„Trotz allem“? Zu Peter Nowaks Artikeln über die Friedensdemo

Peter Nowak schrieb zwei Artikel über die Friedensdemo vom 8.8.2016. Einen im neuem deutschland(nd) und  einen bei Telepolis(tp). Das Verhältnis zwischen den Orgaisatoren der Großdemo und Teilen des Mahnwachensepektrums kam dabei zu kurz und die Distanzierung der Veranstalter zu bestimmten Positionen wurde zu wenig hinterfragt.

Im nd wies Nowak auf eine Stellungnahme der Organisatoren hin, „dass auf der Demonstration kein Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus“ sei. Auf Telepolis schrieb Nowak mit Bezug auf uns: „Auf einer Blogsport-Seite werden viele verschwörungstheoretische, latent antisemitische und regressive Parolen und Plakatmotive dokumentiert.“ Er merkte an „ein Berliner VVN-BdA-Mitglied“ habe sich daran gestört, „dass am Samstag trotz allem[!] mehrere Hundert Menschen aus dem Umfeld der Friedensmahnwachen mitdemonstriert hatten.

Was heißt hier „trotz allem„? Nowak zitierte hier offenbar nicht, wie das Fehlen eines Konjunktivs oder Anführungszeichen verdeutlichen. Etwa trotz der Ankündigung, dass „kein Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus sei„? Aber waren „viele verschwörungstheoretische, latent antisemitische und regressive Parolen und Plakatmotive“ und „mehrere Hundert Menschen aus dem Umfeld der Friedensmahnwachen“ damit überhaupt gemeint?

Nowak bezog sich in beiden Artikeln auf den Musiker und Politikaktivisten Florian Ernst Kirner aka Prinz Chaos II. Dieser habe zum Abschluss der Großdemo erkärt „Wir haben viel Zeit für internen Streit verplempert. Schön, dass wir wieder zusammen auf die Straße gehen„(nd). Kirner erklärte damit die Debatte um Verschwörungsideologen und Antisemiten bei Friedensdemos für beendet. Nowak widersprach, das müsse „dann schon verwundern. Denn natürlich geht die kritische Diskussion weiter„(tp).

Kirner will also nicht mehr darüber diskutieren, ob die etablierte Friedensbewegung mit den für Verschwörungsideologie und mindestens latenten Antisemitsmus bekannten Mahnwachen zusammenarbeiten sollten. Für ihn gibt es offensichtlich wichtigere Themen. So suggerierte er gestern die Vorkomnisse in Chemnitz seien „eine jämmerliche, geheimdienstinduzierte Schmierenkomödie.

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Gut, dass Nowak ihm widersprach. Schade aber, dass er nicht auch auf Kirners eigene Rolle bei den Mahnwachen einging. Kirner trat als einer der ersten bekannteren linken Aktivisten bei Montagsmahnwachen auf und war damit eine Art Dammbrecher. Er stellte sogar sein Schloss für Vernetzungstreffen der Montagsmahnwachen zur Verfügung. Schließlich lernte sich das Duo Ken Jebsen und Pedram Shahyar vermutlich über Kirner kennen.

Der ehemalige Linksruck- und Attacaktivist Pedram Shahyar brachte Jebsen 2014 vor laufender Kamera bei, dass man besser bei Linken trumpfe, wenn man von der Relativierung der Shoa durch Gleichsetzungen von Israel und des Zionismus mit dem Nazismus absieht. Jebsen versprach Besserung und hat seit dem immer häufiger auch etablierte Linke zu Gast. So saßen Reiner Braun und der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke (Die LINKE) bei Ken Jebsen um für die große Friedensdemo am 8.Oktober 2016 zu mobilisieren. Rainer Braun ist nicht irgendwer, er war maßgeblich für diese Demo mitverantwortlich.

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Als 2015 Peter König im Interview bei KenFM über die zionistisch kontrollierte Weltherrschaft der Wall Street „aufklärte“ und sagte, dass der Zionismus wie der Nazismus eine Ideologie sei, die nach Weltherrschaft strebe, konnte Jebsen nicht mehr an sich halten. Er entgegnete entgegen dem Versprechen der Besserung, dass es so eine Ideologie ja auch schon mal gegeben habe. „Absolute Macht korrumpiert absolut“, zitierte er sich dann im Bezug auf beide Ideologien auch noch selbst.

Dieser öffentliche Rückfall Jebsens war nicht verwunderlich, wenn man nicht vergessen hatte, dass Jebsen bereits Jahre zuvor noch expliziter davon sprach, dass reiche Juden die USA beherrschen würden. Als Jebsen eine einstweilige Verfügung gegen den Song der Antilopen Gang „Beate Zschäpe hört U2“ erwirken lassen wollte, wies ein Gericht das  im Hinblick auf die […] Äußerungen des  Antragstellers in der Vergangenheit zurück. Die „Antilopen Gang“ darf Jebsen weiterhin als „Hetzer in deutscher Tradition“ bezeichnen und weiter ausführen:  „sie sind schlicht Antisemiten / All die Pseudo-Gesellschaftskritiker / Die Elsässer, KenFM-Weltverbesserer„.

„Ken Jebsen formuliert eine relativ scharfe Israelkritik – aber auch nicht mehr“ rechtfertigte dagegen Reiner Braun seine Kooperation mit KenFM, als habe Jebsen nie die Existenz einer jüdischen Weltverschwörung auch nur angedeutet. Und so mobilisierte man nicht nur über KenFM auch jene Leute die Jebsens „relativ scharfe Israelkritik“ teilen, sondern amplifiziert gleichzeitig dessen Publikum. So findet man eben auf seinem Kanal neben Interviews mit verschiedenen Bundestagsabgeordneten eben auch welche mit Leuten wie Peter König.
[D]ass am Samstag [..] mehrere Hundert Menschen aus dem Umfeld der Friedensmahnwachen mitdemonstriert hatten“ geschah also nicht „trotz allem„, sondern gerade weil man das so wollte und weil man dafür selbst gesorgt hatte. Und wenn die Organisatoren erklären „dass auf der Demonstration kein Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus sei„, dann ist das nur ein Lippenbekenntnis, denn offenbar ist eine „relativ scharfe Israelkritik“  gegen die zionistische Weltverschwörung davon grundsätzlich ausgenommen.

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