Artes „Israelkritik“ kennt angeblich mehrere Perspektiven

Screen: JFDA – Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus

Ein offener Brief, der auch von Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, mitgetragen wird, kritisiert an einer Gaza-Reportage von Arte: „Israel wird als Aggressor dargestellt, der allein für die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Bevölkerung im Gazastreifen verantwortlich gemacht wird.“ Der Film biete kein „umfassendes und ausgewogenes Bild“ von Gaza und verzerre den Blick auf den Nahost-Konflikt. Außerdem beinhalte der Film, deren Autoren auch für das antiisraelische Portal »Electronic Intifada« schreiben, eklatante „Falschinformationen.“

Auch wir hatten über die kürzlich gesendete Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ berichtet und u.a. darauf hingewiesen, dass eine der Macherinnen in der Israelboykott-Bewegung aktiv ist. Wie Schuster und das JFDA – Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus wiesen wir in diesem Zusammenhang auf Doppelstandards hin, die sich im Umstand zeigen, dass Arte eine Dokumentation über Antisemitismus wegen angeblich journalistischer Mängel zurückhält, diese Reportage hingegen problemlos sendet. Arte begründet diese Ungleichbehandlung mit dem Genre:

„Im Gegensatz zu Dokumentationen, etwa im Dienstag Themenabend, geben Reportagen per definitionem Ausdruck der persönlichen Erfahrungen und Begegnungen eines vor Ort befindlichen Journalisten. Gerade darin besteht der journalistische Wert dieses Genres, da es persönliche Sichtweisen authentisch widerzuspiegeln vermag, ohne den Anspruch zu erheben, einen komplexen Sachverhalt vollständig und von allen Seiten gleichgewichtig zu beleuchten.“

Arte beteuert „eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts in seinem Programm abzubilden“ und nennt als konkretes Beispiel dafür „Beiträge wie jenen von Stéphane Amar“. Amar, so ist wohl der Gedanke in der Arte-Pressemitteilung, nehme keine pro-palästinensische und anti-israelische Sichtweise ein.

Den Film „Die Grüne Linie“ von eben jenen Amar bezeichnete der Blog „Tapfer im Nirgendwo“ jedoch als „eine anti-israelische Dokumentation, die vor Einseitigkeit nur so strotzt“, der Film sei „reine Propaganda und gehört in eine ganze Reihe von anti-israelischen Filmen, die von arte gesendet werden“. Der israelische Unabhängigkeitskrieg von 1949 würde darin als israelische Aggression dargestellt, Juden als alles verschlingende „blutrote Gefahr“, sowie so getan würde, als sei das Westjordanland überwiegend von jüdischen Siedlern bewohnt.

Es gehört schon einiges an Chuzpe dazu, zur Widerlegung des Vorwurfes anti-israelischer Propaganda, ausgerechnet einen aus anderer Perspektive propagandistischen Film anzubringen, den man gesendet habe. Arte meint dennoch:

„Insofern vertritt ARTE keine eigenständige inhaltliche Position in dieser schwierigen Auseinander­setzung, sondern versucht seinen Zuschauern und Internetnutzern ein eigenes fundiertes Urteil aufgrund unterschiedlicher und durchaus kontroverser Sichtweisen und Erfahrungshintergründe zu ermöglichen.“

Dass das aber falsch ist, zeigt sich anhand der von Arte und dem WDR aufgebauschten Diskussion um die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Dieser Film wurde nur auf großen Druck hin ausgestrahlt und dann ähnlich einer Zigarettenschachtel mit Warnhinweisen versehen, wodurch die inhaltliche Glaubwürdigkeit des Films untergraben wurde. Mit anderen Worten: Geht es um pro-israelische Filme, traut man dem Zuschauer genau das von Arte behauptete eben nicht zu.

© RechercheNetzwerk Berlin

 

 

Arte lässt Nahostdokus von der Israelboykottbewegung machen

Was den Qualitätsstandards von Arte entspricht

Nachdem die Dokumentation über Antisemitismus „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Arte und dem WDR erst nicht ausgestrahlt werden sollte und dann nur mit Warnhinweisen, Diskussionsrunden und einem Faktencheck den Weg in die öffentlich-rechtlichen fand, zeigt Arte zur Zeit ganz selbstverständlich eine Reportage mit dem Titel „Gaza: Ist das ein Leben?“. Dort ist die Rede vom „Angriff Israels auf Gaza mit 2100 Toten“, dem „brutalste[n] Angriff Israels auf das palästinensische Volk seit 1967, als Israel den Gazastreifen besetzte“ und von „jahrzehntelanger Besatzung“. Dass die Militäroperation Israels gegen die Hamas 2014 eine Reaktion auf Angriffe der Hamas gegen Israel war, wird bei Arte genauso selbstverständlich verschwiegen wie die Tatsache, dass dem Sechstagekrieg Vernichtungsdrohungen und Mobilisierungen seitens der arabischen Staaten vorausgegangen waren.

Die von Arte angegebene Zahl der Toten basiert auf Zahlen der UN, Arte verschweigt aber, dass in dieser Zahl Kombattanten mit inbegriffen sind. Ebenso wird verschwiegen, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde einsetzte und immer noch einsetzt, während Israel versuchte, Zivilisten durch Vorwarnungen von militärischen Zielen weg zu bewegen.

Bei der Blockade des Gazastreifens von einer „Besatzung“ zu reden erscheint ebenfalls fragwürdig, wenn man bedenkt, dass es dort keine israelischen Soldaten gibt. Das Gebiet befindet sich unter der Kontrolle der Hamas. Auch ist Israel nicht allein für die Blockade verantwortlich, ein Blick auf eine Landkarte genügt um zu wissen, dass der Gazastreifen auch an Ägypten grenzt. Israel begründet die strengen Einfuhrkontrollen mit der Herrschaft der Hamas über den Gazastreifen, die Israel wiederholt angriff. Die Blockade wurde in der Vergangenheit mal gelockert und mal intensiviert, je nachdem wie gefährlich die Situation gerade war. Ägypten begründet die Blockade ähnlich, man wolle die Hamas nicht anerkennen und damit die Autorität der palästinensischen Autonomiebehörde untergraben. Zumindest über die ägyptischen Blockademaßnahmen zeigte sich sogar Palästinenserpräsident Abbas in der Vergangenheit erfreut. Gegen Schmuggeltunnel der Hamas gab es sogar gemeinsame Aktionen seitens Ägyptens und der Autonomiebehörde.

Immer wieder ist in der Reportage auch die Rede von einer knappen Stromversorgung des Gazastreifens, die der reinen Willkür Israels geschuldet sei. Verschwiegen wird dabei, dass Israel den Strom auf Bitten der palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmud Abbas limitierte, welche für das Zahlen der Stromrechnung verantwortlich ist. Die Autonomiebehörde wollte damit Druck auf die Hamas ausüben.

Die Doku über Antisemitismus wollte Arte angeblich wegen journalistischer Mängel nicht zeigen. Moniert wurde u.a. dass die Auswahl der Interviewpartner einseitig gewesen sei und von kritisierten NGOs keine Stellungnahme eingeholt wurde. In der nun ausgestrahlten Doku über Gaza kommt kein einziger israelischer Offizieller zu Wort.

Wirft man einen Blick auf die Autorin der bei Arte ohne Probleme ausgestrahlten Gaza-Dokumentation, Anne Paq, verwundert diese Einseitigkeit nicht. Diese schreibt nicht nur für „The Electronic Intifada“, einem Medium an dessen journalistischer Ausgewogenheit schon der Name zweifeln lässt, sie ist auch bestens mit antiisraelischen Gruppen wie Berlin against Pinkwashing, „Jewish Antifa Berlin“, BDS Berlin und F.O.R.-Palestine vernetzt, die sich allesamt für die Vernichtungs Israels einsetzen. Desweiteren ist Anne Paq Fotografin des Kollektivs Active Stills, deren Bilder wieder die Kampagnen von „Berlin against Pink washing„, F.O.R. Palestine und BDS propagandistisch begleiten und die sich in ihrer Selbstdarstellung bereits eindeutig antiisraelisch positionieren.

Die hier besprochene Doku war nicht Paqs erste Arbeit mit Arte. Bei einer früheren, thematisch fast identischen Koproduktion, war auch der F.O.R. Palestine-Aktivist und Filmemacher Dror Dayan mit im Boot. Vorgestellt wurde diese Reportage dann auch auf einer internen F.O.R. Palestine Veranstaltung. Bei F.O.R. Palestine handelt es sich um eine sehr aggressive Gruppe, die bereits in ihrem Motto „For One State and Return in Palestine“ sehr deutlich werden lässt, dass es ihnen alleine um die Vernichtung Israels geht. In Berlin fallen sie immer wieder durch gewalttätige Übergriffe auf israelsolidarische Menschen auf, die von ihnen pauschal als „Antideutsche“ markiert werden.

Wir kommen nicht umhin, festzustellen, dass bei Arte offensichtlich ganz verschiedene Standards gelten, je nachdem ob man kritisch über Antisemitismus berichten will oder ob es um „legitime Israelkritik“ geht.

P.S. Da dieser Beitrag mittlerweile von rassistischen „Lügenpresse“-Schreiern für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert wird, die sich selbst als Kämpfer gegen Antisemitismus inszenieren wollen, sei darauf hingewiesen, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland sich regelmäßig mehr als kritisch zur AfD geäußert hat.

 

 

Der Faktencheck im Faktencheck

Ja, die Doku „Auserwählt und Ausgerenzt“ hatte handwerkliche Mängel. Aber was der WDR als „Faktencheck“ präsentiert ist keineswegs besser. Stefan Winterbauer schreibt bei Meedia:

Wann gab es das schon einmal, dass ein Sender eine Dokumentation mit derartig vielen Warnhinweisen und Richtigstellungen versieht? Die Ausstrahlung begann mit einer Art Warntafel vor dem Film. Während der Doku gab es immer wieder Einblendungen, dass Betroffene hier nicht gefragt worden seien. Erst der WDR habe den Beschuldigten Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Und – so eine Überraschung – die nachträglich Befragten gaben alle sinngemäß zu Protokoll, dass sie ja gar nix gegen Juden haben. Entschuldigung für den Sarkasmus im vorangegangenen Satz, aber bei dieser Sache fällt es schwer, nicht sarkastisch zu werden.

[…] der nachträglich zusammengeschusterte Faktencheck [erweckt] nun selbst den Eindruck starker Voreingenommenheit. Er geht über das Korrigieren von Fakten weit hinaus. Das Ziel, den Film komplett zu diskreditieren, wird überdeutlich.“

Sechs Beispiele:

1. Der WDR behauptet, dass Abbas Behauptung, Rabbiner würden dazu aufrufen, das Wasser der Palästinenser zu vergiften, nicht antisemitisch sei. Abbas vor dem Europaparlament:

„Darüber hinaus möchte ich noch sagen, dass vor nur einer Woche einige Rabbiner in Israel ihre Regierung aufgefordert haben, unser Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten. Ist das nicht eine klare Anstiftung zum Massenmord am palästinensischen Volk?“

Der Film brachte dies mit der antisemitischen Legende von den Brunnenvergiftern in Verbindung. Auch auf Wikipedia z.B. wird die Aussage von Abbas als modernes Beispiel dieser Legende aufgeführt. Laut WDR muss jedoch zwischen Wasservergiftung und Brunnenvergiftung unterschieden werden (ernsthaft!):

„Der Kommentartext fügt dem Zitat von Abbas weitere Inhalte hinzu: ‚Rabbiner planen palästinensische Brunnen zu vergiften.‘
Von ‚Brunnen‘ spricht Abbas hier jedoch nicht, auch nicht von ‚Plänen‘ der Rabbiner, das Wasser zu vergiften.“

2. Laut WDR gebe es keinerlei Belege dafür, dass die Anschläge auf das Bataclan  ein antisemitisches Motiv gehabt hätten. Auf Wikipedia werden einige der antisemitischen Drohungen aufgelistet, die dem Anschlag vorausgingen.

http://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/doku-faktencheck/doku-faktencheck-148.html

Welch bittere Ironie, dass die Doku auch die Frage stellt, warum es so schwer falle, antisemitische Anschläge als antisemitisch zu bezeichnen.

