Die ganz große Friedensquerfront macht mobil gegen die Weltverschwörung

An einem Samstag in Berlin besuchte der einflussreiche Altfriedensbewegte Rainer Braun seine neueren Mitstreiter auf einer von Ken Jebsen initierten Demo um dort für seine friedensbewegte Querfront zu werben. Schon am darauf folgenden Samstag haben diese Gelgenheit die Einladung anzunehmen, auf einer von Braun mitinitierten Demo mit offizieller Unterstützung des Parteivorstandes der Linken und der Linksjugend [solid].

Ken Jebsen rief zur Demo auf

Wir haben keinen Platz für Antisemitismus und Antiamerikanismus, wir sind nur für Frieden!
Wir haben keinen Platz für Antisemitismus und Antiamerikanismus, wir sind nur für Frieden! Siehe auch: Laura-Luise Hammel (academia.edu, Worms 2015): Antisemitische und antiamerikanische Verschwörungstheorien. Eine Diskursanalyse im Umfeld der Mahnwachen für den Frieden

Es sollten eigentlich 25.000 Menschen kommen weil Ken Jebsen das so in einem bei Youtube veröffentlichten Wutanfall beschloss, es wurden zum Glück aber nur ca. 500, die auf der Demo seinen Beteuerungen lauschten er wolle kein Führer werden und man müsse nur „das Geldsystem“ beseitigen und schon wäre Weltfrieden. Obwohl er vielleicht sogar die Qualifikation für das Amt eines Führers in Deutschland hätte, schließlich ist er jemand, der in Vergangenheit über „das Geldsystem“ auch schon weiter ausholte und referierte, dass reiche Juden sich gegen den Rest der Menschheit verschworen hätten, Menschen schlachten würden und für so ziemlich jeden Krieg verantwortlich seien.

Am 1.Oktober kam Jebsen auch nicht um eine Relativierung des Nazismus herum, als er sagte:

Es gab in Deutschland die Machtergreifung 33. Und es gab wieder eine Machtergreifung, das ist der 11. September. Das ist auch eine Machtergreifung. Das ist eine mediale Machtergreifung!

Es folgte wütende Worte auf die uns belügenden Massenmedien, die um WTC7 schweigen müssten, weil sie sonst ihr eigenes Ende besiegeln würden. Diese bösen Massenmedien seien in ihrer Propaganda aber auch wechselfähig, denn Zitat:

Im Moment machen sie total antiamerikanische Politik, also Putin wurde im Moment abgelöst durch Trump! So einfach ist das! Den, den sie nicht haben wollen in unserer freien Gesellschaft , den machen wir madig, den machen wir zu einem Insekt und dann können wir ihn umbringen, ihn bombardieren!

Weitere Floskeln, wie zum Beispiel, dass mit der einfachen Beseitigung des Geldsystems, 90% aller Probleme auf der Welt gelöst seien, lösten beim Publikum selbiges frenetisches Dauerklatschen aus, wie  die Feststellung »sicherlich war Gaddafi verrückt. Aber Hillary Clinton ist verrückter!« Während Jebsen redete, stand die gesamte Zeit über jemand auf der Bühne symbolisch Kopf, was Ausdruck für unser verdrehtes Systems sein sollte. Dieser eine Stunde dauernde Kopfstand wurde letztendlich aber Sinnbild für den ganzen Irrsinn, den man hier präsentiert bekam.

Der Moderator kämpft mit Russlands Hilfe gegen Rothschild

Der Rapper und Redner Owe Schattauer moderierte die Demo und redete auf der Demo wie in diesen Kreisen üblich von „Teile und Herrsche“. Er war neben Jebsen einer der bekanntesten Köpfe. Obwohl in Deutschland wohl vor allem durch seinen Ausfall gegen die Antilopen Gang zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen, wurde er von einem der quotenstärksten Russischen Fensehsender zum „bekannten Rapper und Vorbild der deutschen Jugend“ erklärt. Wegen der von ihm mitorganisierten Friedensfahrt organisierte die TASS, Russlands bedeutenste Nachrichtenagentur, eine Pressekonferenz die kürzlich von Frontal21 in einem Beitrag zur Russischen Auslandspropaganda thematisiert wurde.

