„Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“

Es ist bemerkenswert, dass Kritik an politischen Auffassungen und Standpunkten von den Kritisierten häufig mit Verbot gleichgesetzt und jetzt eben mit dem Spaltungsvorwurf konfrontiert wird. Diese gedankliche Verquickung verweist auf eine politische Tradition, in der Kritik aufgrund eines sakrosankten Standpunktes nicht sein kann und politische Auseinandersetzung immer nur administrativ geführt, Generallinien und die Einheit der Partei bisweilen eben auch mit Verboten und durch Verfolgung sanktioniert wurden. Die Möglichkeit, dass bestimmte Gewissheiten (es gibt keine Menschenrechtsverletzungen, keine Gesinnungsjustiz, keinen GAU und auch keinen Antisemitismus im Sozialismus) sich als falsch und deswegen auch als nicht mehr vertretbar erweisen, muss wegen Unfähigkeit zur Selbstreflektion und der notwendigerweise damit verbundenen Gefahr der Selbstaufgabe weit von sich gewiesen werden. Zur Not hilft dann auch der Verweis auf den Verräter, Diversant, Spalter oder eben den bezahlten Agenten. (BGA Kassel)

Klappentext zu „Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“ von Wolfgang Gehrcke :

Die deutsche Linke wird immer wieder mit dem Verdikt des Antisemitismus belegt. Ihre Kritik an der US-amerikanischen wie der israelischen Regierungspolitik bediene antisemitische Vorurteile. Dieser Vorwurf wird in Politik und Medien in stetiger Wiederholung variiert. Wie kommt es zu solchen Anschuldigungen und was bezwecken sie? Warum richten sie sich ausgerechnet gegen links? Stellen sie nicht eine der schlimmsten Anklagen dar, die gegen ein linkes Selbstverständnis erhoben werden könnten? Sind derartige Kampagnen möglicherweise nur ein Vorwand? Sollte es dabei etwa gar nicht gegen Antisemitismus gehen? Zielen sie vielleicht in Wirklichkeit nur auf den Antikapitalismus der Linken? Wolfgang Gehrcke deckt auf, welche formellen und informellen Netzwerke solche propagandistischen Feldzüge inszenieren, mit welchen unbewiesenen Unterstellungen und Manipulationen sie operieren und welche Absichten sie verfolgen. Und er konfrontiert den behaupteten mit dem tatsächlich existierenden Antisemitismus.

Daniel Bratanovic rezensierte das Buch für die junge Welt:

Gehrcke unterstellt die Existenz einer Kampagne, also eines (von oben) zentral geplanten und gesteuerten Vorgehens, von vorne bis hinten durchorganisiert, bei dem noch der letzte antideutsche Fußtrupp seine Order erhalten haben soll, um Rufmord an der Linken (nicht nur an der gleichnamigen Partei) zu begehen. Weil er das nicht beweisen kann, konstruiert er ein Szenario des möglichen Ablaufs, koordiniert von Mitgliedern zweier miteinander verwobener und weitverzweigter elitärer Netzwerke: der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und des American Jewish Committee in Deutschland. Empirisch nachweisbar ist daran nichts, aber die Auflistung zahlreicher Personen- und Organisationsnamen soll Faktizität vortäuschen und dem arglosen Leser suggerieren: So muss es gewesen sein! So fragwürdig diese Methode insgesamt ist, sie zeigt allemal ein unterkomplexes Verständnis bestimmter Vorgänge an und bedient zudem ein Klischee.

Ahja, das „American Jewish Committee in Deutschland“ bestimmt also, was man in Deutschland sagen darf. Aber auch Prof. Dr. Werner Bergmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, auf den Gehrcke sich in seinem Buch beruft, schreibt:

Es handelt sich beim Antisemitismus also nicht bloß um Xenophobie oder um ein religiöses und soziales Vorurteil, das es gegenüber Juden auch gibt, sondern um ein spezifisches Phänomen: eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache sozialer, politischer, religiöser und kultureller Probleme sieht. Entsprechend wurden und werden bestimmte moderne politische Strömungen und Ordnungen (Liberalismus, Kommunismus, Demokratie, übernationale Organisationen) oder wirtschaftliche Entwicklungen (Finanzkapitalismus, Globalisierung) als Erfindungen „jüdischen Geistes betrachtet, die den anderen Nationen als etwas Fremdes aufgezwungen werden.

Für einen Antisemiten können Juden in den Gesellschaften, in denen sie leben, ihre Destruktivität in mehrfacher Hinsicht ausüben:

a) in religiös-kultureller Hinsicht etwa durch Säkularisierung (Verweltlichung), d.h. durch das Herauslösen von Gruppen aus den religiösen und kirchlichen Bindungen und durch die Gefährdung der nationalen Kultur durch Einführung universalistische Werte. Juden gelten als Vertreter des Abstrakt-Gesellschaftlichen, von universalen Prinzipien, von Geldwirtschaft, eigennützigem Materialismus, Atheismus, schrankenloser Sexualität, der Vermischung von Völkern und „Rassen“ (z.B. durch Zuwanderung). Damit stehen sie im Widerspruch zur nationalen Gemeinschaft, deren vertraute, traditionelle und harmonische Lebensformen sie auf diese Weise zerstören.

b) in ökonomischer Hinsicht durch finanzielle Ausbeutung, internationale Finanzmanipulationen, Vorantreiben der Globalisierung usw. Juden fungieren hier als Personifikation von Macht. Als Beherrscher der Massenmedien und Finanzmärkte werden sie für ein verschwörungstheoretisches Denken zu den Urhebern krisenhafter Entwicklungen, die sie zu ihrem Nutzen inszenieren.

c) in politischer Hinsicht durch Verrat an äußere Feinde, als revolutionäre Kraft, indem sie die Politik und Medien des Landes kontrollieren oder indem sie Unfrieden unter den Völkern stiften. Juden nehmen hier die „Figur des Dritten“ ein, der die nationale Ordnung der Welt sprengt und sich nicht eindeutig als Nation, Volk, Rasse oder Religion definieren lässt, sondern eine weltumspannende Gruppe in anderen Nationen darstellt. Sie gelten damit als „Störenfriede“ und sind für die Konflikte in und zwischen den Nationen verantwortlich. Juden gelten als Feinde der Humanität. Mit ihnen ist ein Zusammenleben nicht möglich, da sie einen Ausbeutungs- und Unterdrückungskrieg gegen alle Völker führen.

d) in moralischer Hinsicht, indem sie ihre Rolle als Opfer von Verfolgung und Diskriminierung (insbesondere im Holocaust) nutzen, um andere Nationen zu diskreditieren, um Entschädigungsforderungen zu erheben oder um Regierungen unter Druck zu setzen. Das Argumentationsmuster der Täter-Opfer-Umkehr dient nicht erst seit dem Holocaust dazu, Schuldgefühle abzuwehren und die eigenen Verbrechen zu relativieren, die Juden als die Aggressoren zu kennzeichnen und den eigenen Antisemitismus als Notwehrreaktion zu legitimieren.