3. Der WDR moniert:

„Die eingeblendeten Schlagzeilen vermitteln das Bild, dass die deutsche Medienlandschaft hauptsächlich israelkritisch berichte.
Tatsächlich wird dieses Bild durch die Forschung nicht bestätigt: ‚Vergleichende Untersuchungen zeigen, dass sich beispielsweise die Berichterstattung zur Zweiten Intifada und den Gaza-Kriegen 2009 und 2012 in Qualitätszeitungen, aber auch dem deutschen Fernsehen kaum substantiell voneinander unterschieden hat und vorrangig versucht wurde, ausgewogen über die Konfliktparteien zu berichten.'“

„Die Forschung?“. Andere Forscher kamen zu anderen Ergebnissen, so z.B. die Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel​:

„Wir haben die Berichterstattung über den Nahen Osten mit Artikeln über die Lage der Menschenrechte und Konflikte in anderen Ländern verglichen, wie Russland, China, Saudi-Arabien und Nordkorea. Kaum eines der Länder schnitt so schlecht ab. In den Artikeln finden sich ungewöhnlich viele NS-Vergleiche, es gibt ein sehr negatives Bild des Landes.

[…] In der Schlagzeile ist Israel fast immer Aggressor, im Text selbst steht dann, dass Israel nur reagiert hat. Ein Beispiel: Vor einer Woche einigten sich die Parteien im Gaza-Krieg auf eine Feuerpause, die Hamas schoss nach einigen Stunden trotzdem Raketen ab. 80 Prozent der Schlagzeilen auf Nachrichtenseiten lauteten aber: Israel bricht Waffenruhe.“

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch der Linguist Anatol Stefanowitsch​, der 2014 die sprachliche Struktur von 170 Schlagzeilen untersuchte.

4. Im Bezug auf das Interview mit Monika Schwarz-Friesel behauptet der WDR, die Aussagen der Expertin seien in einem falschen Kontext gebracht worden. Auf der Übersichtsseite zum Faktencheck heißt es:

„Der Film stellt damit Statements von Interviewpartnern in einen antisemitischen Kontext.“

Im entsprechenden Abschnitt wird dann angeblich klargestellt:

„Die Linguistin Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel wird zu ihrer Studie zur ‚Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert‘ interviewt. Diese Studie hat sie gemeinsam mit Jehuda Reinharz 2012 publiziert.

Darin untersuchten die Wissenschaftler über 14.000 Zuschriften an den Zentralrat der Juden in Deutschland und an die Israelische Botschaft in Deutschland. Die Studie befasste sich folglich mit dezidiert antisemitischen Schriftstücken.“

Nein, lieber WDR: Das Geschwurbel z.B. „von Bankern von der Ostküste“ oder von einer übermächtigen „Israel-Lobby“ ist nicht nur dann antisemitisch wenn es in Texten steht, die selbst WDR-Faktenchecker als „dezidiert antisemitische Schriftstücke“ erkennen können. In einem bei der bpb veröffentlichten Text, in dem Schwarz-Friesel sich fast wortgleich wie im Interview äußerte, schrieb sie auch:

„Es zeigt sich, dass trotz aller Aufklärungsarbeit nach dem Holocaust immer noch seit Jahrhunderten tradierte judeophobe Sprach- und Argumentationsmuster reproduziert werden – und zwar gesamtgesellschaftlich in allen sozialen Schichten und politischen Gruppierungen der Bevölkerung.“

Auch in einer Vorlesung machte Schwarz-Friesel deutlich:

„Keineswegs ist Judenfeindschaft vergangen oder nur ein Randphänomen von einigen Extremisten, sondern ein höchst aktuelles Problem in der Mitte unserer Gesellschaft. Der moderne Antisemitismus, heute primär artikuliert als Anti-Zionismus und Anti-Israelismus, fußt ungebrochen auf der klassischen Judenfeindschaft, die stets und von Anfang an von den Gebildeten kam.[…] Als Verbal-Antisemitismus gelten alle sprachlichen Äußerungen, mittels derer Juden als Juden entwertet und diskriminiert werden, intentional oder nicht-intentional, explizit oder implizit.“

Übrigens: Während der WDR so tut als müsste er die Aussagen Schwarz-Friesel vor den Produzenten des Films schützen, meint die Antisemitismusexpertin über den Film:

„Aus Sicht der empirischen Antisemitismusforschung spiegeln die in diesem Film präsentierten Fakten zur aktuellen Judenfeindschaft sehr genau die Lage wider.“

Die Übersichtsseite des WDR-Faktencheck unter http://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/doku-faktencheck/index.html

 

5. Mercedes Nabert​ bei den ruhrbaronen:

„In einer Liste von NGOs, denen der Film nicht die Gelegenheit zu einer Stellungnahme gab, erwähnt der WDR World Vision, mit dem Kommentar, dass sie seit 2016 nicht mehr in Gaza aktiv sei. Verschwiegen wird dabei der Hintergrund. Nach längeren Ermittlungen und der Verhaftungen eines Mitarbeiters durch Israel, aufgrund der Weitergabe größerer Summen an die Hamas, haben Regierungen wie die deutsche und die australische die Unterstützung von World Vision Gaza komplett eingestellt. Unter diesen Umständen weiter zu arbeiten — oder was auch immer die NGO dort getan hat – dürfte kein leichtes sein.“

6. Die FAZ kommentiert den Faktencheck so:

„Bei den Unruhen im Pariser Vorort Sarcelles zum Beispiel, bei denen Synagogen angegriffen wurden, wird vom WDR behauptet, es hätten nicht dreitausend Jugendliche randaliert, wie es im Film heißt, sondern nur wenige hundert. Und es sei in französischen Presseberichten auch erwähnt worden, dass die verbotene Gruppierung ‚Jewish Defence League‘ eine Rolle gespielt habe. Hier ist es schwer, sich aufgrund der Quellenlage ein Bild zu machen. Das trägt zu einem Gesamtergebnis bei, bei dem man nur in einem hundertprozentig sicher sein kann: Der WDR hat alles getan, um zu zeigen, warum der Film so nicht gezeigt werden sollte.“

Update: Weitere Beispiele gibt es bei Audiatur Online.

Wissen wer was macht: Keine Berührungsängste mit der extremen Rechten

Der Wunsch nach Frieden und die politische Forderung nach Abrüstung waren auch beim Ostermarsch 2017 die Klammer unter der sich hunderte Menschen zusammenfanden. Das Gesamtbild dieser Veranstaltung erinnerte an die Friedensdemonstrationen der 1980er Jahre und es muss festgestellt werden, dass die politischen Konzepte etlicher dort auftretenden Organisationen ebenfalls aus dieser Zeit stammen und mit einer emanzipatorischen Linken nichts gemein haben. Speziell soll hier ein Zusammenschluss genannt sein, den man zwar immer wieder im Kontext linker Veranstaltungen antrifft, deren Anwesenheit aber konsequent unterbunden werden müsste. Es handelt sich hierbei um die „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“ und deren Frontfrau Brigitte Queck, die als „Diplomstaatswissenschaftlerin Außenpolitik“ auftritt. Dieser Titel ist auf ein Studium zurückzuführen, das sie vier Jahre lang an der „Akademie für Staat und Recht“ in Potsdam absolvierte.

Mit ziemlicher Sicherheit war dieser Titel nur in der ehemaligen DDR von Bedeutung und kann heute nur noch als Makulatur angesehen werden. Brigitte Queck hatte zuvor schon Geschichte und Russisch studiert und ist über ihre SED-Mitgliedschaft zu einer vehementen Verfechterin des „realen Sozialismus“ geworden. Sicherlich vertrat sie auch schon zum damaligen Zeitpunkt das nationalkommunistisch geprägte Politikkonzept des Antiimperialismus. Vor dem Hintergrund des Niedergangs der DDR und des „realen Sozialismus“ bewegte sie sich dann auf politisch obskure Regionen zu, in denen das Weltgeschehen mittels Verschwörungsthesen verklärt wird.  Was nun aber konkret jegliche Zusammenarbeit mit Brigitte Queck für emanzipatorische Linke, Antifaschist_innen und Antirassist_innen schlicht unmöglich macht, ist ihre fehlende Distanz zu Personen aus dem extremen rechten Spektrum.

Im Sommer 2014 nahm Brigitte Queck regelmäßig an den rechtsoffenen montäglichen Berliner Friedensmahnwachen um Lars Mährholz teil. Dort war sie in vertrauter Umgebung mit den bekannten NS-Aktivisten André Reinecke, Dirk Reinecke und Björn Brusak von der „Europäischen Aktion“, den damaligen NPDler_innen Silvia Schmidt und Harald Bankel sowie dem „Querfrontnazi“ Michael Koth von der „Antiimperialistischen Plattform (AiPD)“ zu beobachten. Hiermit wird gleichzeitig der Darstellung von Pedram Shahyar und Prinz Chaos widersprochen, die Mahnwachen seien nur rechts unterwandert worden. Alle diese Leute, inklusive weiterer extrem rechter Verschwörungsideologen und Nazis, waren von Beginn an Teil der Mahnwachen und prägten das Gesamtbild der Veranstaltungen.

Aber zurück zu Brigitte Queck und Michael Koth: Diese eint offensichtlich ein sehr gutes Verhältnis, wie der Umstand zeigt, dass Queck zum ausgewählten Kreis der Gratulant_innen des 60. Geburtstags von Michael Koth gehörte.

Brigitte Queck und Michael Koth von der „Antiimperialistischen Plattform“.

Auf der Website der „Antiimperialistischen Plattform“ war  dann nachzulesen, wie es Michael Koth sehr erfreute, dass „der revolutionäre Buchautor“ und „Kämpfer und Kommunist“ Dr. Klaus Blessing (ehemaliger Staatssekretär und stellvertretender Minister für Schwer- und Maschinenbau in der DDR) sowie die „mutige Friedenskämpferin und Autorin“ Brigitte Queck von den „Müttern gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“, an seinem Geburtstag zugegen waren. Michael Koth jedenfalls hatte seinen Geburtstag vollständig seiner politischen Mission gewidmet, so dass in dieser Geburtstagsrunde auch ein Bekenntnis zu vermeintlichen Befreiungsbewegungen abgegeben wurde und die Solidarität zu der Hamas in Palästina und den maoistischen Rebellen im indischen West-Bengalen bekundet wurde. Auch mit dem „Chefredakteur“ der patriotischen Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ kam es zu einer „herzlichen Begegnung“, ließ es der Jubilar Michael Koth verlauten. Und damit schließt sich der Kreis, in dem Michael Koth und seine AiPD eingebettet sind. Die Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ ist ein Projekt des NS-Aktivisten Meinolf Schönborn, dem auch rechtsterroristische Bestrebungen nachgesagt werden.

Brigitte Queck jedenfalls, scheint mit diesem extrem rechten Umfeld keine Probleme zu haben und man muss betonen, dass sie mit ihrer antiisraelischen Haltung und ihrer Sympathie für autoritäre Despoten wie Putin, Assad, Gaddafi, Kim Jong-un etc. dort auch gut aufgehoben ist. Auch mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump hatte sie, ähnlich wie viele extrem rechts angehauchte Friedensaktivist_innen, ursprünglich sympathisiert.

Auf dem Berliner Ostermarsch am 15. April 2017 jedenfalls war Brigitte Queck mit ihrer Gruppe „Mütter gegen den Krieg Berlin -Brandenburg“ auch unter den Organisationen genannt, die den diesjährigen Aufruf stützten.
 Die von dieser Gruppe mitgebrachten Transparente sind schon von etlichen Querfront-Veranstaltungen bekannt. Sie waren zum Beispiel auch auf einer Veranstaltung des extrem rechten Erfinders von Endgame, Frank Geppert und dem Querfrontler Stephans Steins zu sehen, die unter dem seit 2016 existenten Label „Friedensbewegung Bundesweite Koordination (FbK)“ am 08.10.2016 erstmalig eine vermeintliche Friedensdemonstration durchführten. Dort waren nicht nur etliche Teilnehmer der sogenannten Mahnwachen für den Frieden, die sich nun dem Ostermarsch unter dem Label „Pax Terra Musica“ / „Humanistische Friedenspartei“ angeschlossen hatten, auch Compact-Plakate waren zu sehen sowie sich der Antisemit Usama Zimmermann und ein Holocaustleugner problemlos anschließen konnten.

