkslehrer“ sein rechtes, von Antisemitismus, Verschwörungsideologie und Geschichtsrevisionismus strotzendes Weltbild in selbstgedrehten Youtube-Filmen. Im grotesken Kontrast dazu wird sein Video-Kanal von einem mit freundlicher Klaviermusik untermalten Intro geziert, das wohl sein Selbstbild präsentiert: Ein netter, engagierter fahrradfahrender „Volkslehrer“, der sich um die Wahrheit sorgt und den Dingen auf den Grund geht. Der Realität hält das nicht stand. Nerling betreibt vielmehr einen Desinformationskanal.

In seinen Videos plaudert er auch gerne aus dem Nähkästchen und gibt nicht nur Schulinterna in Anekdoten preis, er behauptet mit Blick auf die Rahmenlehrpläne auch, dass es zum Schulprogramm gehöre, Kinder bereits in jungen Jahren auf „Multikulti“ zu trimmen und quasi heimat- und volksfeindlich zu indoktrinieren. Überhaupt sorgt sich „Der Volkslehrer“, der an der Schule als Herr Nerling unterrichtet, um das Deutsche Volk, das er wahlweise von geheimnisvollen Mächten, Geflüchteten, Linken oder „Gutmenschen“ bedroht sieht.

Screenshot: „Ein kleines Intro – zum Teilen und Gernhaben“ (Youtube Der Volkslehrer)

Auch gezielte Störaktionen von Veranstaltungen mit bekannten Politikern und Politikerinnen gehören zu seinem Repertoire, die man sich dann auf seinem Kanal ansehen kann. Die Störung der Schweigeminute einer Trauerveranstaltung für im Mittelmeer ertrunkene Geflüchtete beim evangelischen Kirchentag brachte ihm ein RT Deutsch-Interview mit Jasmin Kosubek ein, das beinahe romantisch aufgemacht ist und den heroischen Titel „Der Mann der das Schweigen brach“ trägt. Insgesamt ist es wohl auch RT Deutsch und solchen Störaktionen zu verdanken, dass sein relativ junger Account bereits eine ganz gute Reichweite erzielen kann.

Der Volkslehrer und die Mahnwachen

Seinen ersten Auftritt im Spektrum der Mahnwachen hatte Nikolai Nerling dabei nicht auf der selbsternannten Friedensdemo der Querfrontler Frank Geppert (Endgame) und Stephan Steins (Rote Fahne), die unter dem damals frischen Label „Friedensbewegung Bundesweite Koordination“ (FbK) am 08.10.2016 eine groteske Versammlung auf die Straße brachten. Nerling stand bereits im April 2015 als Redner auf der Bühne der Mährholz-Wachen und warb für das „Konzept von Vollgeld“ und den Verein monetative, der übrigens auch von Ralph Boes und Götz Werner unterstützt wird. Ironischerweise wurde Nerlings Auftritt von Malte Klingauf moderiert, wie ein Video zeigt. Klingauf sorgte, selbst als Mährholz schon lange das Weise gesucht hatte, trotz der stetig sinkenden Teilnahmerzahlen konsequent dafür, einem kleinen harten Kern der Mahnwachen-Szene, das Gefühl von großer Bedeutung zu geben. Er ist bis heute, allen gegenteiligen Fakten zum Trotz,  sehr bemüht darum, alle braunen Umtriebe seiner Mahnwachen-Mitstreiter und des von ihm mitinitiierten Folgeprojekts „Pax Terra Musica“ zu verwischen oder zu negieren.

Aber zurück zum selbsternannten Volkslehrer: Dieser wurde im Oktober 2017 als Provokateur auf der großen bürgerlichen Demonstration gegen den Einzug der AfD in den Bundestag gesichtet, als er sich in der Relativierung von Rechtsradikalismus durch Gleichsetzung von rechter und linker Gewalt probierte. Außerdem provozierte er die Demonstration mit lauten Parolen und Sprüchen durch ein Megaphon. Als ein Redner den Ausspruch Höckes vom „Denkmal der Schande“ kritisierte, schrie Nikolai Nerling laut „Du bist eine Schande“. Schließlich wurden Antifaschisten auf ihn aufmerksam und versuchten ihn zur Rede zu stellen. Dabei inszenierte dieser sich als Opfer von Gewalt und schrie laut nach der Polizei, die ihm aber einen Platzverweis erteile.

22.10.2017 Berlin: Shoahleugner provoziert auf bürgerlicher Anti-Afd-Demonstration

22.10.2017 Berlin: Shoahleugner provoziert auf bürgerlicher Anti-Afd-Demonstration

Nikolai Nerling ist ein Lehrer des Grauens, der als Problem-Lehrer zwar bereits bekannt, bisher aber immer nur von Schule zu Schule weitergereicht wurde, ohne aus dem Schuldienst entlassen worden zu sein.

Während der Antisemitismus in Deutschland aufblüht, werden Kinder von Leuten unterrichtet, die die Verfassung negieren; daran glauben, dass Politiker im Dienste irgendwelcher Freimauer und Illuminaten stehen und im Namen des Friedens die Shoah umdichten und zu einer Lüge erklären. Björn Höcke und der Dresdner Richter Jens Maier, sie alle sind keine Einzelfälle. Antisemitismus und Rassismus sind keine Probleme der Ränder, sondern blühen in der Mitte der Gesellschaft.

Hinweis: Der Tagesspiegel ist in einem Artikel gründlich auf von Nikolai Nerling verbreitete Thesen eingegangen.

Update (08.01.2018):
Mittlerweile berichten auch Eltern im Tagesspiegel von der Qualität des Unterricht des selbsternannten „Volkslehrers“, Nikolai Nerling.
Man darf dabei nicht vergessen: Öffentliche Strukturen haben hier lange nur zugeschaut. Die ebenfalls bekanntgewordene schnelle Suspendierung erfolgte nur aufgrund der durch Berichterstattung erzeugten Öffentlichkeit!