Die Friedensfreunde von OCCUPEACE freuen sich über das Buch – für sie ist es offenbar erst dann Antisemitismus, wenn Schornsteine rauchen:

Jene, die – inzwischen schon fast inflationär – mit dem pauschalen “Vorwurf” des Antisemitismus hantieren, nehmen durch ihr Reden und Schreiben ganz offensichtlich billigend in Kauf: Die Entwertung des historischen Holocaust – d.h. der industriell und systematisch bürokratisch betriebene Vernichtung von Menschen, die als “Juden” definiert wurden. Dieses verbale – und insbesondere ahistorische(!) – Verhalten ist unsäglich und ein intolerabler Vorgang!
Insbesondere auch deshalb, weil diese diffamierenden Kreise dadurch (unfreiwillig?) ablenken von dem tatsächlich existierenden Problem des Rechtspopulismus. Dieser ist per se rassistisch, nationalistisch, chauvinistisch – und damit immer offen in Richtung Rechtsextremismus.

Daniel Bratanovic würde dem widersprechen:

Ist [..] die Position des Parteifreunds Diether Dehm [der das Buch selbstverständlich auch gut findet, s.u., Anmerk. FDW] nicht abzulehnen, der auf dem Ostermarsch in Kassel 2009 gesagt hat: »Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben«? Abzulehnen auch deshalb, weil eine solche Bestimmung Äußerungen wie diesen einen Blankoscheck ausstellt: »Das Volk ohne Raum, das auserwählte Volk, agiert mittels Mossad, der sich, welche Ironie, auch mit SS schreibt, nach den Methoden der Nazis.« Getätigt hat sie der ehemalige RBB-Moderator Ken Jebsen. Die Passage ist Teil eines Beitrags aus dem Jahr 2012, der voll von diesem übelriechenden Unrat ist, den nicht als antisemitisch zu bezeichnen, ausgesprochen schwerfallen dürfte. Bis heute ist nicht bekannt, dass Jebsen sich davon distanziert hätte. Der Autor aber verteidigt ihn, den prominenten Vertreter der Montagsmahnwachen, und wähnt ihn wie die Bewegung ebenfalls als Opfer der nämlichen Kampagne. Der durchgängige Verteidigungscharakter lässt die kleine Schrift zur Bestätigungsliteratur für all diejenigen werden, die es ohnehin schon immer wussten.

Dehm Rufmord
„Konkret sprach sich aber besonders Benjamin Krüger, Vorstandsmitglied des BAK Shalom, auch gegen den Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs innerhalb linker Diskurse aus. […] Es geht aber nicht nur um weniger Aggressivität unter uns, sondern um Frieden im Nahen Osten.“ Als würden sie so den Nahostkonflikt beenden…
Und so könnte man auch monieren:

Geht es um Antisemitismus, geht es in Deutschland nahezu immer auch und gerade um Israel. Moderner Antisemitismus kommt oft als »Israelkritik« daher, als Rat getarnt, der Juden davor bewahren soll, rückfällig zu werden, wie Wolfgang Pohrt einst analysierte. Das sieht Wolfgang Gehrcke anders, der daher exemplarisch etwa solche Sätze formuliert:

»Seit Mitte der sechziger Jahre [..] kämpfte die israelische Presse- und Informationspolitik darum, dass in der westlichen Öffentlichkeit Kritik an israelischer Regierungspolitik mit dem Makel des Antisemitismus behaftet werde. [..] Eine offene Auseinandersetzung mit israelischer Regierungspolitik wie auch mit dem realen Antisemitismus und seinen Gefahren ist seither enorm erschwert.«

Hieße nun jemand die Behauptung, »die israelische Presse- und Informationspolitik« erschwere die Auseinandersetzung »mit dem realen Antisemitismus«, antisemitisch, wäre das in den Augen Wolfgang Gehrckes wohl nicht nur falsch, sondern ein Versuch, von »realem Antisemitismus« abzulenken, oder gar der Beginn einer »Kampagne« gegen ihn, Wolfgang Gehrcke (*).

Denn so läuft es nach seiner Ansicht nämlich immer in Deutschland. Da gibt es auf der einen Seite wohlmeinende Linke, die nicht notwendigerweise in der Partei organisiert sein müssen, die dieses Label für sich beansprucht, und auf der anderen »Antisemiten-Jäger um Henryk M. Broder«, die Antisemitismus als »Kampfbegriff« gegen all jene nutzten, die doch nur für das Gute kämpften.

Das sind für Wolfgang Gehrcke in der jüngeren Zeit die »globalisierungskritische« Bewegung Attac, eine sich Friedenswinter nennende Organisation, Günter Grass, Jakob Augstein oder »kritische Wissenschaftler« und seine Partei Die Linke. Ihnen allen bescheinigt der Politiker die allergrößte Ferne zum Antisemitismus und erklärt Antisemitismusvorwürfe zu »Kampagnen«.

Ließe sich da oder dort über solche Vorwürfe womöglich diskutieren, macht Wolfgang Gehrcke mit seiner Kampagnenbehauptung freilich deutlich, daß er gar nicht gewillt ist, beispielsweise eine etwas über 300 Seiten starke politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem »Fall« Augstein auch nur wahrzunehmen. Ist doch ohnehin alles bloß Teil einer »Kampagne«.

»Nicht alle Kampagnen hatten eine so massive Medienbegleitung, zu der in wachsendem Maße auch das Internet gehört, wie die gegen Attac, Grass und Augstein. Für die weniger bekannten Opfer waren aber die Folgen möglicherweise noch verheerender, in hohem Maße rufschädigend, zum Teil auch existenzbedrohend, weil die Solidarität schwach war oder gänzlich ausblieb.«

So geraten also immer wieder völlig Unschuldige ins Visier jener »Antisemiten-Jäger um Henryk M. Broder«, dem, wer weiß das schon so genau, vielleicht sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel rechenschaftspflichtig ist. Wo Wolfgang Gehrcke blind ist für tatsächlichen Antisemitismus, verfügt er über eine blühende Phantasie, die ihn ein Netzwerk von Rufmördern herbeihalluzinieren läßt.