Auch auf einer Demonstration der Berliner Friedenskoordination (Friko) war Anfang des Jahres ein ähnliches Bild auszumachen. Die Demonstration sprach sich gegen die NATO-Truppenverlegung aus und war an Einseitigkeit kaum zu übertreffen. HIer trugen die „Mütter gegen Krieg Berlin-Brandenburg“ neben ihren üblichen Transparenten auch eins bei sich, das in wenigen Worten die USA zur alleinigen Bedrohung des Weltfriedens erklärte.
Beim Berliner Ostermarsch hatten die „Mütter gegen den Krieg Berlin- Brandenburg“ auch ein antisemitisch konnotiertes Transparent bei sich, das eine mit Stars and Stripes ausgemalte riesige Krake zeigt, die Bomben auf die Welt wirft. Dieses Transparent wurde ebenfalls schon in verschiedenen Querfrontkontexten gesichtet. Auf einer Kundgebung von Ken Jebsen am 1. Oktober 2016, um nur ein Beispiel zu nennen,  trug es der extrem rechte Verschwörungsideologe Carsten Halffter bei sich.

Carsten Halffter mit einer Aktivistin der Mütter gegen den Krieg- B-BB am 01.10.2016 bei einer Kundgebung von Ken Jebsen

Wie zum Beweis ihrer dem Frieden zugeneigten Gesinnung jedenfalls, schaffte es Brigitte Queck mit ihrer Gruppe direkt im Anschluss an den Ostermarsch 2017 auf eine am Brandenburger Tor stattfindende Demo der Gruppe „FÜR EIN MODERNES SYRIEN UNTER BASHAR AL-ASSAD“. Sie waren damit leider nicht die einzigen Personen aus dem Umfeld des Ostermarschs, die sich am Brandenburger Tor mit Assad- und Putinfans einer zeitgleich demonstrierenden Gruppe, in ihrer Mehrheit syrische Geflüchtete, entgegenstellten, die gegen Assad demonstrierten. Auch eine Bärgida-Aktivistin, die in letzter Zeit vermehrt im Umfeld der Montags-Friedenswächter anzutreffen ist, hatte sich direkt im Anschluss an den Ostermarsch unter die Gruppe Assad-Fans gemischt.


Eindrücke vom Ostermarsch, den man als rechts durchsetzt bezeichnen kann, sind hier, hier und hier zu finden.

Vereint im Widerstand: Ex-Wahnwichtel Lars Günther, Julia Schwarze und André Poggenburg bei Elsässer

Ex Wahnwichtel Lars Günther mit Andre Poggenburg, Julia SChwarze ("Das Sachsen-Mädel") und Jürgen Elsässer bei Compact
Ex Wahnwichtel Lars Günther mit André Poggenburg, Julia Schwarze („Das Sachsen-Mädel“) und Jürgen Elsässer bei Compact

Ex-Wahnwichtel Lars Günther hat Bilder von der Compact- Aschermittwochs Veranstaltung in Altenburg gepostet, die im Zeichen der Solidarität mit Höcke stand. Dabei ist mal wieder Andre Poggenburg mit dem „Sachsen-Mädel“ Julia Schwarze, Thügida-Aktivistin um Alexander Kurth und David Köckert. Sie wird mal wieder auch für den 5. Merkel-muss-weg-Naziaufmarsch am kommenden Samstag in Berlin erwartet. Ebenfalls auf den Fotos der Compact Veranstaltung zu sehen sind der Dresdner Richter Jens Maier und Siegfried Däbritz.

der Dresdner Richter Jens Maier mit Andre Poggenburg und Jürgen Elsässer
Der Dresdner Richter Jens Maier mit André Poggenburg und Jürgen Elsässer

Poggenburg war in letzter Zeit nicht nur wegen seiner Wortwahl im Landtag von Sachsen-Anhalt in die Kritik geraten – er sprach von „linksextremen Lumpen“ und „Wucherung am deutschen Volkskörper“, die man endgültig loswerden müsse, sondern auch weil Fotos von ihm mit eben jener Julia Schwarze öffentlich wurden. Von seinem verhinderten Auftritt an der Uni Magdeburg, wo er von Ingo Zimmermann, Maik Range (beide DIE RECHTE) und auch von Identitären und anderen Nazis eskortiert wurde, mal ganz zu schweigen. Wer es sich leisten kann, der kann halt.

Lars Günther war 2014 mit Christoph Kastius, Carsten Halffter und Anja Heussmann Mitbegründer des AK Berlin, eine der ersten rechten Abspaltungen der Montagswachen in Solidarität mit Elsässer, nachdem Chaos und Shayhar sich in die Wachen integriert hatten. Der AK Berlin organisierte dann die Demos am Alexanderplatz und die größeren Demos am geschichtsträchtigen Daten am Kanzleramt. Bei einer dieser Veranstaltungen war nicht nur Xavier Naidoo dabei, sondern auch der mutmaßliche Rechtsterrorist Burghard Bangert.
Das verhinderte dennoch nicht, dass diese offen rechte Truppe zu größeren Wichtel-Veranstaltungen immer wieder mit dem Shahyar-Chaos-Jebsen-Mährholz-Flügel verschmolz.Mittlerweile betätigt sich Lars Günther als Propagandaschleuder für Else und die Afd. Er hat für Elses Compact-Konferenz in Berlin am 05.11.2016 den Einlass organisiert und Gästelisten kontrolliert, wie er auch im August 2016 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Neubrandenburg mit Bernd Höcke anwesend war und für Else Compact-Werbung verteilt hat. Momentan richtet er die wöchentlichen Mittwochsdemos am Kanzleramt in Berlin für Franz Wiese (Afd Brandenburg) aus. Dort regelmäßig anwesend ist auch Siegfried Däbritz und ab und an auch Identitäre um Robert Timm, der wiederum am letzten Montag, dem 27.02., bei Pegida in Dresden auf der Bühne stand.
Da ist ordentlich was zusammengewachsen.
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„Trotz allem“? Zu Peter Nowaks Artikeln über die Friedensdemo

Peter Nowak schrieb zwei Artikel über die Friedensdemo vom 8.8.2016. Einen im neuem deutschland(nd) und  einen bei Telepolis(tp). Das Verhältnis zwischen den Orgaisatoren der Großdemo und Teilen des Mahnwachensepektrums kam dabei zu kurz und die Distanzierung der Veranstalter zu bestimmten Positionen wurde zu wenig hinterfragt.

Im nd wies Nowak auf eine Stellungnahme der Organisatoren hin, „dass auf der Demonstration kein Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus“ sei. Auf Telepolis schrieb Nowak mit Bezug auf uns: „Auf einer Blogsport-Seite werden viele verschwörungstheoretische, latent antisemitische und regressive Parolen und Plakatmotive dokumentiert.“ Er merkte an „ein Berliner VVN-BdA-Mitglied“ habe sich daran gestört, „dass am Samstag trotz allem[!] mehrere Hundert Menschen aus dem Umfeld der Friedensmahnwachen mitdemonstriert hatten.

Was heißt hier „trotz allem„? Nowak zitierte hier offenbar nicht, wie das Fehlen eines Konjunktivs oder Anführungszeichen verdeutlichen. Etwa trotz der Ankündigung, dass „kein Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus sei„? Aber waren „viele verschwörungstheoretische, latent antisemitische und regressive Parolen und Plakatmotive“ und „mehrere Hundert Menschen aus dem Umfeld der Friedensmahnwachen“ damit überhaupt gemeint?

Nowak bezog sich in beiden Artikeln auf den Musiker und Politikaktivisten Florian Ernst Kirner aka Prinz Chaos II. Dieser habe zum Abschluss der Großdemo erkärt „Wir haben viel Zeit für internen Streit verplempert. Schön, dass wir wieder zusammen auf die Straße gehen„(nd). Kirner erklärte damit die Debatte um Verschwörungsideologen und Antisemiten bei Friedensdemos für beendet. Nowak widersprach, das müsse „dann schon verwundern. Denn natürlich geht die kritische Diskussion weiter„(tp).

Kirner will also nicht mehr darüber diskutieren, ob die etablierte Friedensbewegung mit den für Verschwörungsideologie und mindestens latenten Antisemitsmus bekannten Mahnwachen zusammenarbeiten sollten. Für ihn gibt es offensichtlich wichtigere Themen. So suggerierte er gestern die Vorkomnisse in Chemnitz seien „eine jämmerliche, geheimdienstinduzierte Schmierenkomödie.

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Gut, dass Nowak ihm widersprach. Schade aber, dass er nicht auch auf Kirners eigene Rolle bei den Mahnwachen einging. Kirner trat als einer der ersten bekannteren linken Aktivisten bei Montagsmahnwachen auf und war damit eine Art Dammbrecher. Er stellte sogar sein Schloss für Vernetzungstreffen der Montagsmahnwachen zur Verfügung. Schließlich lernte sich das Duo Ken Jebsen und Pedram Shahyar vermutlich über Kirner kennen.

Der ehemalige Linksruck- und Attacaktivist Pedram Shahyar brachte Jebsen 2014 vor laufender Kamera bei, dass man besser bei Linken trumpfe, wenn man von der Relativierung der Shoa durch Gleichsetzungen von Israel und des Zionismus mit dem Nazismus absieht. Jebsen versprach Besserung und hat seit dem immer häufiger auch etablierte Linke zu Gast. So saßen Reiner Braun und der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke (Die LINKE) bei Ken Jebsen um für die große Friedensdemo am 8.Oktober 2016 zu mobilisieren. Rainer Braun ist nicht irgendwer, er war maßgeblich für diese Demo mitverantwortlich.

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Als 2015 Peter König im Interview bei KenFM über die zionistisch kontrollierte Weltherrschaft der Wall Street „aufklärte“ und sagte, dass der Zionismus wie der Nazismus eine Ideologie sei, die nach Weltherrschaft strebe, konnte Jebsen nicht mehr an sich halten. Er entgegnete entgegen dem Versprechen der Besserung, dass es so eine Ideologie ja auch schon mal gegeben habe. „Absolute Macht korrumpiert absolut“, zitierte er sich dann im Bezug auf beide Ideologien auch noch selbst.

Dieser öffentliche Rückfall Jebsens war nicht verwunderlich, wenn man nicht vergessen hatte, dass Jebsen bereits Jahre zuvor noch expliziter davon sprach, dass reiche Juden die USA beherrschen würden. Als Jebsen eine einstweilige Verfügung gegen den Song der Antilopen Gang „Beate Zschäpe hört U2“ erwirken lassen wollte, wies ein Gericht das  im Hinblick auf die […] Äußerungen des  Antragstellers in der Vergangenheit zurück. Die „Antilopen Gang“ darf Jebsen weiterhin als „Hetzer in deutscher Tradition“ bezeichnen und weiter ausführen:  „sie sind schlicht Antisemiten / All die Pseudo-Gesellschaftskritiker / Die Elsässer, KenFM-Weltverbesserer„.

„Ken Jebsen formuliert eine relativ scharfe Israelkritik – aber auch nicht mehr“ rechtfertigte dagegen Reiner Braun seine Kooperation mit KenFM, als habe Jebsen nie die Existenz einer jüdischen Weltverschwörung auch nur angedeutet. Und so mobilisierte man nicht nur über KenFM auch jene Leute die Jebsens „relativ scharfe Israelkritik“ teilen, sondern amplifiziert gleichzeitig dessen Publikum. So findet man eben auf seinem Kanal neben Interviews mit verschiedenen Bundestagsabgeordneten eben auch welche mit Leuten wie Peter König.
[D]ass am Samstag [..] mehrere Hundert Menschen aus dem Umfeld der Friedensmahnwachen mitdemonstriert hatten“ geschah also nicht „trotz allem„, sondern gerade weil man das so wollte und weil man dafür selbst gesorgt hatte. Und wenn die Organisatoren erklären „dass auf der Demonstration kein Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus sei„, dann ist das nur ein Lippenbekenntnis, denn offenbar ist eine „relativ scharfe Israelkritik“  gegen die zionistische Weltverschwörung davon grundsätzlich ausgenommen.

Mit dem Kreml gegen amerikanische Verschwörer: Friedensdemos in Berlin

Heute gab es in Berlin zwei Demos, die aber am Ende zu einer verschmolzen. Vermutlich wollten die Rechteren die Rede von Sahra Wagenknecht nicht verpassen. Demonstriert wurde für den Frieden, d.h. man marschierte zum Beispiel mit militärischen Ehrenabzeichen Russlands herum und zeigte dabei Transparante gegen die Amerikaner, gegen die Lügenpresse, gegen die zionistischen Weltherrscher und andere Bösewichter.

