Mit dem Kreml gegen amerikanische Verschwörer: Friedensdemos in Berlin

Heute gab es in Berlin zwei Demos, die aber am Ende zu einer verschmolzen. Vermutlich wollten die Rechteren die Rede von Sahra Wagenknecht nicht verpassen. Demonstriert wurde für den Frieden, d.h. man marschierte zum Beispiel mit militärischen Ehrenabzeichen Russlands herum und zeigte dabei Transparante gegen die Amerikaner, gegen die Lügenpresse, gegen die zionistischen Weltherrscher und andere Bösewichter.

Auf der großen Demo spielte man die russische Nationalhymne. Denn es gibt gute und böse Kriegsparteien, wie man an die vielen Fahnen des Assad-Regimes, Russlands, „Neurusslands“ und des Donbass sehen konnte. Darunter auch das im Russischen Kaiserreich eingeführten, in der Oktoberrevolution abgeschafften und unter Stalin eingeführten schwarz-orangenen St. Georgs Band, laut Wikipedia „ein bekanntes und weithin respektiertes Symbol militärischer Tapferkeit in Russland.“

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Die DKP lief mit St Georgs Band und Donbasslagge mit(beide rechts im Bild, letztere durch erstere teilweise verdeckt).

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Für manche scheint auch der Zweite Weltkrieg nicht vorbei zu sein. Die NATO sei dabei in die Fußstapfen der Nazis getreten. Dass Länder wie Litauen ihr freiwillig beitreten durften ist für diese Leute vergleichbar mit dem Vernichtungskrieg der Deutschen im Osten. Relativierungen des Nationalsozialismus wurden ja schon auf ähnlichen Veranstaltungen beklatscht. Zum Beispiel neulich in Essen durch Bundestagsabgeordnete der Partei Die LINKE und Personen aus dem Montagsmahnwachenspektrum.

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Auch hier wurde Geschichte und Gegenwart durcheinander gebracht:

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Der Kreml und das Assad-Regime mussten sich aber auch Kritik gefallen lassen. Aber unseres Wissens nach auschließlich auf einer Protestaktion der ADAB, die dazu schrieb:

Heute protestierten einige #Antideutsche gegen die linksdeutsche #Friedensbewegung. Trotz bundesweiter Mobilisierung kamen nur rund 1500 Personen zur Demonstration gegen die „NATO-Konfrontation“. Auch Teile der iranischen Opposition nutzten die Möglichkeit ihren Protest gegen die linken Freunde antiimperialistischer Diktaturen zu artikulieren. #antideutsch #freesyriafromassad #diewaffennieder

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Während auf der kleinen Demo sicherlich der eine oder andere Reichsideologe mitlief, war auch auf der großen Demo die Souveränität Deutschlands nicht egal.

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Bei der Startkundgebung der großen Friedensdemo stand der vegane Querfront-Aktivist Gérald Hägele,in der Menge und nutzte so ziemlich jede Kamera um etwas über die „NWO“-Verschwörung und ihre Kriegspropaganda zu erzählen. Gleichzeitig sang auf der Bühne eine Liedermacherin über Profiteure des Krieges.

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Der Lügenpresse mögen auch andere Teilnehmer der großen Friedensdemo nicht trauen. So tauchte dort ein Plakat für ein Theaterstück auf welches die „geheimnissvolle Gleichschaltung unserer Medien“ thematisiert. Seine Freunde hat das Stück unter anderem in den Kreisen des Montagsmahnwachenspektraum gefunden.

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Hägele glaubt als einziger Teilnehmer der großen Demo zu wissen, wer hinter den Kriegen steckt. „Kriegsprofiteure sabotieren“ wurde auf einem Transparant des internationalistischen Blocks gefordert, der bei der großen Demo mitlief. Typischer „Cui Bono?“-Fehlschluss.

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Die „Antiimperialistische Aktion“ lief aber lieber auf der kleinen Demo mit. Es handelt sich dabei um eine Querfronttruppe, die sich auch schon mit der Identitären Bewegung traf. Mitsamt einem Rotarmisten auf ihrem Frontbanner, der die NATO ersticht , einer Fahne des Assadregimes und ihrer unvermeidlichen eigenen Fahne. Jene soll an eine Antifa-Fahne erinnern, trägt aber als Symbol für ihren Antizionismus eine Palästinenserfahne in der Mitte.

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Nicht weit hinter der „Antiimperialistischen Aktion“ auf der kleinen Demo: Zwei weitere Personen mit, die ebenso wenig von „den Zionisten“ halten. Von links nach rechts auf dem Bild: Holocaustleugnung, „Die Zionisten regieren die Welt“ und die „Antiimperialistische Aktion“.