Das friedensbewegte Hamburger Forum hatte auch eine Vorstellung des Buches organisiert. Über diese schrieb „Emanzipation statt Querfront“:

Ziel war es nicht, sich mit Antisemitismus oder Antisemitismusvorwürfen auseinanderzusetzen, sondern pauschal diese als „Kampagne“ zu denunzieren, die von sogenannten „Antisemitismusjägern“, „Antideutschen“ oder „Heckenschützen des Neoliberalismus“ betrieben werden. Dies war Wasser auf die Mühlen der Anwesenden, waren doch Mahnwachenaktivisten sowie Mitglieder des Hamburger Forums vor Ort, die nicht zu Unrecht der Verwendung antisemitischer Denkweisen oder zumindest das Tolerierens offenen Antisemitismus vorgeworfen wurde. Aber Gehrcke ließ sie wissen, dass sie sich keine Sorgen machen müssten, da dies alles nur eine Kampagne mit dem Ziel die „verbrecherische“ israelische Regierungspolitik in Deutschland mehrheitsfähig zu machen und als Strategie für innerlinke Machtkämpfe sei.

Welche Regression sich an diesem Abend dort breit machte, wollen wir anhand einiger Aussagen, die unwidersprochen getätigt wurden, darlegen:

Gehrcke: Israel dürfe kein europäischer Staat im Nahen Osten sein, sondern vielmehr ein nahöstlicher Staat.

Gehrcke: Die SPD würde nicht mit der Linkspartei koalieren wollen, weil es gegen die Linke Antisemitismusvorwürfe gibt.

Gehrcke: Ungefähr 30 Personen prägen die außenpolitische Meinung in der Bundesrepublik Deutschland.

Gehrcke: Den Begriff Querfront sehe er nicht kritisch. Er stehe hinter einem solchen Bündnis, jedoch warnte er die Kritiker, dass Karl Radek wegen Querfrontbestrebungen hingerichtet worden sei.

Paech: Das BDS-Movement sei nicht antisemitisch. Die Palästinenser versuchen nicht militant, sondern durch Boykott und politischen Druck ihre Ziele zu erreichen.

Zuschauer: Syrische Flüchtlinge kommen her, weil Israel Syrien bombardiert.

Zuschauer: „Araber sind auch Semiten“

Zuschauer: Was früher der Vorwurf des Kommunismus war, ist heute der Antisemitismus.

Eine ausführliche Darstellung des Abends findet ihr auf unserem Blog:

Aber anderen hat das Buch gefallen, denn sie konnten ihm entnehmen was sie schon immer über das mächtige Netzwerk der Antisemitismuskampagnentreiber zu wissen glaubten:

Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung der exzellenten Vernetzung der politischen Klasse, wenn es darum geht, “Antisemitismus”-Kampagnen gegen Linke oder so genannte Israelkritiker loszutreten. Dabei tun sich besonders einige Mitglieder der Linkspartei hervor, die aus Karrieregründen ihre “Parteifreunde” ans politische Messer liefern, was von den Medien besonders goutiert wird. In großen Teilen ist die Linkspartei von Sayanims[IMs des Mossad] unterwandert. (Der Semit)

Das weist der LINKEN-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke gründlich nach, wenn er in seinem Buch „Rufmord – Die Antisemitismuskampagne gegen Links“ sorgsam die Vorwürfe mit den Fakten vergleicht und unter den vielen Anwürfen auch jenen gegen Oskar Lafontaine findet – dem von Dieter Graumann, einem Funktionär des jüdischen Zentralrates – „krankhafte“ Feindseligkeit gegen Israel vorgeworfen wurde. Dass der Graumann mit dem Wort „krankhaft“ die Sprache der Nazis benutzte, fiel der allgemeinen Öffentlichkeit einfach nicht auf. (Freigeist Weimar)

Und so verhält es sich auch mit der Linken und dem Antisemitismus, sie sind keine Geschwister, keine Verwandten und keine Freunde, nein sie sind Todfeinde, doch der Einsatz für Frieden im Nahen Osten, wird so leicht als Antisemitismus diffamiert, wenn er den herrschenden Ideen entgegenläuft, das am Ende nur noch wenig Zeit bleibt über praktische Solidarität mit den Menschen vor Ort zu reden!

Wolfgang Gehrckes Buch „Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“ ist ideal geeignet um zu verstehen wie mediale Kampagne funktionieren und wie man sich diesen widersetzen kann. (Die Freiheitsliebe)

Derartige Kampagnen sind nur ein Vorwand – sie zielen in Wirklichkeit auf den
Antimilitarismus der Friedensbewegung. Wolfgang Gehrcke deckt auf, welche formellen und informellen Netzwerke solche propagandistischen Feldzüge inszenieren, mit welchen unbewiesenen Unterstellungen und Manipulationen sie operieren und welche Absichten sie verfolgen. (Hamburger Forum)

 

Prof. Dr. Werner Bergmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin:

Es handelt sich beim Antisemitismus also nicht bloß um Xenophobie oder um ein religiöses und soziales Vorurteil, das es gegenüber Juden auch gibt, sondern um ein spezifisches Phänomen: eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache sozialer, politischer, religiöser und kultureller Probleme sieht. Entsprechend wurden und werden bestimmte moderne politische Strömungen und Ordnungen (Liberalismus, Kommunismus, Demokratie, übernationale Organisationen) oder wirtschaftliche Entwicklungen (Finanzkapitalismus, Globalisierung) als Erfindungen „jüdischen Geistes betrachtet, die den anderen Nationen als etwas Fremdes aufgezwungen werden.

Für einen Antisemiten können Juden in den Gesellschaften, in denen sie leben, ihre Destruktivität in mehrfacher Hinsicht ausüben:

a) in religiös-kultureller Hinsicht etwa durch Säkularisierung (Verweltlichung), d.h. durch das Herauslösen von Gruppen aus den religiösen und kirchlichen Bindungen und durch die Gefährdung der nationalen Kultur durch Einführung universalistische Werte. Juden gelten als Vertreter des Abstrakt-Gesellschaftlichen, von universalen Prinzipien, von Geldwirtschaft, eigennützigem Materialismus, Atheismus, schrankenloser Sexualität, der Vermischung von Völkern und „Rassen“ (z.B. durch Zuwanderung). Damit stehen sie im Widerspruch zur nationalen Gemeinschaft, deren vertraute, traditionelle und harmonische Lebensformen sie auf diese Weise zerstören.

b) in ökonomischer Hinsicht durch finanzielle Ausbeutung, internationale Finanzmanipulationen, Vorantreiben der Globalisierung usw. Juden fungieren hier als Personifikation von Macht. Als Beherrscher der Massenmedien und Finanzmärkte werden sie für ein verschwörungstheoretisches Denken zu den Urhebern krisenhafter Entwicklungen, die sie zu ihrem Nutzen inszenieren.