Auf der großen Demo spielte man die russische Nationalhymne. Denn es gibt gute und böse Kriegsparteien, wie man an die vielen Fahnen des Assad-Regimes, Russlands, „Neurusslands“ und des Donbass sehen konnte. Darunter auch das im Russischen Kaiserreich eingeführten, in der Oktoberrevolution abgeschafften und unter Stalin eingeführten schwarz-orangenen St. Georgs Band, laut Wikipedia „ein bekanntes und weithin respektiertes Symbol militärischer Tapferkeit in Russland.“

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Die DKP lief mit St Georgs Band und Donbasslagge mit(beide rechts im Bild, letztere durch erstere teilweise verdeckt).

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Für manche scheint auch der Zweite Weltkrieg nicht vorbei zu sein. Die NATO sei dabei in die Fußstapfen der Nazis getreten. Dass Länder wie Litauen ihr freiwillig beitreten durften ist für diese Leute vergleichbar mit dem Vernichtungskrieg der Deutschen im Osten. Relativierungen des Nationalsozialismus wurden ja schon auf ähnlichen Veranstaltungen beklatscht. Zum Beispiel neulich in Essen durch Bundestagsabgeordnete der Partei Die LINKE und Personen aus dem Montagsmahnwachenspektrum.

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Auch hier wurde Geschichte und Gegenwart durcheinander gebracht:

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Der Kreml und das Assad-Regime mussten sich aber auch Kritik gefallen lassen. Aber unseres Wissens nach auschließlich auf einer Protestaktion der ADAB, die dazu schrieb:

Heute protestierten einige #Antideutsche gegen die linksdeutsche #Friedensbewegung. Trotz bundesweiter Mobilisierung kamen nur rund 1500 Personen zur Demonstration gegen die „NATO-Konfrontation“. Auch Teile der iranischen Opposition nutzten die Möglichkeit ihren Protest gegen die linken Freunde antiimperialistischer Diktaturen zu artikulieren. #antideutsch #freesyriafromassad #diewaffennieder

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Während auf der kleinen Demo sicherlich der eine oder andere Reichsideologe mitlief, war auch auf der großen Demo die Souveränität Deutschlands nicht egal.

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Bei der Startkundgebung der großen Friedensdemo stand der vegane Querfront-Aktivist Gérald Hägele,in der Menge und nutzte so ziemlich jede Kamera um etwas über die „NWO“-Verschwörung und ihre Kriegspropaganda zu erzählen. Gleichzeitig sang auf der Bühne eine Liedermacherin über Profiteure des Krieges.

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Der Lügenpresse mögen auch andere Teilnehmer der großen Friedensdemo nicht trauen. So tauchte dort ein Plakat für ein Theaterstück auf welches die „geheimnissvolle Gleichschaltung unserer Medien“ thematisiert. Seine Freunde hat das Stück unter anderem in den Kreisen des Montagsmahnwachenspektraum gefunden.

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Hägele glaubt als einziger Teilnehmer der großen Demo zu wissen, wer hinter den Kriegen steckt. „Kriegsprofiteure sabotieren“ wurde auf einem Transparant des internationalistischen Blocks gefordert, der bei der großen Demo mitlief. Typischer „Cui Bono?“-Fehlschluss.

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Die „Antiimperialistische Aktion“ lief aber lieber auf der kleinen Demo mit. Es handelt sich dabei um eine Querfronttruppe, die sich auch schon mit der Identitären Bewegung traf. Mitsamt einem Rotarmisten auf ihrem Frontbanner, der die NATO ersticht , einer Fahne des Assadregimes und ihrer unvermeidlichen eigenen Fahne. Jene soll an eine Antifa-Fahne erinnern, trägt aber als Symbol für ihren Antizionismus eine Palästinenserfahne in der Mitte.

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Nicht weit hinter der „Antiimperialistischen Aktion“ auf der kleinen Demo: Zwei weitere Personen mit, die ebenso wenig von „den Zionisten“ halten. Von links nach rechts auf dem Bild: Holocaustleugnung, „Die Zionisten regieren die Welt“ und die „Antiimperialistische Aktion“.

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Auf der kleinen Demo war das kein Problem. Als sich die Demos später vereinigten, blieb der linkes Mann aber auf der anderen Seite des Brandenburger Tors und dem rechten wurde sein Plakat ent- und zerrissen. Auf der anderen Seite hatte er ein Zitat des Holocaustleugner Horst Mahler zu stehen:

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Dieser Aufruf zur Hängung Merkels sorgte aber auch auf der großen Demo nicht für Empörung:

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Diese Krake war heute ebenfalls auf der großen Demo zu sehen.

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Kraken werden gerne von Antisemiten, Antiamerikanisten und (anderen) Verschwörungsideologen verwendet. In diesem Fall war die gleiche Krake eine Woche vorher auf der von Ken Jebsen initierten Demo zu sehen. Ken Jebsen muss sich aus Gründen oft Antisemitismusvorwürfe anhören.

Wir haben keinen Platz für Antisemitismus und Antiamerikanismus, wir sind nur für Frieden!

Das die Krake bei beiden Demos auftauchte muss aber nicht überraschen. Reiner Braun war vor einer Woche bei der von Jebsens initierten Demo. Zusammen mit dem linken Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrcke mobilisierte er über KenFM. Heute moderierte Reiner Braun unter anderem Sahra Wagenknecht an.

Gerade KenFM erreicht wohl auch ein junges Publikum, das die alternde Friedensbewegung selbst so gut wie gar nicht mehr erreicht. Die Friedensbewegung will sich  mit Hilfe von Montagsmahnwachen und „Alternativmedien“ verjüngen.

Im Gegenzug können sich Jebsen und Co. durch etablierte Gäste und Kooperationspartner einen seriösen Anstrich geben und haben sogar auf Grund des Altersunterschiedes eine gute Aussicht die Friedensbewegung irgendwann ganz zu übernehmen. Ein Artikel des taz-Bewegungsreporters Martin Kaul dazu hatte die passende Überschrift: „Friedensbewegung will sich verjüngen. Gute Nacht, Freunde“.

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Bei der großen Kundgebung lief auch der Bautzner Frieden mit. Dieser ist aus der Bautzner Montagsmahnwache hervorgegangen, bei der auch „bekennende Nationalsozialisten“ für den Frieden dabei sind und auch am Mikro sprechen durften. Rainer Braun nahm von diesen Leuten den Bautzner Friedenspreis an. Der Rechtsextremist Thomas Löbnitz hielt die Laudatio auf dieser Veransaltung. Braun ist der zweite Träger dieses Preises, den ersten erhielt Lars Mährholz.

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Die Montagsmahnwache Wittenberg lief hingegen bei der kleineren Demo mit. Die kleinere ist u.a. von  Guido Ciburski und Frank Geppert initiert. Ciburski ist ein relativ offen rechter Aktivist aus dem Mahnwachenspektrum. Er ließ beinahe den gesamten Friedenswinter platzen, als er einen Antrag stellte, die Distanzierung vom Rechtspopulisten Jürgen Elsässer aufzuheben. Der Friedenswinter war die erste gemeinsame Kampagne der etablierten Friedensbewegung und der Montagsmahnwachen. Laut Beobachtern hätte der Antrag eine Mehrheit erreicht. Als ihm klar wurde, dass dann die Kräfte der etablierten Friedensbewegung austeigen würden, zog er seinen Antrag aber zurück.

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Da die kleine Kundgebung von Frank Geppert u.a. initiert wurde muss einen nicht wundern, was dort alles toleriert wurde. Geppert ist einer der Köpfe von Endgame, zuvor auch als Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes bekannt. In der Mitte ein Post einer damaliger Admina der Facebookgruppe.

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Die kleine Demo war leider relativ erfolgreich. Die junge Welt und die Freidenker sponnen bereits vor einigen Tagen Verschwörungstheorien, dass die kleine Demo von „den  Herrschenden“ initiert sei, um die Friedensbewegung zu spalten und zu diskreditieren.

Der Altersdurchschnitt war geringer als auf der großen. Sie war günstig auf dem Weg vom Bahnhof zur großen Demo platziert. Sogar einige Altfriedensbewegte hatten sich dahin verlaufen und sind am Ende auch mitgelaufen. Zu ihrem Glück hatten aber beide Friedensdemos ihre Abschlusskundgebung mit Sarah Wagenknecht am Brandenburger Tor.

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Fragen und Antworten zur vereinigten Friedensbewegung

Die ak[due]ll, die studentische Zeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet, hat uns ein paar Fragen zur Friedensdemonstration gestellt, die am 03. Oktober in Essen stattfand, und auch allgemein über diese Querfront-Bewegung befragt.

1. Für was treten die Demonstrant*innen der Friedensdemo im Allgemeinen ein?

Sie treten wohl tatsächlich für Frieden ein. Oder für das, was sie unter „Frieden“ verstehen.

Nicht wenige der Friedensbewegten, insbesondere aus dem Spektrum der Mahnwachenbewegung, verstehen unter „Frieden“ weit mehr als die Abwesenheit von Krieg. Sie meinen auch die Abschaffung der Konflikte, die in einer liberalen Demokratie ausgetragen werden: „In einigen Fällen geht die Ablehnung des Links-Rechts-Schemas mit einem starken antipolitischen Wunsch nach einer Gesellschaft ohne Widersprüche und Konflikt einher“,  hieß es in der Studie „Occupy Frieden„, für die eine Befragung der Teilnehmer einer Berliner Montagsmahnwache stattfand. Der auf den Mahnwachen „mantrahaft wiederholt[en]“ Behauptung, die Einteilung in „links“ und „rechts“ sei in der Politik überholt, stimmten zwei Drittel der Befragten zu.

Die Mahnwachenteilnehmer würden sich zwar nicht als Antidemokraten bezeichnen. Es sprachen sich 91,9 Prozent gegen eine Diktatur und 97 Prozent für eine Demokratie aus. Oder für das, was sie für eine „Demokratie“ halten.

Viele deuten den Begriff „Demokratie“ um. Immer wieder wird auf Mahnwachen auf das angebliche Prinzip der Elite „Teile und Herrsche“ hingewiesen. Mit „Teile und Herrsche“ wird auch suggeriert, alle Streitigkeiten dienten nur sinisteren Verschwörern und eigentlich gebe es doch einen organischen Volkswillen, den man nur umsetzen müsste, ohne lange darüber zu streiten. 33,8 Prozent waren der Meinung, Deutschland solle „einen Führer“ haben, der Deutschland „zum Wohle aller mit starker Hand“ regiere und weitere 29 Prozent lehnten diese Aussage zumindest nicht eindeutig ab.

Rainer Braun redete am 1.10. auf einer Demo von Ken Jebsen vom „1%“, gegen das alle zusammen stehen müssten, die für den Frieden seien. Er ist eine führende Person der etablierten Friedensbewegung und nicht nur für die Demo am 8.10. mit Sahra Wagenknecht in Berlin maßgeblich mitverantwortlich, sondern hat auch sonst viel zur Vereinigung der etablierten Friedensbewegung mit den Mahnwachen beigetragen. Er scheut auch keine Kooperation mit Leuten, die ihrerseits mit Nazis kooperieren.

50 Prozent der für „Occupy Frieden“ befragten glaubten, die BRD sei kein souveräner Staat. In Anlehung an die „Reichsbürger“ heißt „Friedensbewegung“ für viele, einen Friedensvertrag zu fordern, durch den Deutschland wieder souverän und nicht mehr durch fremde Mächte kontrolliert werde.

Nich nur bei Braun, auch bei anderen Akteuren der etablierten Friedensbewegung gibt es ebenfalls oft verschwörungsideologische Untertöne, wenn es um Krieg und Frieden geht: So sprach Eugen Drewermann am 3.10. in Essen von der NATO als „Mafia“.

2. Welches Ziel verfolgte die Demo am 03. Oktober in Essen? Inwiefern äußerten die Akteur*innen NS-Relativierungen?

Die Demo richtete sich gemäß Aufruf in erster Linie gegen die NATO. Diese sei ihres Erachtens maßgeblich an den Kriegen der Welt schuld. Vom 4.10. an tagt in der Messe Essen eine Sicherheitskonferenz – Anlass für die Kundgebung am Vortag.