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Auf der kleinen Demo war das kein Problem. Als sich die Demos später vereinigten, blieb der linkes Mann aber auf der anderen Seite des Brandenburger Tors und dem rechten wurde sein Plakat ent- und zerrissen. Auf der anderen Seite hatte er ein Zitat des Holocaustleugner Horst Mahler zu stehen:
08.10.2016 Berlin: Querfront-Bündnis demonstriert für Frieden

 

Dieser Aufruf zur Hängung Merkels sorgte aber auch auf der großen Demo nicht für Empörung:
08.10.2016 Berlin: Querfront-Bündnis demonstriert für Frieden

 

Diese Krake war heute ebenfalls auf der großen Demo zu sehen.

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Kraken werden gerne von Antisemiten, Antiamerikanisten und (anderen) Verschwörungsideologen verwendet. In diesem Fall war die gleiche Krake eine Woche vorher auf der von Ken Jebsen initierten Demo zu sehen. Ken Jebsen muss sich aus Gründen oft Antisemitismusvorwürfe anhören.

Das die Krake bei beiden Demos auftauchte muss aber nicht überraschen. Reiner Braun war vor einer Woche bei der von Jebsens initierten Demo. Zusammen mit dem linken Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrcke mobilisierte er über KenFM. Heute moderierte Reiner Braun unter anderem Sahra Wagenknecht an.

 

Gerade KenFM erreicht wohl auch ein junges Publikum, das die alternde Friedensbewegung selbst so gut wie gar nicht mehr erreicht. Die Friedensbewegung will sich  mit Hilfe von Montagsmahnwachen und „Alternativmedien“ verjüngen.

Im Gegenzug können sich Jebsen und Co. durch etablierte Gäste und Kooperationspartner einen seriösen Anstrich geben und haben sogar auf Grund des Altersunterschiedes eine gute Aussicht die Friedensbewegung irgendwann ganz zu übernehmen. Ein Artikel des taz-Bewegungsreporters Martin Kaul dazu hatte die passende Überschrift: „Friedensbewegung will sich verjüngen. Gute Nacht, Freunde“.

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Bei der großen Kundgebung lief auch der Bautzner Frieden mit. Dieser ist aus der Bautzner Montagsmahnwache hervorgegangen, bei der auch „bekennende Nationalsozialisten“ für den Frieden dabei sind und auch am Mikro sprechen durften. Rainer Braun nahm von diesen Leuten den Bautzner Friedenspreis an. Der Rechtsextremist Thomas Löbnitz hielt die Laudatio auf dieser Veransaltung. Braun ist der zweite Träger dieses Preises, den ersten erhielt Lars Mährholz.

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Die Montagsmahnwache Wittenberg lief hingegen bei der kleineren Demo mit. Die kleinere ist u.a. von  Guido Ciburski und Frank Geppert initiert. Ciburski ist ein relativ offen rechter Aktivist aus dem Mahnwachenspektrum. Er ließ beinahe den gesamten Friedenswinter platzen, als er einen Antrag stellte, die Distanzierung vom Rechtspopulisten Jürgen Elsässer aufzuheben. Der Friedenswinter war die erste gemeinsame Kampagne der etablierten Friedensbewegung und der Montagsmahnwachen. Laut Beobachtern hätte der Antrag eine Mehrheit erreicht. Als ihm klar wurde, dass dann die Kräfte der etablierten Friedensbewegung austeigen würden, zog er seinen Antrag aber zurück.

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Da die kleine Kundgebung von Frank Geppert u.a. initiert wurde muss einen nicht wundern, was dort alles toleriert wurde. Geppert ist einer der Köpfe von Endgame, zuvor auch als Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes bekannt. In der Mitte ein Post einer damaliger Admina der Facebookgruppe.

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Die kleine Demo war leider relativ erfolgreich. Die junge Welt und die Freidenker sponnen bereits vor einigen Tagen Verschwörungstheorien, dass die kleine Demo von „den  Herrschenden“ initiert sei, um die Friedensbewegung zu spalten und zu diskreditieren.

Der Altersdurchschnitt war geringer als auf der großen. Sie war günstig auf dem Weg vom Bahnhof zur großen Demo platziert. Sogar einige Altfriedensbewegte hatten sich dahin verlaufen und sind am Ende auch mitgelaufen. Zu ihrem Glück hatten aber beide Friedensdemos ihre Abschlusskundgebung mit Sarah Wagenknecht am Brandenburger Tor.

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