c) in politischer Hinsicht durch Verrat an äußere Feinde, als revolutionäre Kraft, indem sie die Politik und Medien des Landes kontrollieren oder indem sie Unfrieden unter den Völkern stiften. Juden nehmen hier die „Figur des Dritten“ ein, der die nationale Ordnung der Welt sprengt und sich nicht eindeutig als Nation, Volk, Rasse oder Religion definieren lässt, sondern eine weltumspannende Gruppe in anderen Nationen darstellt. Sie gelten damit als „Störenfriede“ und sind für die Konflikte in und zwischen den Nationen verantwortlich. Juden gelten als Feinde der Humanität. Mit ihnen ist ein Zusammenleben nicht möglich, da sie einen Ausbeutungs- und Unterdrückungskrieg gegen alle Völker führen.

d) in moralischer Hinsicht, indem sie ihre Rolle als Opfer von Verfolgung und Diskriminierung (insbesondere im Holocaust) nutzen, um andere Nationen zu diskreditieren, um Entschädigungsforderungen zu erheben oder um Regierungen unter Druck zu setzen. Das Argumentationsmuster der Täter-Opfer-Umkehr dient nicht erst seit dem Holocaust dazu, Schuldgefühle abzuwehren und die eigenen Verbrechen zu relativieren, die Juden als die Aggressoren zu kennzeichnen und den eigenen Antisemitismus als Notwehrreaktion zu legitimieren.

Da diese „Machenschaften“ der Juden nach Meinung des Antisemiten verdeckt geschehen, gehört der Gestus des Entlarvens zum Kern antisemitischer Kommunikation, die sich dabei selbst häufig in die Form von Codes, Chiffren, Anspielungen, Mutmaßungen und Gerüchten kleidet (eine bekannte Definition des Antisemitismus nennt ihn das „Gerücht über die Juden“), um nicht mit der angeblichen jüdischen Macht zu kollidieren, zumal die Antisemiten sich immer in der Defensive wähnen und ihren Antisemitismus als einen berechtigten Abwehrkampf verstehen. Wie andere Formen verschwörungstheoretischen Denkens, das alle Fakten nur als Bestätigung für bereits bestehende Überzeugungen und Gefühle selektiv heranzieht und deutet, entzieht sich auch der Antisemitismus einer rationalen Diskussion. Dies macht überzeugte Antisemiten gegen rationale Aufklärung weitgehend resistent, was nicht in gleichem Maße für Personen gilt, die nur einzelne negative Stereotype über Juden für zutreffend halten, diese aber nicht in eine umfassendere Weltanschauung integrieren.

 

Denn eigentlich ist das alles ja ganz einfach, die Frage ob es Ihrer Meinung nach denn gar keinen Antisemitismus von links gebe, konnte Wolfgang Gehrcke den NachDenkSeiten so beantworten:

Es gibt keinen linken Antisemitismus, also keine linke Begründung oder gar Theorie zum Hass, zur Ausgrenzung oder Verachtung von Jüdinnen und Juden, weil sie Juden sind. Links ist prinzipiell nicht völkisch und links wird keiner Menschengruppe bestimmte Verhaltensweisen oder Eigenschaften andichten.
Wolfgang Gehrcke schreibt das wirklich so: "Antisemitismus und Antikapitalismus schließen sich aus wie Feuer und Wasser." (W. Gehrcke, Rufmord: Die Antisemitismus-Kampagne gegen links, Seite 170)
Wolfgang Gehrcke schreibt das wirklich so: „Antisemitismus und Antikapitalismus schließen sich aus wie Feuer und Wasser.“ (W. Gehrcke, Rufmord: Die Antisemitismus-Kampagne gegen links, Seite 170)

In der Tat: Kein linker Antisemitismus. Nirgends. So einfach ist das. Nur ein paar Verschwörer wie das American Jewish Comittee, Broder oder der Zentralrat der Juden, die den Antisemitismusvorwurf benutzen um ihre Macht oder jene des Staaten unter den Juden zu bewahren und auszubauen.

Um es kurz zu machen:

Das Buch ist unglaublich schlecht.
Aber das wird eben auch niemanden überraschen der nicht vor Jahrzehnten bereits DKP-Mitglied war und mittlerweile zum verschwörungstheoretischen Flügel der Linkspartei gehört.
Auffällig ist dass der Buch unfassbar dünn „besiedelt“ (lustiger Wortwitz, ja?) ist an Quellennachweisen. Die gefühlte Hälfte führt auf den einschlägigen Blog von Albrecht Müller, „Nachdenkseiten“, die andere Hälfte auf andere einschlägige Antizionisten, die dadurch dass sie von Gehrcke als „jüdisch“ vorgestellt werden scheinbar plötzlich keine mehr sind. Die gleichen Leute, die Gerhcke als Quellen angeben hat, berufen sich nun auf das Buch und sehen darin, oh wunder, ihre Thesen bestätigt. Ein antizionistisches und verschwörungsideologisches Zitierkartell.

Er behauptet ernsthaft eine Medienverschwörung, geplanten Rufmord, angezettelt von „Drahtziehern“ wie u.a. der „American Jewish Conference“ und „Bertelsmann“. Halt irgendein „hochgradig vernetztes System von Eliten“.
Schreibt einer der sich gegen den Antisemitismus-Vorwurf wehren möchte.

An weiteren Antisemitismuskritikerinnen lässt er auch kaum Gutes. Die Tätigkeit Annetta Kahanes, Vorsitzende der „Amadeu-Antonio-Stiftung“, die sich in erster Linie für Bildungsangebote gegen rechtsradikale Propaganda einsetzt, wird in dem Buch als „giften“ umschrieben, andere Kritiker gelten als die „üblichen Verdächtigen“.

Wenn er Graumann erwähnt, Vorsitzender des Zentralrates der Juden, dann nur um ihm zu unterstellen seine „Erlaubnis“ zu irgendwas würde eine Rolle spielen, ein Diskurs quasi ohne diese sei nicht erlaubt. Auch ansonsten widerwärtiges Vokubular wie „Brückenköpfe“, „zionistischer Gründungsmythos“ etc.

Das Buch ist witzig weil es eindrucksvoll darstellt was an den Vorwürfen dran ist. Die Behauptung einer „Antisemitismuskeule“ wird hier quasi nur zum Anlass genommen die zur Kritik Anlass gebenden Ressentiments zu wiederholen.

Noch kürzer:

Die knapp 180 Seiten dürften vor allem Lesern Freude bereiten, die das Angebot des Rottenburger Kopp Verlags als informativ schätzen. Allen anderen kann die Lektüre zeigen, daß Verfolgungswahn kein allein rechtes Phänomen ist.