Die NATO wird von einem relevanten Teil der Besucher offenbar nur als eines von vielen Mitteln der amerikanischen Regierung und/oder irgendwelcher verschworener Kreise zur Erlangung der Weltherrschaft gesehen. Reden, z.B. gegen TTIP, zeigten aber, dass auch hier andere Themen hereinspielten. Der konkrete Anlass ist bei solchen Veranstaltungen meist nur der Aufhänger zur Verkündung simpler Weltbilder.

Eugen Drewermann meinte, die Deutschen hätten (erst) durch den Kalten Krieg „ihre Menschlichkeit verloren“.  Aber welche Menschlichkeit soll nach der Shoa noch da gewesen sein?

Drewermann behauptete auch, dass die NATO die ärgste Armee der Menschheitsgeschichte wäre. Implizit sagt er damit, die NATO sei schlimmer als die Nazis. Ähnliches behauptete er schon bei der Auftaktkundgebung des Friedenswinters im Dezember 2014, der ersten großen bundesweiten gemeinsamen Aktion von Mahnwachen und etablierter Friedensbewegung. In beiden Fällen wurde dem applaudiert.

In Essen gab es dazu passend auch ein Plakat mit dem Emblem der NATO, in das ein Hakenkreuz reingearbeitet wurde.

3. Welche Akteure sind dort anzutreffen?

Am 3.10. waren Akteure aus der etablierten Friedensbewegung, darunter leider auch Funktionäre der Partei Die LINKE, sowie Personen aus dem Umfeld der Montagsmahnwachen vor Ort. Das galt nicht nur für das Publikum, sondern auch für die aufgebauten Stände und das Bühnenprogramm.

Von Die LINKE waren dort: Andrej Hunko (MdB), Wolfgang Freye (ehemaliger OB-Kandidat), Sonja Neuhaus (Sprecherin des KV Essen), Gabriele Giesecke (Ratsfrau in Essen) und Jules El-Khatib (Mitglied im Landesvorstand NRW).

Daneben nahmen zahlreiche Leute aus dem Mahnwachenspektrum teil. So zum Beispiel Peter Jüriens der vormals einer der führenden Köpfe der Mahnwache für den Frieden Bochum war und heute unter anderem beim Friedenskreis Wanfried und als Mitorganisator der Friedenstournee friedenspolitisch aktiv ist.

Jürgen Lutterkordt, heute ebenfalls beim Friedenskreis Wanfried und Mitorganisator der Friedenstournee, filmte die Veranstaltung für das „Alternativmedium“ Regenbogen.tv. Solche „Alternativmedien“ sind für die Mahnwachenbewegung sehr wichtig, ist sie doch einer der Pioniere des postfaktischen Zeitalters gewesen. Mittlerweile gibt es ein  publizistisches Netzwerk, welches Wolfgang Storz in einem Arbeitspapier für die Otto-Brenner-Stuftung durchleuchtet hat, in dem sich die Verschwörungsideologen wechselzeitig rezipieren und interviewen.

Mittlerweile handelt es sich um eine vereinigte Friedensbewegung. Alt- und Neufriedensbewegte „schlenderten […] in unterschiedlichen aber überschneidenden Konstellationen [sich] freundschaftlich umarmend und händeschüttelnd über den Kundgebungsplatz“, wie Beobachter das beschrieben.

Wojna von der Band Die Bandbreite ließ in dem Getümmel ein Foto mit der linken Bundestagsabgeodneten Sevim Dagdelem machen, das er anschließend bei Instagramm präsentierte. Die Bandbreite wird nicht nur von der NPD als „volkssozialistische Musikgruppe“ und von ‚Die Rechte‘ Dortmund wegen ihrer „Anschlussfähigkeit an nationale Positionen“ empfohlen, sondern trat auch schon bei rechtsextremen Veranstaltungen wie der „Anti Zensur Konferenz“ auf.

Die Bandbreite hat aber auch schon mit der Sängerin Morgaine zusammengearbeitet, die an diesem Tag zwischen Eugen Drewermann und Sevim Dagdelen auf der Bühne stand.

Der Verschwörungsrapper und die Bundestagsabgeordnete
Der Verschwörungsrapper und die Bundestagsabgeordnete

Andere Demonstrationen dieser vereinigten Friedensbewegung wie jene der Kampagnen „Friedenswinter“ und „Stopp Ramstein“ setzten und setzen sich ganz ähnlich zusammen: Vor allem im Internet geschulte Verschwörungsideologen treffen auf Altfriedensbewegte und Antiimperialisten z.B. aus der Partei Die LINKE.

4. Die Demonstrations-Anmelder*innen brüsten sich damit, eine Plattform für Aktivist*innen zu schaffen, die sich weder links noch rechts verorten wollen. Wie gelingt es ihnen, dennoch einen gemeinsamen Nenner zu finden?

Auf Grund ideologischer Schnittmengen finden hier einige von Rinks und einige von Lechts zusammen. Diese Schnittmengen bestehen vor allem in geteilten Ressentiments gegen „die da oben“, gegen „den Ami“ und Israel. Eine nicht geringe Rolle spielt dabei aber auch der durch die politischen Lager hinweg verbreitete Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen.

Hinzu kommen ein zeilweise gemeinsamer Hang zur Esoterik, zum Regionalismus und die oben bereits erwähnte Sehnsucht danach, in einer homogenen Masse aufzugehen.

Ähnliches stellte Wolfgang Pohrt schon 1981 in seinem Aufsatz „Ein Volk, ein Reich, ein Frieden“  bei der Friedensbewegung fest, der an Aktualität nach 35 Jahren nichts verloren, wohl eher einiges gewonnen hat. Vermutlich fällt das alles auf Grund sozialer Netzwerke, der „Alternativmedien“ im Internet usw. nur vermehrt auf und ist leichter zu belegen.

5. Welchen Stellenwert hat der Antisemitismus?

51,6% der für „Occupy Frieden“ befragten stimmten Lars Mährholz‘ Aussage zu, dass „Amerika bzw. das amerikanische Militär“ nur „der Knüppel der FED“ sei, 39,4 Prozent lehtnen diese Aussage nicht eindeutig ab. Als angebliche Eigentümer der amerikanischen Notenbank vermutete nicht nur Lars Mährholz vor allem die Rothschilds. 27,3% der Teilnehmer stimmten zu, dass sich „Zionisten weltweit an die Hebel der Macht gesetzt“ hätten und „Politik, Börse und und auch die Medien nach ihrer Pfeife tanzen“ lassen würden. 19,7% lehnten das nicht eindeutig ab.

Der Begriff „Zionist“ hat in dieser Verwendung mehr mit den Protokollen der Weisen von Zion zu tun als mit seiner tatsächlichen Bedeutung. Aber selbst primärer Antisemitismus geht dann bei nicht wenigen als angeblich legitimer „Antizionismus“ durch. Man habe ja nichts gegen Juden, sondern nur gegen „Zionisten“.

Solche Begriffsumdeutungen wie bei „Zionist“ und „Demokratie“ sieht man in diesen Kreisen auch bei einigen anderen Begriffen. So wird der Begriff des Antisemitismus oft in seine Bestandteile zerlegt, behauptet die Juden seien keine „Semiten“ und Israel kein „semitischer Staat“ und desegen könne es gar nicht antisemitisch sein wenn man was gegen die sagt. Und überhaupt seien ja die Palästinenser die wirklichen Semiten und Israel bzw. „die Zionisten“ die wirklichen Antisemiten.

Das zeigt auch dass die regelmäßigen Beteuerungen aus den Reihen der Friedensbewegung man dulde keine Antisemitismus recht wenig wert sind. Man arbeitet dann einfach doch mit ihnen zusammen, behauptet sogar sie wären keine.

Dass nur 2,1 Prozent der Befragten bei „Occupy Frieden“ der offen antisemitischen Aussage „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ zustimmten dürfte aber nicht nur daran gelegen haben das Codes wie „Zionisten“ die Juden scheinbar ersetzt haben. Es dürfte auch daran  daran gelegen haben, dass die Teilnehmer durch die damalige Medienberichterstattung sensibilisiert waren. 88% glaubten durch „eine gleichgeschaltete Presse in eine rechte Ecke gestellt“ zu werden.

Man mag einwenden dass die Zahlen von „Occupy Frieden“ nicht repräsentativ für die heutige vereinigte Friedensbewegung sind. Neuere Zahlen gibt es nicht, aber unzählige Beispiele für Antisemitismus.

Der Präsident des Deutschen Freidenkerverbandes zum Beispiel veröffentlichte bei Facebook eine antisemitische Karikatur. Merkel war als Prostituierte mit einem Davidstern auf dem Po dargestellt die jüdischen Bankerfamilien diene. Diese zionistischen Bosse stünden hinter der EU.

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Der deutsche Freidenkerverband ist schon lange in der Friedensbewegung angekommen und akzeptiert. Primärer Antisemitismus taucht also vereinzelt auch bei den etablierten Akteuren der  Friedensbewegung auf. Wer das weiß wundert sich weniger über das Zusammengehen mit den Mahnwachen. Unter deren führenden Köpfen dürfte Antisemitismus noch verbreiteter sein als bei den durch „Occupy Frieden“ befragten Demoteilnehmern.

Ken Jebsen ist einer der führenden Ideologen und Demagogen der Mahnwachenbewegung. In seinem Beitrag „Zionistischer Rassismus“ vermutete er „Zionisten“ hinter jedem seiner Meinung nach imperialistischen Verhalten der USA. Er rechnete sogar den Anteil der Amerikaner „mit jüdischen Roots“ in der amerikanischen Oberschicht im Vergleich zu Einwanderern mit „deutschen Roots“ vor. In welche Kategorie deutsche Juden für ihn gehörten wurde dabei nicht klar, aber vermutlich wurden sie „wurzelmäßig ausgebürgert“, wie es eine Bloggerin formulierte.

Mittlerweile ist Jebsen vorsichtiger geworden und versucht nicht mehr den Anteil der Juden an der Weltherrschaft zu berechnen, aber über die von „Zionisten“ dirigierte Wall-Street wird bei KenFM immer noch gerne geplaudert, nicht ohne zu erwähnen dass man dafür zu unrech als Antisemit bezeichnet werde und die angeblich nach Weltherrschaft strebenden „Zionisten“ so schlimm sein wie die Nazis.

Auch in anderen mehr oder weniger relevanteren Akteuren der Mahnwachen denkt es ähnlich. Am 1. Oktober moderierte Schattauer Jebsens Demo, stand also z.B. mit Rainer Braun auf der Bühne. Außerhalb des Mahnwachenspektrums ist er in Deutschland vor allem durch seinen Rant gegen die Antilopen Gang und seine Beteiligung an der Friedensfahrt Berlin-Moskau zu zweifelhaften Ruhm gekommen. Über letztere berichtete Frontal21 in einem Beitrag über russische Propaganda. In Russland wurde Schattauer in einem Beitrag des quotenstarken russischen Fernsehsenders NTV als „in Deutschland bekannter Rapper“ und „Vorbild der deutschen Jugend“ bezeichnet.

Dieses „Vorbild der deutschen Jugend“ teilte auf Facebook diverse antisemitische Beiträge. In einem von Schattauer geteilten Beitrag wurde behauptet, Deutschland befände sich u.a. mit Russland, Nordkorea, Ungarn und Island im Krieg weil deren Zentralbanken noch nicht den Rothschilds gehörten. Schattauer ergänzte diesen Meilenstein des Postfaktischen durch die Aussage: „Und das hat NICHTS mit Antisemitismus zu tun!!!!„. schattauer-nichts-mit-antisemitismus

„Stopp Ramstein“ war eine gemeinsame Kampagne von Mahnwachen und Altfriedensbewegten. Den Kampagnensong „In Ramstein“ spielte die Band „VitaVision“ ein. In einer breiteren Öffentlichkeit kam VitaVision aber durch ihren Song über „Chemtrails“ zu zweifelhaftem Ruhm weil z.B. Jan Böhmermann diesen teilte.

Die „Chemtrails“-Verschwörungstheorie besagt die Kondensstreifen von Flugzeugen seien durch Verschwörer bewusst ausgebrachte Gifte. Im Umfeld der Mahnwachen glauben das nicht wenige. Dieser Glauben steht mal mehr und mal weniger offen in Tradition der schon im Mittelalter erhobenen Vorwürfe gegen die Juden, diese würden Brunnen vergiften. In dem Video zum VitaVision-Song „Chemtrails“ wurden Collagen eines Antisemiten eingeblendet, der sonst auch die Shoa leugnet. Ein Versehen?

