Artes „Israelkritik“ kennt angeblich mehrere Perspektiven

Screen: JFDA – Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus

Ein offener Brief, der auch von Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, mitgetragen wird, kritisiert an einer Gaza-Reportage von Arte: „Israel wird als Aggressor dargestellt, der allein für die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Bevölkerung im Gazastreifen verantwortlich gemacht wird.“ Der Film biete kein „umfassendes und ausgewogenes Bild“ von Gaza und verzerre den Blick auf den Nahost-Konflikt. Außerdem beinhalte der Film, deren Autoren auch für das antiisraelische Portal »Electronic Intifada« schreiben, eklatante „Falschinformationen.“

Auch wir hatten über die kürzlich gesendete Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ berichtet und u.a. darauf hingewiesen, dass eine der Macherinnen in der Israelboykott-Bewegung aktiv ist. Wie Schuster und das JFDA – Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus wiesen wir in diesem Zusammenhang auf Doppelstandards hin, die sich im Umstand zeigen, dass Arte eine Dokumentation über Antisemitismus wegen angeblich journalistischer Mängel zurückhält, diese Reportage hingegen problemlos sendet. Arte begründet diese Ungleichbehandlung mit dem Genre:

„Im Gegensatz zu Dokumentationen, etwa im Dienstag Themenabend, geben Reportagen per definitionem Ausdruck der persönlichen Erfahrungen und Begegnungen eines vor Ort befindlichen Journalisten. Gerade darin besteht der journalistische Wert dieses Genres, da es persönliche Sichtweisen authentisch widerzuspiegeln vermag, ohne den Anspruch zu erheben, einen komplexen Sachverhalt vollständig und von allen Seiten gleichgewichtig zu beleuchten.“

Arte beteuert „eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts in seinem Programm abzubilden“ und nennt als konkretes Beispiel dafür „Beiträge wie jenen von Stéphane Amar“. Amar, so ist wohl der Gedanke in der Arte-Pressemitteilung, nehme keine pro-palästinensische und anti-israelische Sichtweise ein.

Den Film „Die Grüne Linie“ von eben jenen Amar bezeichnete der Blog „Tapfer im Nirgendwo“ jedoch als „eine anti-israelische Dokumentation, die vor Einseitigkeit nur so strotzt“, der Film sei „reine Propaganda und gehört in eine ganze Reihe von anti-israelischen Filmen, die von arte gesendet werden“. Der israelische Unabhängigkeitskrieg von 1949 würde darin als israelische Aggression dargestellt, Juden als alles verschlingende „blutrote Gefahr“, sowie so getan würde, als sei das Westjordanland überwiegend von jüdischen Siedlern bewohnt.

Es gehört schon einiges an Chuzpe dazu, zur Widerlegung des Vorwurfes anti-israelischer Propaganda, ausgerechnet einen aus anderer Perspektive propagandistischen Film anzubringen, den man gesendet habe. Arte meint dennoch:

„Insofern vertritt ARTE keine eigenständige inhaltliche Position in dieser schwierigen Auseinander­setzung, sondern versucht seinen Zuschauern und Internetnutzern ein eigenes fundiertes Urteil aufgrund unterschiedlicher und durchaus kontroverser Sichtweisen und Erfahrungshintergründe zu ermöglichen.“

Dass das aber falsch ist, zeigt sich anhand der von Arte und dem WDR aufgebauschten Diskussion um die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Dieser Film wurde nur auf großen Druck hin ausgestrahlt und dann ähnlich einer Zigarettenschachtel mit Warnhinweisen versehen, wodurch die inhaltliche Glaubwürdigkeit des Films untergraben wurde. Mit anderen Worten: Geht es um pro-israelische Filme, traut man dem Zuschauer genau das von Arte behauptete eben nicht zu.

29.11.2016 Berlin: BDS Boykott-Aktion gegen HP