Wolfgang Gehrcke: Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links. PapyRossa-Verlag, Köln 2015, 177 S., 12,90 Euro

Wahnmachen und Islamismus I

Hendra Kremzow und das islamistische Propagandavideo

Nachdem wir kürzlich auf Facebook über Hendra Kremzow berichteten, der in einem Video behauptete keine Feindbilder zu proklamieren während er lauter Feinbilder proklamierte, wurden wir darauf hingewiesen, das er ein Video teilte und es mit einer offensichtlich antisemitischen Anspielung versah. Bei dem Video handelt es sich um ein islamistisches Propagandavideo, wie Floris Biskamp und Stefan Hößl recherchiert haben:

Schlimmer noch ist aber, dass das Video letztlich auf das hinausläuft, was mit einem hässlichen, aber treffenden Wort als „Opferkonkurrenz“ bezeichnet wird – und die Opfer, mit denen man sich am stärksten in Konkurrenz sieht sind selbstredend die Juden. Die Sprecherin moniert, dass „[d]ie Diffamierung von Juden jeglicher Art oder auch die Kritik an israelischen Verbrechen […] als Antisemitismus und Judenhass gedeutet [wird], während die Diffamierung der Muslime als künstlerische Expression, Meinungs- und Pressefreiheit interpretiert werden müsse und es sich nicht um Islamhass handele sondern um Islamkritik“.

[…]

Wer steht dahinter?

Über „Generation Islam“ finden sich im Internet nur wenige Informationen. Laut Impressum der GI-Website zeichnet sich der Hamburger Faruk Özmen für diese verantwortlich. Betrachtet man die Seite genauer, wird schnell klar, wer hier mit welchem Interesse Videos produziert. So findet sich bspw. eine knapp 13-minütige Solidaritätsbekundung für den in salafistischen Szenen verorteten Sven Lau bzw. Abu Adam, der sich wegen des Vorwurfs, terroristische Aktivitäten zu unterstützen, vor Gericht verantworten muss. Der Titel des Videos lautet „Die Festnahme unseres Bruders Sven Lau (Abu Adam)“. In ihm verkündet ein Sprecher:

„Wir Muslime sitzen alle in einem Boot und wir können nicht die Muslime in Gruppen aufteilen – […] selektieren in Form von dass wir den Radikalen haben, den Extremen haben, den Liberalen haben ähm den konservativen Muslim haben und den friedfertigen Muslim, den toleranten usw. usw. Dieses Muster und dieses Bild ist etwas […] was die Medien aufzeigen, um die Muslime zu kategorisieren, um die Muslime auch zu spalten, damit wir uns von uns selber distanzieren. Damit wir uns gegenüber der Umma und gegenüber den Muslimen distanzieren, und so letztendlich gespalten werden. Und dahingehend müssen wir verstehen, dass wir in einem Boot sitzen und wenn einer untergeht […] geht letztendlich die Identität des Islams unter und die Muslime in ihrer Gesamtheit gehen unter weil heute ist es Abu Adam und morgen bin ich es und morgen bist du es.“

Insgesamt vermittelt dieses Video muslimischen Zuschauern also nicht nur den Eindruck, sie seien eine von finsteren Mächten verfolgte und bedrohte Minderheit, sondern suggeriert auch noch, sie seien dieeinzigen von Diskriminierung und Ressentiments Betroffenen – während insbesondere die Juden ungerechtfertigt viel Aufmerksamkeit bekämen.

Somit ist deutlich, worauf „Generation Islam“ insgesamt abzielt: Gerade junge Muslime sollen glauben, sie seien gegenwärtig die verfolgte und diskriminierte Minderheit schlechthin. Und wenn Islamisten wegen mutmaßlicher Unterstützung von terroristischen Organisationen vor Gericht stehen, sollen sie darin einen Teil einer antiislamischen Verschwörung sehen, die letztlich auf den Massenmord an Muslimen zielt.

Alle, die sich gegen Islamfeindlichkeit oder antimuslimischen Rassismus engagieren, sollten sich gut überlegen, ob sie diese Hetze durch Alarmismus und hyperbolische Vergleiche unterstützen wollen.

Ist Kremzow also ein Antirassist, der sich verannt hat, wie manche, die dieses Video teilten? Daran darf man zweifeln, sagt er auf Youtube doch Dinge wie:

Die Afrikaner […] können sehr gut singen, [..] wir können uns von denen auch was abschauen.[…] Zweifellos können die Afrikaner sehr viel von den Deutschen lernen, wie man Maschinen baut, wie man akribische Prozesse macht, wie man produktiv wird und zuverlässig und alles[…] Aber das Leben ist sehr vielschichtig und das Wunder der Schöpfung ist auch vielschichtig […] und man sagt es gibt so viele Wege zum Islam wie es Menschen gibt.

Die vermeintliche Spaltung der Wahnmachenszene

Wenig überraschend bezieht Kremzow im Mahnwacheninternen teilweise mit aburden verschwörungsideologischen Argumenten geführten Streit um Pegida, Elsässer und andere Rechte Position für jene Rechten, denen er nicht andichtet nur Teil der Verschwörung zu sein – die nachfolgende Diskussion macht das Statement übrigens nicht besser:

 

Hendra und das afghanische Flüchtlingsmädchen
Hendra Kremzow gegen die „Augrenzerites“

Elsässer hatte Pegida und Muslime aufgerufen, sich gegen Israel und USA zu vereinen, ist Chefredakteur eines Magazins, das bis zum Zerwürfnis über Pegida zu einem Drittel dem Islamisten Andreas Abu Bakre Rieger gehörte und grenzt sich – in typischer Begriffsumdeutung – von „den Neuen Rechten“ ab, die er als  „zionistisch durchsetzt“, rassistisch und antiislamisch sieht. Wobei laut Elsässer erst der „zionistische Einfluss“ zum Rassismus führe.

Darin, dass „die Neuen Rechten“ angeblich „alle“ Israel „lieben“ würden, ist er sich übrigens mit seinen wahnmacheninternen Gegenspieler Pedram Shahyar völlig einig, welcher es eigentlich schon wegen des Beispiels Elsässer besser wissen müsste. Weniger bekannte Neue Rechte, bzw. weniger als Neue Rechte bekannte Personen als Elsässer, wie z.B. Willy Wimmer, dürfen freilich bis heute auch bei KenFM auftreten und dort Pegida verteidigen, im Gegensatz zu Elsässer stehen sie dem unentwegt von Shahyar hervorgebrachten strategisch motiviertem Argument, man habe sich doch „von den Rechten distanziert“ offenbar nicht entgegen.