Die Sängerin der Band teilte bei Facebook einen  Blogpost in dem behauptet wurde, die Bilder aus den deutschen Vernichtungslagern zeigten „in Wahrheit“ keine Juden. Es handele sich statt dessen um Deutsche, die die Allierten zu Millionen ermordet hätten. Man habe sie „umetikettiert“ um den Deutschen einen „Schuldkomplex“ einzupflanzen und ein „Besatzungsregime“ unter „zionistischer Knechtschaft“ zu installieren.

Bei „Stopp Rammsein“ trat auch Oskar Lafontaine  auf. Er veröffentlichte sogar ein gemeinsames Bild bei Facebook. Das symbolische Foto findet sich bis heute auf der Facebookseite von Oskar Lafontaine. Die Band hat es geteilt. Lafontaine selbst wird weit vorne in der Mitte präsentiert als sei er Teil des Transparentes, im Hintergrund wartet VitaVision um im Fahrtwasser seiner Prominenz ein breiteres Publikum zu erreichen und mittendrin steht und moderiert Reiner Braun, der „für den Frieden“ alle vereinen will.

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Oskar Lafontaine (vor der Bühne in der Mitte), Reiner Braun (auf der Bühne in der Mitte mit Mikro) und die Band VitaVision(auf der Bühne).

Neben dem primären Antisemitismus und dem z.B. in Reden von „1%“ noch häufiger anzutreffenden strukturellen Antisemitismus spielt aber noch der israelbezogene Antisemitismus eine große Rolle. So fällt auf, wie unglaublich überrepräsentiert der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Vergleich zu allen anderen Konflikten der Welt z.B. in den altfriedensbewegten Tagungen und den neufriedensbewegten „Alternativmedien“ ist. Hätten sie nicht noch die USA als zweites Lieblingsfeindbild, wären sie wohl mit so gut wie nichts anderem mehr beschäftigt: „no jews, no news“.

6. Spielen Akteure wie Jürgen Elässer und Ken Jebsen noch immer eine entscheidende Rolle in der Friedensbewegung?

Wie oben erwähnt trat Rainer Braun am 1.10. bei einer Demo von Ken Jebsen auf. Seine Demo am 8.10. bewarb er aber auch in Jebsens „Alternativmedium“ KenFM. Dafür gab sich sogar der linke Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke her, der neben Braun in Jebsens Studio saß.cuhe4xaxeaa61z4

Bei Demos, für die man sich aber die Unterstützung z.B. von Funktionären der Partei Die LINKE erhofft, tauchen die Neufriedensbewegten auf den offiziellen Internetseiten und Flyern der Kampagnen für gewöhnlich nur im Kleingedruckten, z.B. in der Liste der Unterstützer, auf. Mit Hilfe von KenFM und anderen „Alternativmedien“ wird vor allem im Internet, z.B. über Facebook und Youtube, mobilisiert. Hier hat sich eine Art Arbeitsteilung eingeschlichen.

Der für die Demo in Essen mitverantwortliche Bernhard Trautvetter und einige andere aus der etablierten Friedensbewegung wahren schon mehrfach Interviewpartner für Ken Jebsens Medium KenFM. Auch andere Personen aus der etablierten Friedensbewegung haben die mediale Reichweite der „Alternativmedien“ zu schätzen gelernt.

Gerade KenFM erreicht wohl auch ein junges Publikum, das die alternde Friedensbewegung selbst so gut wie gar nicht mehr erreicht. Die Friedensbewegung will sich  mit Hilfe von Mahnwachen und „Alternativmedien“ verjüngen.

Im Gegenzug können sich Jebsen und Co. durch etablierte Gäste und Kooperationspartner einen seriösen Anstrich geben und haben sogar auf Grund des Altersunterschiedes eine gute Aussicht die Friedensbewegung irgendwann ganz zu übernehmen. Ein Artikel des taz-Bewegungsreporters Martin Kaul dazu hatte die passende Überschrift: „Friedensbewegung will sich verjüngen. Gute Nacht, Freunde„.

Der Verschmelzung der etablierten Friedensbewegung mit Teilen der Mahnwachen ging die gemeinsame Kampagne „Friedenswinter“ vorraus. Schon bei der Auftaktkundgebung stellte es sich so dar, dass im Organisationskomitee und auf der Bühne einige Personen aus dem Mahnwachenspektrum vertreten waren. So moderierte die Mahnwachenrednerin und RT-Deutsch-Journalistin Lea Frings. In der Orga saßen unbekanntere Personen von den Mahnwachen, diese hatten in der Vergangenheit zum Teil keineswegs weniger übles Zeug geredet als Jebsen, aber weil davon so gut wie niemand wusste konnte man offiziell mit ihnen zusammen arbeiten.

Auch wurden keine wegen öffentlich bekannter(!) Äußerungen umstrittenen Personen als Redner angekündigt. So konnten Personen aus der etablierten Friedensbewegung und der Partei Die LINKE im Vorfeld ihre Unterstützung des Friedenswinter rechtfertigen indem sie behaupteten, Ken Jebsen und Lars Mährholz hätten mit der Sache nichts zu tun – die allermeisten davon haben es wahrscheinlich selbst nicht besser gewusst. Am Tag der Demo fuhr da aber auf einmal ein unangekündigter Lauti der Mahnwachen mit von dem Mährholz und Jebsen ihre Reden hielten. Für uns war das wenig überraschend.

Jügen Elsässer darf bei dieser vereinigten Friedensbewegung nicht mitmachen. Man grenzt sich stets laut von der Person Elsässer ab und stellte diese Abgrenzung als Beweis dafür dar, dass man es geschafft habe, alle fragwürdigen Positionen aus der vereinigten Friedensbewegung draußen zu halten. Der Auschluss Elsässers ist, ob nun so intendiert oder nicht, eher als ein symbolischer Akt zu verstehen, mit dem man sich gegenüber Linken bündnisfähig zeigt.

Am 8.10. finden in Berlin zweit Friedensdemos fast am gleichen Ort statt. Die kleinere ist u.a. von  Guido Ciburski und Frank Geppert initiert. Ciburski ist ein relativ offen rechter Aktivist aus dem Mahnwachenspektrum. Er ließ beinahe den gesamten Friedenswinter platzen, als er einen Antrag stellte die Distanzierung zu Elsässer aufzuheben. Laut Beobachtern hätte der Antrag eine Mehrheit erreicht. Als ihm klar wurde, dass dann die Kräfte der etablierten Friedensbewegung austeigen würden, zog er seinen Antrag aber zurück.

Frank Geppert war einer der Köpfe der Mahnwachenabspaltung „Endgame“, bei der auch mal Nazischläger als Ordner eingesetzt wurden, die handgreiflich gegenüber Gegendemonstranten und Journalisten wurden.

Aber diese Kreise sind mehr als durchlässig, wie sich letzmalig am 1.10. auf der von Ken Jebsen initierten Friedens-Kundgebung vor dem Kanzleramt wieder zeigte. Dort fanden sich Personen beider Flügel ein. Neben Reiner Braun, Pedram Shahyar und Prinz Chaos waren z.B. auch Frank Geppert auf dem Platz.

Zur besonders rechtsoffenen Konkurrenzveranstaltung von Geppert,Ciburski und Co. fiel den Freidenkern und der jungen Welt übrigens nichts anderes ein, als zu behaupten, diese Konkurrenzveranstaltung wäre ein Einfall „der Herrschenden“, um die Friedensbewegung zu diskreditieren. Auch das zeigt, dass im Umfeld der etablierten Friedensbewegung ähnliche Welterklärungsmuster wie bei KenFM vorhanden sind, von daher besteht hohe Anschlussfähigkeit.

7. Gibt es parlamentarische Unterstützung der Friedensdemonstrant*innen?

Ja. Auf Mahnwachen waren diverse AfD-Politiker vor Ort, die damals aber noch keine Mandate hatten. Bei der heutigen vereinigten Friedensbewegung, wie man sie auch in Essen in Aktion erleben konnte, hält man die AfD aber erkennbar draußen und macht Kooperationsangebote vor allen an die Partei Die LINKE, die leider viel zu oft positiv beantwortet werden:

Am 3.10. redete Sevim Dagdelen in Essen, am 8.10. war Sarah Wagenknecht in Berlin (angekündigt), der Parteivorstand hatte zu dieser Demo am 8. aufgerufen. Diether Dehm trat schon 2014 auf einer Mahnwache auf. Die Linksfraktion im Bundestag unterstützte eine Publikation des Friedenswinter finanziell. Zahlreiche Politiker der Linken unterschrieben den Aufruf zu „Stopp Ramstein“. Zur Demo am 8.10. rief der Parteivorstand der Linken auf.

Die ganz große Friedensquerfront macht mobil gegen die Weltverschwörung

An einem Samstag in Berlin besuchte der einflussreiche Altfriedensbewegte Rainer Braun seine neueren Mitstreiter auf einer von Ken Jebsen initierten Demo um dort für seine friedensbewegte Querfront zu werben. Schon am darauf folgenden Samstag haben diese Gelgenheit die Einladung anzunehmen, auf einer von Braun mitinitierten Demo mit offizieller Unterstützung des Parteivorstandes der Linken und der Linksjugend [solid].

Ken Jebsen rief zur Demo auf

Wir haben keinen Platz für Antisemitismus und Antiamerikanismus, wir sind nur für Frieden!
Wir haben keinen Platz für Antisemitismus und Antiamerikanismus, wir sind nur für Frieden! Siehe auch: Laura-Luise Hammel (academia.edu, Worms 2015): Antisemitische und antiamerikanische Verschwörungstheorien. Eine Diskursanalyse im Umfeld der Mahnwachen für den Frieden

Es sollten eigentlich 25.000 Menschen kommen weil Ken Jebsen das so in einem bei Youtube veröffentlichten Wutanfall beschloss, es wurden zum Glück aber nur ca. 500, die auf der Demo seinen Beteuerungen lauschten er wolle kein Führer werden und man müsse nur „das Geldsystem“ beseitigen und schon wäre Weltfrieden. Obwohl er vielleicht sogar die Qualifikation für das Amt eines Führers in Deutschland hätte, schließlich ist er jemand, der in Vergangenheit über „das Geldsystem“ auch schon weiter ausholte und referierte, dass reiche Juden sich gegen den Rest der Menschheit verschworen hätten, Menschen schlachten würden und für so ziemlich jeden Krieg verantwortlich seien.

Am 1.Oktober kam Jebsen auch nicht um eine Relativierung des Nazismus herum, als er sagte:

Es gab in Deutschland die Machtergreifung 33. Und es gab wieder eine Machtergreifung, das ist der 11. September. Das ist auch eine Machtergreifung. Das ist eine mediale Machtergreifung!

Es folgte wütende Worte auf die uns belügenden Massenmedien, die um WTC7 schweigen müssten, weil sie sonst ihr eigenes Ende besiegeln würden. Diese bösen Massenmedien seien in ihrer Propaganda aber auch wechselfähig, denn Zitat:

Im Moment machen sie total antiamerikanische Politik, also Putin wurde im Moment abgelöst durch Trump! So einfach ist das! Den, den sie nicht haben wollen in unserer freien Gesellschaft , den machen wir madig, den machen wir zu einem Insekt und dann können wir ihn umbringen, ihn bombardieren!

Weitere Floskeln, wie zum Beispiel, dass mit der einfachen Beseitigung des Geldsystems, 90% aller Probleme auf der Welt gelöst seien, lösten beim Publikum selbiges frenetisches Dauerklatschen aus, wie  die Feststellung »sicherlich war Gaddafi verrückt. Aber Hillary Clinton ist verrückter!« Während Jebsen redete, stand die gesamte Zeit über jemand auf der Bühne symbolisch Kopf, was Ausdruck für unser verdrehtes Systems sein sollte. Dieser eine Stunde dauernde Kopfstand wurde letztendlich aber Sinnbild für den ganzen Irrsinn, den man hier präsentiert bekam. 0058

Der Moderator kämpft mit Russlands Hilfe gegen Rothschild

Der Rapper und Redner Owe Schattauer moderierte die Demo und redete auf der Demo wie in diesen Kreisen üblich von „Teile und Herrsche“. Er war neben Jebsen einer der bekanntesten Köpfe. Obwohl in Deutschland wohl vor allem durch seinen Ausfall gegen die Antilopen Gang zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen, wurde er von einem der quotenstärksten Russischen Fensehsender zum „bekannten Rapper und Vorbild der deutschen Jugend“ erklärt. Wegen der von ihm mitorganisierten Friedensfahrt organisierte die TASS, Russlands bedeutenste Nachrichtenagentur, eine Pressekonferenz die kürzlich von Frontal21 in einem Beitrag zur Russischen Auslandspropaganda thematisiert wurde.