Islamismus auch im Umfeld der „KenFM-Fraktion“

Interessant ist auch, das Kremzow dieses Video offenbar via Jörg Cölsmann geteilt hat. Cölsmann vermittelte kürzlich die mutmaßlichen IS-Unterstützer von Ansaar International, die eindeutig zur Islamistenszene gehören an das „Give Back“-Sommerfest aus Kreisen der Mahnwachenbewegung. Über dieses berichteten wir auf Facebook. Die Salafisten von Anssar International stellten sich dort als humanitäre Hilfsorganisation da, die besonders effektive Entwicklungshilfe weltweit betreibt. […] Bei Give Back durften sie […] ihr freundliches Gesicht zeigen. Der stadtbekannte Antisemit Jörg Cölsmann trug ein Pali-Tuch auf seinem Kopf und hing mit den Salafisten ab. Den freien Journalisten Danny Marx bezeichnete er im Vorrübergehen murmelnd als „Zionist“. Schon im Vorfeld verharmloste er beim Wichtelmedium „krosta.TV“ Ansaar und behauptete sogar, dass die Gruppe aus religiösen Gründen verfolgt werden würde. Seine Rede beim Sommerfest lässt sich zusammenfassen mit: Syrien, Asyl, Ölhunger des US-amerikanischen Militärs, weswegen in der Türkei deutsche Soldaten mit Riesen-Raketenstationen auf der Bergspitze sitzen, und Ansaar ist toll. Cölsmann rief dazu auf an Ansaar zu spenden.

„Give Back“ als eines der Projekte von „Bildung für den Frieden“ bzw. dem „Freundeskreis Wanfried“ aufgeführt. Da hängt nicht nur z.B. Pedram Shahyar (Team KenFM) sondern auch der recht bekannte Altfriedensbewegte Rainer Braun mit drin. Beide nahmen als Redner am Give Back Sommerfest teil, wie auch Kaveh Ahanger und Leute des free21-Magazins. Aus diesen Kreisen geht auch die Kampagne „Stopp Ramstein“ hervor, welche leider auch vom Co-Vorsitzenden der Linkspartei, Riexinger, unterstützte wird.

Mitglieder der Gruppe „Give Back“ waren Teilnehmer_innen und/oder Redner_innen der Düsseldorfer Montagsmahnwachen im vergangenen Jahr und Monatsmahnwachen in diesem Jahr. Zudem war die Gruppe z.B. mit einem Give Back-Infostand bei der Veranstaltung „Marsch auf den Landtag“ 2014 und div. Anlässen in Düsseldorf und Köln vertreten. Zuletzt beteiligten sich Mitglieder der Gruppe am erneuten „Marsch auf den Landtag“ unter dem Namen „Peace Parade„.

In einem Video von „Endlich Montag TV“ begleiten zwei bekannte Aktivst_innen der Düsseldorfer Wahnmache die lokale „Give Back – Don’t Talk, Move“-Gruppe bei ihrem offenbar karitativen Stadtrundgang durch die Düsseldorfer Altstadt. Pascal Liquos, ein Mitglied der etwa aus 20 Personen bestehenden Gruppe (zum großen Teil aus Düsseldorf und Meerbusch) erklärt in dem Video, dass sich Give Back nicht ausschließlich um Obdachlose sorgt, es bestünden auch Projekte wie z.B. das Informieren über den „Israel/Palästina-Konflikt“. Dafür wurden im vergangenen Sommer eigens Flyer erstellt und verteilt, in der z.B., recht typisch nicht nur für die Wahnmachen(sondern z.B. auch für Organisatoren und Redner des Al Quds-Aufmarsches), auf antizionistische jüdische Kronzeugen Bezug genommen wird. Ja, diese Leute wollen sogar wissen wer „richtige Juden“ sind und wer nicht – denn so die „Logik“:  Wären die, gegen die sich der eigene Antisemitismus richtet, „keine richtigen Juden“, so könne man ja auch kein richtiger Antisemit seien, selbst wenn man glasklaren und nur leicht codierten Antisemitismus verbreitet, z.B. suggeriert, „die Zionisten“ könnten weltweit die Medien manipulieren oder unterstell, sie würden planmäßig einen Völkermord betreiben:

Give Back Völkermord Gaza

Freilich sind das nicht die einzigen Verbindungen zwischen Protagonisten der Wahnmachenszene und Islamisten, die sich vor allem aus bestimmten geteilten Feindbildern, Ideologien und Ideologemen, insbesondere dem Antisemitismus und Antiamerikanismus, ergeben. Wir berichteten auf Facebook darüber und werden auch in Zukunft darüber berichten.

Die Querfront und die „autoritäre nichtliberale Volks-Demokratie“

„Mein Vorbild“, ruft Jebsen, „ist die Natur! Im Wald gibt es keinen Krieg, der Wald produziert keinen Müll! Und die Zugvögel, die schaffen es jedes Jahr nach Afrika! Wenn die das demokratisch organisieren würden, kämen sie nur bis Sylt!“ Gelächter. „Nein“, brüllt Jebsen. „Die kommen bestens ohne Demokratie zurecht.“ (Berliner Zeitung)

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Mit dem „Führer“ gegen „das Imperium der jüdischen Lobby“ (Siehe auch: https://www.facebook.com/friedensdemowatch/photos/a.644425858945007.1073741828.644416022279324)

Rudolf Walther in der taz über die Studie „Querfront – Karriere eines publizistischen Netzwerkes„:

Bei allen Verdiensten von Storz ’ sorgfältiger Studie zeigen sich auch ihre Grenzen. Einmal beruht die Studie auf einer schmalen empirischen Basis, die weiterreichende Schlüsse nicht zulässt. Vor allem aber bleibt der theoretische Rahmen unklar, was sich an der tastenden Terminologie erweist. Als Ziel des rechten Netzwerks identifiziert Storz „die autoritäre nichtliberale Volks-Demokratie“.

Was soll – ins Deutsche übersetzt – „Volks-Volksherrschaft“ bedeuten? Die Verdopplung des Begriffs „Volk“ verweist auf die gleiche theoretische Untiefe wie die Übersetzung von „Populismus“ mit „Volkstümlichkeit“. Zu analysieren wäre doch, ob es neben dem rechten Populismus einen linken gibt und worin sich diese unterscheiden. Zumindest wird aus Storz ’ Analyse klar, dass auf dem Boden des rechten Netzwerks sicher keine Demokratie entsteht, auch keine „Volks-Demokratie“, bestenfalls ein Willkürregime mit demokratischer Fassade.“

Jan-Niklas Kniewel schrieb bei Publikative.org über die Studie „Occupy Frieden – Eine Befragung von Teilnehmer/innen der Montagsmahnwachen für den Frieden„:

Paradox

Dies alles erscheint nicht sonderlich neu und ist paradox, da zugleich 33,8 Prozent der Meinung sind, dass Deutschland „einen Führer“ haben sollte, der Deutschland „zum Wohle aller mit starker Hand regiert“ und weitere 29 Prozent diese Aussage zumindest nicht eindeutig ablehnen. Auf der anderen Seite wiederum lehnen 91,9 Prozent die Aussage ab, dass eine Diktatur unter bestimmten Umständen die bessere Staatsform sei und fast 97 Prozent befürworten die Idee der Demokratie.

Widersprüchlichkeiten dieser Art ziehen sich durch die gesamte Studie und sind in erster Linie ein weiterer Beweis dafür, die konfus und heterogen die Gruppe, sowohl in ihrer Zusammensetzung als auch in ihrer ideologischen Konstellation, ist und unterstreichen den Charakter der Querfront, den jene JournalistInnen, die sie als „neurechts“ einstufen unterschätzten.

Weiteren Aufschluss könnte hier geben, was Peter Nowak bei Telepolis zur selben Studie schrieb:

Ein Führer mit der harten Hand

Besonders auffällig ist die große Zustimmung zu der eindeutig antidemokratischen Aussage: „Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland mit starker Hand zum Wohle aller regiert.“ 19,3 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage vollständig und 14, 5 Prozent überwiegend zu. Damit sind ca. 30 Prozent der Befragten für rechtsautoritäre Alternativen zum bürgerlich-demokratischen System offen. Dass Redner der Berliner Montagsmahnwachen auch für langatmige Ausführungen, die mit dem Anspruch einer Erklärung der Welt verlesen wurden, großen Applaus erhielten, bestätigt diesen Befund.

Dass sich viele der Teilnehmenden trotzdem zur Demokratie im Allgemeinen bekennen, ist kein Widerspruch. Hat doch in diesem Füllbegriff durchaus auch ein demokratisch gewählter autoritärer Herrscher seinen Platz, der bei bestimmten Reizthemen Volksbefragungen ansetzt. Plebiszitäre Elemente haben längst auch schon Rechte als gutes Mittel erkannt, um Abstimmungsmehrheiten gegen Flüchtlinge und Minderheiten zu bekommen.

Lenz Jacobsen in der Zeit zur selben Studie:

Nach ihren persönlichen Beweggründen für die Teilnahme befragt, landete bei den Teilnehmern der Wille zur „politischen Aktivierung“ auf dem ersten Platz, noch vor dem Friedensanliegen. Man dürfe, sagte einer, sich „nicht mehr alles gefallen lassen“, sondern Verantwortung für Veränderung übernehmen. Was die Forscher nicht fanden: Vorschläge.

Er habe „das Bedürfnis aller Menschen nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit als Grundlage für eine weltweite und schichtenübergreifende Diskussion zur Neuordnung der Gesellschaft“, schreibt ein Demonstrant über seine Motivation. Die Forscher schreiben dazu: „In einigen Fällen geht die Ablehnung des Links-Rechts-Schemas mit einem starken antipolitischen Wunsch nach einer Gesellschaft ohne Widersprüche und Konflikt einher.“ Die Menschen selbst wollen das Gute, aber das jetzige System und seine Machthaber verhindern das. Eine naiv-totalitäre Sehnsucht kommt in solchen Aussagen zum Ausdruck: Die fehlerhaften politischen Realitäten zu beseitigen – auf dass endlich Demokratie und Frieden sei.

Florian Klehr von 5 Jahren über den Begriff „Kryptofaschismus“:

Was ist Faschismus?

Faschismus ist keine geschlossene Ideologie. Es gab in der Geschichte verschiedene Faschismen, die sich ihrerseits aus der Bündelung unterschiedlicher, teilweise sogar gegensätzlicher Strömungen in Abhängigkeit von bestimmten historischen Bedingungen entwickelten. Es lässt sich allerdings so etwas wie ein gemeinsamer Kernbestand faschistischer Weltanschauungen ausmachen:

Ziel und Mittelpunkt faschistischer Bestrebungen ist immer ein reakionär-utopisches Vergemeinschaftungsmodell kleinbürgerlichen Zuschnitts in Gestalt der mythischen Überhöhung und Idealisierung eines als organisch-naturwüchsig und bei aller inneren Differenziertheit und Hierarchisierung wesensmässig homogen vorgestellten fiktiven Kollektivs: das „Volk“ und die „Volksgemeinschaft“.

Dieser mythische Volksbegriff impliziert eine doppelte identitätsbildende Feindbildbestimmung:

Zum einen die Abgrenzung nach außen, gegen andere „Völker“, die mit dem eigenen „Volk“ als nicht dazugehörige äußere Feinde in einem Konkurrenzkampf stehen.

(Diese Feinderklärung nach außen kann sich auch nach innen richten, nämlich gegen alle, die sich einer Beteiligung am Kampf ihres „Volkes“, z.B. aus politischen Gründen, entziehen: diese erscheinen nämlich automatisch als objektive Agenten des Feindes im Inneren, die bekämpft werden müssen).

Zum anderen eine zwiefache Abgrenzung nach innen: einerseits nach oben, andererseits nach unten (hier offenbart sich der kleinbürgerliche Ursprung der faschistischen Vorstellungswelt):

Nach oben gegen „die Herrschenden“, die „Etablierten“, die „das Volk“ unterdrücken, und nach unten gegen vermeintlich nicht integrationswillige oder „von Natur aus“ integrationsunfähige Elemente, die die „Volksgemeinschaft“ belasten und ihre Homogenität gefährden. Die „Volksgemeinschaft“ konstituiert sich also über die Ausgrenzung vermeintlich „volksfremder“ oder „volksfeindlicher“ Elemente von oben und unten, die nicht dazu gehören: einerseits die herrschenden Eliten teils als vom „Volk“ losgelöste, egoistische Interessen verfolgende, „entwurzelte“ Kaste, teils als fremde, international organisierte Gruppe (wie die „internationale Hochfinanz“), andererseits die Unangepassten und Asozialen teils als degenerierter, „entarteter“ Bodensatz der Gesellschaft (z.B. sogenannte „Sozialschmarotzer“ oder auch sexuelle Minderheiten), teils als von Außen eingedrungene Fremdkörper (z.B. Migranten).

Dieses „völkische“ Vergemeinschaftungskonzept manifestiert sich in der Regel folgerichtig in entsprechenden Grundhaltungen wie Nationalismus, Rassismus, Elitenfeindlichkeit / Populismus, Antisemitismus.

Faschismus wird oft fälschlich reduziert auf Diktatur bzw. autoritäre Herrschaft.

Dieser verkürzte Faschismusbegriff blendet die entscheidende Tatsache völlig aus, daß der Faschismus in allen seinen historischen Erscheinungsformen immer mit einem emanzipatorischen, sozialrevolutionären Anspruch aufgetreten ist. Allerdings ging und geht es im Faschismus immer um eine völkisch-kollektive „Befreiung“ vom schädlichen Einfluß der inneren und äußeren Feinde.