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Auch die Demos am 1.10.(links) und am 8.10.(rechts) waren für staatliche Propagandaorgane interessant. Zum 1.10. behauptete RT Deutsch: „Am heutigen Samstag haben in Berlin mehrere Tausend Menschen gegen die aktuelle Politik der Bundesregierung protestiert. Zu der Kundgebung hatte der Journalist Ken Jebsen über soziale Medien mobilisiert. Von einer überdachten Bühne redeten vor dem Bundeskanzleramt zunächst Jebsen und der Musiker Owe Schattauer.“

Auf der Facebookseite von Schattauer wird klar wer für „Teile und Herrsche“ und auch noch für die Kriege verantwortlich sei. Diese Analyse des auch für weitere interessante Ansichten bekannten Friedensbewegten hat natürlich „NICHTS mit Antisemitismus zu tun“:

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Im Gedenken an die Soldaten an der isländischen Front

»Egal was ihr macht, es ist richtig – für den Frieden.«

Es redete dann noch Paula P’Cay von der neu gegründeten Humanistischen Friedenspartei in der auch der Mahnwachensprecher Malte (aus Falkensee) Klingauf im Vorstand aktiv ist. Auch sie beschwörte Gemeinsamkeit und kopfloses Agitieren: »Egal was ihr macht, es ist richtig-für den Frieden.« – Aha

Prinz Chaos sprach vom 1. Oktober als Tag einer Weltrevolution, die er nicht verpassen dürfte. »Was uns fehlt, das sind Techniken des Siegens; Techniken, wie man gewinnt. Techniken, Siege zu organisieren.«

Während jemand auf der Bühne symbolisch Kopf stand, stand im Publikum steht Mario Kiesel aka Romanoski symbolisch für diesen Irrsinn.
Während jemand auf der Bühne symbolisch Kopf stand, stand im Publikum Mario Kiesel aka Romanoski ebenso symbolisch für diesen Irrsinn.

Unter den Zuschauern waren neben einigen Wirrköpfen aus der Fraktion der Staatenlosen, auch der Reichsbürger und Youtube-Dozent Mario Kiesel und der Chemtrail-Gläubige Claus Petersen, sowie auch jede Menge bekannte Gesichter des ganz rechten Mahnwachen-Flügels. Diese Gesichter sieht man sonst bei den Mährholz-Mahnwachen, wie auch auf einschlägigen Nazi-Veranstaltungen, egal ob es sich dabei um „Merkel muss weg“ oder um die um den lippenbekennenden Naziaussteigers Sven Liebich ausgerichteten Montagsdemos in Halle.  Zu nennen wären hier Frank Geppert, einer der Köpfe der antisemitischen Querfrontbewegung Endgame, wie auch Reza Begi, Carsten Halter, Wolfram Freiling, Hagen Schütte, Bianca Budnick, wie auch der Antisemit und „schreibende [Hamas]kombattant“ Martin Lejeune.

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Für nichts als den Frieden: Endgame kämpft an der Seite des „Führers“ Putin gegen „USrael“, das „Imperium der jüdischen Lobby“. Siehe auch: Jonas Bayer: Antiamerikanischer Antisemitismus bei Endgame. Zur Analyse einer Protestbewegung, die sämtliche Kategorien der Unfreiheit affirmiert

Neben all diesen stramm rechten Protagonisten des Mahnwachenspektrums, standen dann auch Pedram Shayar, Prinz Chaos, Susan Bonath, wie auch der Altfriedensbewegte Reiner Braun, der ebenfalls eine Rede hielt.

So nah kann man sich für den Frieden schon mal kommen: Der Ziehsohn von Konstantin Wecker Prinz Chaos (erhöht) am 1.Oktober mit dem Herausgeber des extrem antisemtischen Hetzblattes Wildzeitung Wolfram Freiling (mit Hut) und einem Teilnehmer der rechten Hallenser Montagsmahnwache (in blau), beide immer wieder bei extrem rechten Veranstaltungen um einschlägige Nazis anzutreffen.

Der Altfriedensbewegte Braun in den Fußstapfen von Lars Mährholz?

Der Altfriedensbewegte Reiner Braun redete auch auf Jebsens Demo. Und was sagte er dort im Angesicht einer abgewandelten Variation des stramm rechten Mottos von »Merkel muss weg« -Plakaten zu seiner Bündnispolitik? Er wolle keine Spaltung, alle die für den Frieden sind seien willkommen. Nur gemeinsam könne man das üble 1% beseitigen, womit er bewies dass seine »Problemanalyse« strukturell der von Jebsen, Schattauer, Endgame usw. gleicht. So wundert es nicht, dass Reiner Braun Kontakte zur Mahnwache Bautzen pflegt, wo auch mal bekennende Nationalisten zu Wort kommen. Denn wer sich für den Frieden ausspricht, ist grundsätzlich ein Friedensaktivist, so die Logik.

mit-rainer-braun-gegen-1-prozent Reiner Braun selbst ließ sich 2015 in Bautzen vom »Bautzner Frieden« mit einem Friedenspreis ehren, den ein Jahr zuvor noch Lars Mährholz überreicht wurde. Der Bautzner Frieden ging aus der Bautzner Mahnwache hervor,  die auf ihrer Website seitenweise Hitler zustimmend zitierte. »Dass ein Friedenspreisträger einen Friedenspreis annimmt, um dann darüber tunlichst zu schweigen, kommt nicht alle Tage vor«, kommentierte Otmar Steinbiker, Herausgeber des Aachener Friedensmagazins aixpaix.de, die Tatsache das Braun nicht gerne über den Preis spricht. Aber das hat noch andere Gründe, als dass er sich mit der Annahme in die Fußstapfen von Lars Mährholz gestellt hat. Bei der Preisverleihung stand er mit dem Nazi Thomas Löbnitz auf der Bühne, der die Feierlichkeiten mit eigenen Worten mitgestalten durfte. Im Publikum saßen die sonst von Endgame und Bilderberg-Demos bekannten Gestalten Jana Witschetzky und Alexander Quint aus dem Umfeld von Katrin Oertel und dokumentierten die Preisverleihung. Thomas Löbnitz, der sonst auch mal mit Nazis marschiert, stand aber auch am 1.Oktober auf Jebsens Demo im Publikum.
Rainer Braun dürften die Vorgänge um das Umfeld von Thomas Löbnitz, wie auch des Bautzner Friedens nicht unbekannt sein, wurden seine Querfrontaktivitäten doch auch vom Bayerischen Rundfunk thematisiert, die ihn dazu befragten:

Hinter Aktionen wie dem an sich ehrenwert erscheinenden Engagement für Frieden treffen sich Rechte und Linke, vereint als Bündnispartner. Wer hinter die freundlich wirkende Fassade schaut, stößt schnell auf Verschwörungstheorien. Befördert werden derartige Allianzen von in der Friedensbewegung einflussreichen Personen wie Reiner Braun, aber auch von Vertretern der Linkspartei.

So sprach Braun im März auf einer so genannten Mahnwache für den Frieden in Berlin und gratulierte den Aktivisten zum zweijährigen Jubiläum ihrer Mahnwache. Doch hinter der Fassade aus Friedenstauben und Peace-Zeichen wird auf der Mahnwache rechte Propaganda empfohlen.

Die „Berliner Montagspost“, das offizielle Flugblatt der Mahnwache, schreibt von einer herrschenden „Meinungsdikatur“, erklärt CDU, SPD und Grüne zu „echten Nazis“ und beklagt die „Hexenjagd“ gegen die AfD. Das Flugblatt empfiehlt zudem Seiten im Internet wie „Wakenews“. Dort wird mit einem Davidstern gegen den „Feind in unserer Mitte“ Stimmung gemacht. Werbung auf einer Veranstaltung, die vorgibt, für den Frieden einzutreten.

Ein Problem kann Reiner Braun in seinem Auftritt auf der Mahnwache nicht erkennen. Man habe in der Diskussion, darüber, wie sich die Mahnwachen von rechts abgrenzen können, „schon viel erreicht.“ Er habe weder etwas mit Rechtsradikalismus noch mit Nationalismus zu tun. Dabei hat Braun erst in diesem Jahr einen Preis aus dem Umfeld des Bautzener Ablegers der Berliner Mahnwache entgegengenommen. Fotos der Preisverleihung zeigen Braun zusammen mit dem Moderator der Bautzener Mahnwache. Einem Aktivisten, der dazu aufrief, die Kritik gegen links und rechts einzustellen, und in diesem Zusammenhang einen „bekennenden Nationalsozialisten“ auf die Bühne einer Friedensdemonstration holte.

Zuvor erklärte der Moderator der Bautzner Mahnwache übrigens: „Es verbindet uns mehr als uns trennt … Lasst die unterschwellige Kritik gegen links, lasst die unterschwellige Kritik gegen rechts.“

Berlin, 8.Oktober: Die LINKE marschiert mit den Aluhüten

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Rainer Braun mobilisierte zusammen mit dem linken Bundestagsabgeordneten Gehrcke bei KenFM für die Demo am 8. Oktober

Und schon am darauf fogenden Samstag ist die nächste Demo in Berlin. Schon im Vorfeld schrieb Birgit Gärtner bei Telepolis über den Friedenswinter, der den Beginn der Vereinigung der Friedensbewegung markierte:

Der „Friedenswinter“ wurde im Frühjahr 2015 lapidar für beendet erklärt. In einem Rundschreiben bedankte Organisator Rainer Braun von der Initiative Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (IALANA) sich „bei allen die sich am Friedenswinter beteiligt und zu den erfolgreichen Aktionen beitragen haben“. Da stellte sich dann die Frage: Wenn der „Friedenswinter“ so erfolgreich war, warum soll er dann nicht als friedenspolitischer Frühling erwachen?

Was allerdings ausblieb, war eine inhaltliche Auseinandersetzung. Doch schnell wurde klar: Im Prinzip wurde der Friedenswinter deshalb beendet, weil Teile der Friedensbewegung 2.0 und die traditionelle Friedensbewegung während des Winter quasi verschmolzen waren. Einige erwiesen sich als friedenspolitische Hybrid-Pflanzen, die den Winter nicht überlebten, andere werden seither als selbstverständlicher Teil der Friedensbewegung betrachtet.

Nach und nach gliederten sich auch jene (wieder) mit ein, die den Mahnwachen skeptisch gegenüber gestanden hatten. Hamburg spielte dabei eine Vorreiterrolle einer fatalen Entwicklung, die auf Betreiben und in Kooperation mit Rainer Braun den Friedenswinter möglich machte, der wiederum die Synthese der „alten“ mit der „neuen“ Friedensbewegung hervorbrachte. Stillschweigend.

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2014 tauchte Jebsen „überraschend“ beim Friedenswinter auf und hieltwie Lars Mährholz eine unangekündigte Rede vom ebenso unangekündigten Lauti der Mahnwachen. Zuvor hatten Politiker aus der Linken ihre Engagement beim Friedenswinter damit verteidigt dass Jebsen und Mährholz mit der Demo nichts zu tun hätten. Ob sich diese vorgebliche Ahnungslosigkeit bei Sahra Wagenknecht wiederholt?

Zwischen den beiden Berliner Demos trafen sich auf einer dritten Demo, allerdings in Essen, Wahnwichtel und Abgeordnete der Linken auf einer gemeinsamen Demo unter anderem um der NS-Relativierung des altfriedensbwegten Eugen Drewermann zu lauschen. So ist es kein Zufall dass auch der Nachfolger der Bautzner Mahnwache, der Bautzner Frieden neben dem Bundesvorstand der Linkspartei und der linksjugend [solid] auf der Unterstützerliste der Demo am 8.Oktober steht, für die nicht nur nach unserer Einschätzung Rainer Braun maßgeblich mitverantwortlich ist.