Individuelle Freiheiten oder pluralistische Demokratiekonzepte haben in dieser Vorstellungswelt keinen Platz. Die faschistische „Volksbefreiung“ bzw. „Volksherrschaft“ ist totalitär, d.h. sie strebt nach einem Ideal von „Demokratie“, das sich in einer Einheit von „Volkswille“ und Herrschaft realisieren soll, also letztlich in der totalitären Identität von Staat und Gesellschaft.

Der Faschismus geht über den autoritären (aber eben nicht totalitären) Nationalismus hinaus, indem er ihn mit einem sozialrevolutionären Anspruch verbindet. Sein Emanzipationskonzept zielt aber lediglich auf die Befreiung des „völkischen“ Kollektivs von „fremden“ Einflüssen (wie schon beschrieben durch die Abwehr nach außen und innen, oben und unten) und hat mit linken emanzipatorischen Bestrebungen nichts zu tun, die die Ausbeutung, Verdinglichung und Entfremdung erzeugende Logik der Warenproduktion grundsätzlich in Frage stellen und von einem universalistischen Emanzipationsbegriff ausgehen, für den gesellschaftliche und individuelle Befreiung nicht voneinander zu trennen sind und der über jede völkische oder nationale Abgrenzung hinausgeht.

Gerade dadurch, daß er das Bedürfnis nach sozialer Emanzipation völkisch-nationalistisch umdeutete und seine Erfüllung in der Errichtung eines totalitären, protektionistischen, nationale Interessen kriegerisch-aggressiv vertretenden Wohlfahrtsstaates vorgaukelte, empfahl sich ja der historische Faschismus den Vertretern des nationalen Kapitals als Bündnispartner und Bollwerk gegen den Marxismus.

Der Anspruch des Faschismus, eine Synthese von rechts und links zu sein, ist selbstverständlich eine Fiktion und der Mythos von der „Volksgemeinschaft“ ist die Vergegenständlichung dieser Fiktion, durch die die Realität gesellschaftlicher Interessengegensätze vernebelt wird.

Die „Wahrheitsbewegung“: eine kryptofaschistische Internetsekte

Bei einer kritischen Durchsicht der in immer mehr Foren und Blogs kursierenden Textproduktion jener mit sektenartigem Fanatismus und Missionseifer vornehmlich im Internet agierenden Bewegung von Verschwörungstheoretikern und radikalen „Systemkritikern“, die sich selbst wahlweise als „Infokrieger“ oder als „Wahrheitsbewegung“ bezeichnen, lässt sich immer wieder ein zugrundeliegender weltanschaulicher Kern erkennen, der sich ziemlich genau mit dem deckt, was wir eben als faschistischen Kernbestand identifiziert haben.

In unzähligen Varianten wird da der unselige Einfluß der Juden – vornehmlich in Gestalt des Staates Israel und der sogenannten „zionistischen Lobby“ – thematisiert, die fehlende Souveränität des deutschen Volkes beklagt und mit allerlei irren Thesen zu belegen versucht, indem zum Beispiel die juristische Legitimität von Staat und Verfassung geleugnet wird; da verbindet sich die klassische Nazi-Klage über die Knechtung Deutschlands durch die Alliierten mit nach links anschlußfähger antiimperialistischer Amerikafeindschaft zum Kampfruf einer befreiungsnationalistischen Querfront, die kein rechts oder links mehr kennen will, sondern nur noch unterdrückte Deutsche; da wird an immer neuen Beispielen und stets mit einem Gestus „demokratischer“ Empörung dargestellt, wie „die Mächtigen“ in Gestalt der Politiker, der Medien, der Konzernherren und der „internationalen Hochfinanz“ das „Volk“ zum eigenen Vorteil belügen, betrügen, manipulieren und auspressen bis hin zu angeblich geplanten Massenmordaktionen zur Bevölkerungsreduktion; da wird in apokalyptischer Sehnsucht der unmittelbar bevorstehende Zusammenbruch des verhassten „Systems“ wieder und wieder herbeigeschrieben und zur Bildung von kleingärtnerisch-subsistenzwirtschaftlich organisierten, von Zins- und Geldwirtschaft unabhängigen „Überlebensgemeinschaften“ aufgerufen, die sich aus dem „System“ ausklinken, „unter Selbstverwaltung stellen“ und „Autarkie“ verwirklichen sollen, um zu Keimzellen einer neuen art- und naturgemässen „Volksgemeinschaft“ zu werden.

Bei den Menschen, die diese Texte nicht nur lesen, sondern auch fleissig weiterverbreiten, zum Beispiel in Social Networks wie dem sich in Teilen unübersehbar und von den Betreibern offenbar ungehindert bräunlich einfärbenden „Volksnetzwerkes“ wer-kennt-wen, handelt es sich oft um Leute, die weder über eine politische Sozialisation und Vorgeschichte, noch über eine wenigstens elementare politische Bildung verfügen, und die in ihrer völligen Unbedarftheit, unter dem Eindruck der in Folge der Krise zunehmend angespannten sozialen Verhältnisse und des damit verbundenen Verlustes gewohnter Sicherheiten einen starken, aber hilflosen Drang nach Aufklärung und politischem Widerstand entwickelt haben, der in seiner Orientierungslosigkeit für alle möglichen, auch mehr als fragwürdige Einflüsse offen ist, vor allem natürlich für solche, welche aufgrund ihres simplifizierenden Populismus schnell einleuchtend erscheinen und dem meist kleinbürgerlichen Horizont dieses Publikums entsprechen. Daraus entwickelt sich, ausgehend vom Verbreitungsmedium Internet, auch zunehmend ein ziemlich blinder, aber eifriger Aktivismus in der realen Welt in Form von Treffen, Stammtischen, Zusammenschlüssen mit dem Ziel der Gründung von Vereinen, neuen Parteien, Interessengemeinschaften und Projekten aller Art, deren vordergründige Lächerlichkeit und Unbeholfenheit nicht dazu verleiten sollte, diese Entwicklung, die gerade erst an ihrem Anfang zu stehen scheint, vorschnell zu verharmlosen.

 

Facebook

Da Facebook immer nerviger wird, ziehen wir nun nach und nach auf diesen Blog um, werden aber weiter auf  Facebook und Twitter aktiv sein um unsere Beiträge zu teilen und zu diskutieren.

Obwohl uns mitunter nachgesagt wird, dass wir einen Zugriff auf den Code von Facebook hätten, löschte Facebook eine Decodierung von Oliver Janichs antisemitischen Geschwurbel, dass dunkle Mächte den Upload seines Videos über den Zusammenhang zwischen einer möglicherweise bevorstehenden Finanzskrise und der jüdischen Mystik verhindern würden – Janichs Originalbeitrag hingegen darf stehen bleiben.

Übrigens: RT Deutsch ist sich nicht einmal mehr zu schade, derartig offensichtlichen antisemitischen Wahnsinn zu übernehmen um so die antisemitische Crowd zu beflügeln.

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