Am 8.Oktober taucht auch die Konkurrenz auf

Nicht einmal 300m Luftlinie von Brauns Demo am 8.Oktober entfernt wird zur selben Zeit der offen rechte Flügel der Mahnwachen demonstrieren. Hier haben stramme Neonazis, wie Teile von Bärgida, Stephan Boehlke (NPD) Enrico Stubbe (ProDeutschland und verantwortlich für die „Merkel muss weg“-Demos in Berlin) und andere über Facebook ihr Interesse an der Teilnahme angekündigt. Für die Veranstalter um Frank Geppert (Endgame), Stephans Steins, Guido Chiburski und Martin Große dürfte das kein größeres Problem darstellen, schließlich marschiert man umgekehrt ja auch bei deren Demos mit.14520412_1318901491453969_3174947944846497736_n Insgesamt müssen die Grenzen zwischen all diesen Bewegungen mehr als durchgängig beschrieben werden, wie sich zuletzt am 1. Oktober vor dem Kanzleramt gezeigt hat. Und auch ideologisch steht man sich nahe, was sich unfreiwillig daran zeigte dass der jungen Welt und den Freidenkern zur Konkurrenzveranstaltung kaum anderes als verschwörunbgsideologisches Geschwurbel einfiel, diese sei wahlweise von Geheimdiensten oder einfach „den Herrschenden“ initiert. Man wird wohl kaum eine Diskussion mit Jebsen und ähnlich Hartgesottenen suchen brauchen, hat man sich doch prima gegen jede Kritik immunisiert:

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Nur die CIA würde  Jebsen kritisieren. Der Ken-FM-Stammgast und Friedensforscher Daniele Ganser deutete sogar an Geheimdienste hätten das Wort „Verschwörungstheorie“ Gansers Wikipediaartikel geschrieben und meint:“Wikipedia gibt es seit 2001, also genau gleich lange wie den Krieg gegen den Terror.“

Vor und nach Friedensdemo(s) mit Sahra Wagenknecht: Akteure werfen sich gegenseitig Verschwörung mit der NATO vor

Update: Stephan Steins war einer der Initiatoren der kleineren Friedensdemo, die sich der großen am Ende anschloss(s.u.). In seiner Querfrontpostille(s.u.) schrieb er über den Verlauf der Demos:

Mehrere tausend Friedensaktivisten[…] folgten dem Aufruf [1] der FbK (Friedensbewegung bundesweite Koordination) zur bundesweiten Friedensdemonstration in Berlin unter der zentralen Forderung Raus aus der NATO!
[…]
Am Ende der Abschlusskundgebung rief die FbK die Teilnehmer dazu auf, sich auf der anderen Seite des Brandenburger Tores an einer etwas zeitversetzt stattfindenden Kundgebung zu beteiligen. Dort hatten sich Friedensaktivisten vornehmlich aus dem Umfeld der sog. Linkspartei versammelt.
Obwohl in den vergangenen Tagen die NATO-Presse von RBB/ARD bis Die Welt massiv für diese zweite Veranstaltung geworben hatte, blieb die Teilnehmerzahl mit rund 2.000 Teilnehmern weit unter den angekündigten 10.000. Nach dem Eintreffen der Friedensaktivisten von der „Raus aus der NATO!“-Demonstration füllte sich der Platz dann aber doch noch.
Mit dieser Geste wollte die Friedensbewegung ein versöhnliches Zeichen setzen und den Bestrebungen zur Spaltung der Friedensbewegung entgegen wirken.

Frank Geppert war Moderator und ebenfalls einer der Initiatoren. Ansonsten ist er aktiv z.B.bei der Montagsdemoinhalle und Endgame. Er schrieb nach der Demo:

Eine Frau erzählt mir, sie wurde von einer anderen Demo aufgefordert nicht zu unserer Veranstaltung zu gehen, weil wir zu radikal wären, wir würden fordern ‚Raus aus der NATO!‘
[…]
Von der Bühne, auf der auch Sahra Wagenknecht gesprochen hat, wurde behauptet, wir wären eine Gegendemo, obwohl wir immer aufriefen, auch die anderen zu unterstützen und uns am Ende selber der anderen Demo angeschlossen haben.
[…]
Wir haben den Etablierten die Maske vom Gesicht gezogen. Ihre NATO-Kritik ist unehrlich, wird aufgeweicht, um koalitionsfähig zu sein und die Forderung ‚Raus aus der NATO‘ ist ihnen (teilweise) zu ‚radikal‘. Das beweist, wie wichtig und absolut richtig unser Engagement gestern war und warum diese Forderung im Banner meines Profils zu lesen ist.

Wie kam Sahra Wagenknecht dazu von einer „Gegendemo“ zu sprechen? Vielleicht hat sie diesen Artikel aus der junge Welt gelesen, in dem so etwas suggeriert werden sollte:

„Der enorme Aufwand, mit dem rechte Provokateure die Demonstration am 8.10. zum Scheitern bringen wollen, zeigt: Die Herrschenden fürchten eine starke, organisatorisch unabhängige Friedensbewegung. Einen besseren Beweis für ihre Notwendigkeit gibt es nicht.“

Ähnliche Aussagen wurden auch von Erstunterzeichnern des großen Bündnisses in die Welt gesetzt. Doris Pumphrey von der FriKo Berlin wurde bei den Freidenkern so zitiert:

„Der Gegner wird alle Register ziehn, um zu verhindern, dass es wieder eine vereinte große Friedensbewegung gibt. Er tut das seit über zwei Jahren und die NATO-Geheimdienste werden ganz besonders aktiv werden, um die Vorbereitung für eine gemeinsame große Demonstration am 8. Oktober zu erschweren, mit Verwirrung, Diversion, Denunziation und internem Streit.“

Die Berliner Friedenskoordination und die Deutscher Freidenker-Verband e.V. waren als Erstunterzeichner Teil des großen Bündnisses.

Womit nicht zum ersten mal bewiesen wäre, dass die beiden Demos sich in der ideologischen Ausrichtung vieler ihrer Unterstützer nicht so sehr unterscheiden wie viele glauben. Denn gerade die Freidenker passen von der ideologischen Ausrichtung sehr gut zu Steins, Geppert und Ciburski, wie sich immer wieder in unterschiedlichsten Postings  des Chefs des Verbands Deutscher Freidenker Klaus Hartmann zeigt. Dieser veröffentlichte zumBeispiele eineKarikatur mit Merkel als Prostituierter mit einem Davidstern auf dem Po dargestellt die jüdischen Bankerfamilien diene. Diese zionistischen Bosse stünden hinter der EU.

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Und dennoch sind die Freidenker auch bei dem Teil der Friedensbewegung gerne gesehen, der von der Partei Die LINKE unterstützt wird.

Update Ende

Friedensdemo gegen die Besatzung Deutschlands und Zinssklaverei

6.Oktober 2016

Am 8. Oktober sollen in Berlin in unmittelbarer Nähe zueinander zwei Friedensdemos stattfinden, eine mit Unterstützung des sich als links verstehenden Mahnwachenflügels, die andere von einem anderen Teil des Mahnwachenspektrums ausgehend. Für letztere zeichnen sich Leute verantwortlich, die mehr oder weniger offen antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten, glauben des Führers Stellvertreter sei von den Nazis ermordet worden und in er Vergangenheit auch mal Nazis als Ordner auf ihren Demos einsetzten.

Im Mobivideo geht es gegen die Besatzung Deutschlands und Zinssklaverei

friedensdemo-gegen-besetzung-deutschlandsDie „Friedensbewegung bundesweite Koordination (FbK)“ ruft zu einer Demo vor der Botschaft der Vereinigten Staaten auf. Als Zeichner für den Aufruf verantwortlich sind unter anderem Frank Geppert, Stephan Steins und Guido Ciburski. Im Mobivideo sind u.a. Transparente vergangener Endgame Demos zu sehen, die von einer Besetzung Deutschlands und Zinssklaverei halluzinieren.

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Zwischen Rosa Luxemburg und Rudolf Heß: Stephan Steins

Dem Duktus nach stammt der Aufruf vermutlich vom stalinistischen Querfrontler Stephans Steins, der eine Website betreibt, die vorgibt legitime Nachfolgerin der KPD-Zeitung „Rote Fahne“ zu sein. Gleich auf der Startseite wird man mit Steins Weltbild  konfrontiertrote-fahne-3 Passend zu diesem von Antisemitismus und Antiamerikanismus geprägten Weltbild glaubt Steins des Führers Stellvertreter Heß sei von den Amerikanern ermordet wurden.

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Abhilfe gegen die Weltverschwörung und die Knechtung der Deutschen durch den Imperialismus solle ein Bündnis von Pegida und Friedensbewegung schaffen, denn das Konzept ‚Multi-Kulti‘ und die initiierten Migrationsströme“ seien Mittel der Imperialisten zur Zesetzung des „republikanische[n] Nationalstaat[s]“, der so „seine identitätsstiftende Funktion als kulturellem Bezugspunkt der Völker und als Völkerrechtssubjekt und somit als nachhaltigem Widerstandsfaktor verliert.

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Gegen USrael, das Imperium der jüdischen Lobby: Frank Geppert

Die maßgeblich von Geppert angeführte Bewegung Endgame sieht sich an der Seite des „Führers“ Putin gegen „USrael“ und das „Imperium der jüdischen Lobby“ kämpfen. Zu Endgame sei der Aufsatz „Antiamerikanischer Antisemitismus bei Endgame. Zur Analyse einer Protestbewegung, die sämtliche Kategorien der Unfreiheit affirmiert“ von Jonas Bayer bei Emma und Fritz empfohlen. Geppert gehört ebenfalls zu den Köpfen der Montagsdemo in Halle, an der regelmäßig Neonazis der Gruppierung Brigade Halle teilnehmen. Bei der Endgame-Vorgängerorganisation Pegada traten Nazis sogar als Ordner in Erscheinung.
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Gegen Rothschild, für Elsässer: Guido Ciburski

Guido Ciburski war einer der Coorganisatoren der Koblenzer Friedensparty. Coorganisator Oliver Keil stellte auf einer dieser Veranstaltungen die Protokolle der Weisen von Zion als authentisch dar. Auf die Friedensparty folgte für Ciburski „Frieden Rockt“, wo es ebenfalls antisemitisch zuging:
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Ciburski hatte nicht nur den rechstpopulistischen offenen Querfrontler Jürgen Elsässer nach Koblenz geholt, er sorgte auch auf einer Konferenz des Friedenswinter mit einem Antrag, der Friedenswinter möge die Distanzierung von Elsässer aufzuheben, für einen Eklat. Unterschiedlicher Beobachter nach war dieser Antrag kurz davor die Mehrheit zu erreichen, als Chiburski ihn im letzten Moment zurückzog, womit er den Untergang des gerade erst ausgerufenen Friedenswinters erst einmal abwendete. Andernfalls hätten sich Unterstützer z.B. aus der Linkspartei sicherlich zurückgezogen.

Konkurrenzkampf der Friedensbewegten am 8.Oktober

Apropos Friedenswinter: Deren Nachfolger planen am gleichen Tag nur einen Steinwurf entfernt eine eigene Friedensdemo. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Bewegung aus Kräften der etablierten Friedensbewegung und dem „linken“ Flügel der Mahnwachenbewegung. Diese wird unter anderem von dem Parteivorstand der Linkspartei unterstützt.

Es finden also zwei konkurrierende Demos statt, die nicht nur unter dem selben Logo laufen, sondern auch um sich überschneidene Zielgruppen buhlen werden. Schließlich sind diese Kreise mehr als durchlässig, wie sich letzmalig am 01. Oktober auf der von Ken Jebsen initierten Friedens-Kundgebung vor dem Kanzleramt wieder zeigte. Dort fanden sich beide Flügel geschlossen ein. Neben Reiner Braun, Pedram Shahyar und Prinz Chaos waren auch Frank Geppert, Carsten Halter, Bianca Bundnick, Reza Begi, Wolfram Freiling, Hagen Schütte und Thomas Löbnitz auf dem Platz, alles Protagonisten, die immer wieder auch auf einschlägigen Nazi-Demos anzutreffen sind.  Das Mikrophon wurde mit Themen rund um 9/11, Teile und Herrsche strapaziert, und auch Reiner Braun sprach vom 1%, das für alles Übel auf der Welt verantwortlich sei.

Banner der beiden Friedensdemos: Zum Verwechseln ähnlich

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