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Auch die Demos am 1.10.(links) und am 8.10.(rechts) waren für staatliche Propagandaorgane interessant. Zum 1.10. behauptete RT Deutsch: „Am heutigen Samstag haben in Berlin mehrere Tausend Menschen gegen die aktuelle Politik der Bundesregierung protestiert. Zu der Kundgebung hatte der Journalist Ken Jebsen über soziale Medien mobilisiert. Von einer überdachten Bühne redeten vor dem Bundeskanzleramt zunächst Jebsen und der Musiker Owe Schattauer.“

Auf der Facebookseite von Schattauer wird klar wer für „Teile und Herrsche“ und auch noch für die Kriege verantwortlich sei. Diese Analyse des auch für weitere interessante Ansichten bekannten Friedensbewegten hat natürlich „NICHTS mit Antisemitismus zu tun“:

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Im Gedenken an die Soldaten an der isländischen Front

»Egal was ihr macht, es ist richtig – für den Frieden.«

Es redete dann noch Paula P’Cay von der neu gegründeten Humanistischen Friedenspartei in der auch der Mahnwachensprecher Malte (aus Falkensee) Klingauf im Vorstand aktiv ist. Auch sie beschwörte Gemeinsamkeit und kopfloses Agitieren: »Egal was ihr macht, es ist richtig-für den Frieden.« – Aha

Prinz Chaos sprach vom 1. Oktober als Tag einer Weltrevolution, die er nicht verpassen dürfte. »Was uns fehlt, das sind Techniken des Siegens; Techniken, wie man gewinnt. Techniken, Siege zu organisieren.«

Währendessen waren unter den Zuschauern neben einigen Wirrköpfen aus der Fraktion der Staatenlosen, auch der Reichsbürger und Youtube-Dozent Mario Kiesel und der Chemtrail-Gläubige Claus Petersen, sowie auch jede Menge bekannte Gesichter des ganz rechten Mahnwachen-Flügels.

Diese Gesichter sieht man sonst bei den Mährholz-Mahnwachen, wie auch auf einschlägigen Nazi-Veranstaltungen, egal ob es sich dabei um „Merkel muss weg“ oder um die um den lippenbekennenden Naziaussteigers Sven Liebich ausgerichteten Montagsdemos in Halle.  Zu nennen wären hier Frank Geppert, einer der Köpfe der antisemitischen Querfrontbewegung Endgame, wie auch Reza Begi, Carsten Halter, Wolfram Freiling, Hagen Schütte, Bianca Budnick, wie auch der Antisemit und „schreibende [Hamas]kombattant“ Martin Lejeune.

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Für nichts als den Frieden: Endgame kämpft an der Seite des „Führers“ Putin gegen „USrael“, das „Imperium der jüdischen Lobby“. Siehe auch: Jonas Bayer: Antiamerikanischer Antisemitismus bei Endgame. Zur Analyse einer Protestbewegung, die sämtliche Kategorien der Unfreiheit affirmiert

Neben all diesen stramm rechten Protagonisten des Mahnwachenspektrums, standen dann auch Pedram Shayar, Prinz Chaos, Susan Bonath, wie auch der Altfriedensbewegte Reiner Braun, der ebenfalls eine Rede hielt.

01.10.2016 Berlin: Auftakt zur Revolution durch Ken Jebsen

Der Altfriedensbewegte Braun in den Fußstapfen von Lars Mährholz?

Der Altfriedensbewegte Reiner Braun redete auch auf Jebsens Demo. Und was sagte er dort im Angesicht einer abgewandelten Variation des stramm rechten Mottos von »Merkel muss weg« -Plakaten zu seiner Bündnispolitik? Er wolle keine Spaltung, alle die für den Frieden sind seien willkommen. Nur gemeinsam könne man das üble 1% beseitigen, womit er bewies dass seine »Problemanalyse« strukturell der von Jebsen, Schattauer, Endgame usw. gleicht. So wundert es nicht, dass Reiner Braun Kontakte zur Mahnwache Bautzen pflegt, wo auch mal bekennende Nationalisten zu Wort kommen. Denn wer sich für den Frieden ausspricht, ist grundsätzlich ein Friedensaktivist, so die Logik.

Reiner Braun selbst ließ sich 2015 in Bautzen vom »Bautzner Frieden« mit einem Friedenspreis ehren, den ein Jahr zuvor noch Lars Mährholz überreicht wurde. Der Bautzner Frieden ging aus der Bautzner Mahnwache hervor,  die auf ihrer Website seitenweise Hitler zustimmend zitierte. »Dass ein Friedenspreisträger einen Friedenspreis annimmt, um dann darüber tunlichst zu schweigen, kommt nicht alle Tage vor«, kommentierte Otmar Steinbiker, Herausgeber des Aachener Friedensmagazins aixpaix.de, die Tatsache das Braun nicht gerne über den Preis spricht. Aber das hat noch andere Gründe, als dass er sich mit der Annahme in die Fußstapfen von Lars Mährholz gestellt hat. Bei der Preisverleihung stand er mit dem Nazi Thomas Löbnitz auf der Bühne, der die Feierlichkeiten mit eigenen Worten mitgestalten durfte. Im Publikum saßen die sonst von Endgame und Bilderberg-Demos bekannten Gestalten Jana Witschetzky und Alexander Quint aus dem Umfeld von Katrin Oertel und dokumentierten die Preisverleihung. Thomas Löbnitz, der sonst auch mal mit Nazis marschiert, stand aber auch am 1.Oktober auf Jebsens Demo im Publikum.
Rainer Braun dürften die Vorgänge um das Umfeld von Thomas Löbnitz, wie auch des Bautzner Friedens nicht unbekannt sein, wurden seine Querfrontaktivitäten doch auch vom Bayerischen Rundfunk thematisiert, die ihn dazu befragten:

Hinter Aktionen wie dem an sich ehrenwert erscheinenden Engagement für Frieden treffen sich Rechte und Linke, vereint als Bündnispartner. Wer hinter die freundlich wirkende Fassade schaut, stößt schnell auf Verschwörungstheorien. Befördert werden derartige Allianzen von in der Friedensbewegung einflussreichen Personen wie Reiner Braun, aber auch von Vertretern der Linkspartei.

So sprach Braun im März auf einer so genannten Mahnwache für den Frieden in Berlin und gratulierte den Aktivisten zum zweijährigen Jubiläum ihrer Mahnwache. Doch hinter der Fassade aus Friedenstauben und Peace-Zeichen wird auf der Mahnwache rechte Propaganda empfohlen.

Die „Berliner Montagspost“, das offizielle Flugblatt der Mahnwache, schreibt von einer herrschenden „Meinungsdikatur“, erklärt CDU, SPD und Grüne zu „echten Nazis“ und beklagt die „Hexenjagd“ gegen die AfD. Das Flugblatt empfiehlt zudem Seiten im Internet wie „Wakenews“. Dort wird mit einem Davidstern gegen den „Feind in unserer Mitte“ Stimmung gemacht. Werbung auf einer Veranstaltung, die vorgibt, für den Frieden einzutreten.

Ein Problem kann Reiner Braun in seinem Auftritt auf der Mahnwache nicht erkennen. Man habe in der Diskussion, darüber, wie sich die Mahnwachen von rechts abgrenzen können, „schon viel erreicht.“ Er habe weder etwas mit Rechtsradikalismus noch mit Nationalismus zu tun. Dabei hat Braun erst in diesem Jahr einen Preis aus dem Umfeld des Bautzener Ablegers der Berliner Mahnwache entgegengenommen. Fotos der Preisverleihung zeigen Braun zusammen mit dem Moderator der Bautzener Mahnwache. Einem Aktivisten, der dazu aufrief, die Kritik gegen links und rechts einzustellen, und in diesem Zusammenhang einen „bekennenden Nationalsozialisten“ auf die Bühne einer Friedensdemonstration holte.

Zuvor erklärte der Moderator der Bautzner Mahnwache übrigens: „Es verbindet uns mehr als uns trennt … Lasst die unterschwellige Kritik gegen links, lasst die unterschwellige Kritik gegen rechts.“

Berlin, 8.Oktober: Die LINKE marschiert mit den Aluhüten

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Rainer Braun mobilisierte zusammen mit dem linken Bundestagsabgeordneten Gehrcke bei KenFM für die Demo am 8. Oktober

Und schon am darauf fogenden Samstag ist die nächste Demo in Berlin. Schon im Vorfeld schrieb Birgit Gärtner bei Telepolis über den Friedenswinter, der den Beginn der Vereinigung der Friedensbewegung markierte:

Der „Friedenswinter“ wurde im Frühjahr 2015 lapidar für beendet erklärt. In einem Rundschreiben bedankte Organisator Rainer Braun von der Initiative Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (IALANA) sich „bei allen die sich am Friedenswinter beteiligt und zu den erfolgreichen Aktionen beitragen haben“. Da stellte sich dann die Frage: Wenn der „Friedenswinter“ so erfolgreich war, warum soll er dann nicht als friedenspolitischer Frühling erwachen?

Was allerdings ausblieb, war eine inhaltliche Auseinandersetzung. Doch schnell wurde klar: Im Prinzip wurde der Friedenswinter deshalb beendet, weil Teile der Friedensbewegung 2.0 und die traditionelle Friedensbewegung während des Winter quasi verschmolzen waren. Einige erwiesen sich als friedenspolitische Hybrid-Pflanzen, die den Winter nicht überlebten, andere werden seither als selbstverständlicher Teil der Friedensbewegung betrachtet.

Nach und nach gliederten sich auch jene (wieder) mit ein, die den Mahnwachen skeptisch gegenüber gestanden hatten. Hamburg spielte dabei eine Vorreiterrolle einer fatalen Entwicklung, die auf Betreiben und in Kooperation mit Rainer Braun den Friedenswinter möglich machte, der wiederum die Synthese der „alten“ mit der „neuen“ Friedensbewegung hervorbrachte. Stillschweigend.

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2014 tauchte Jebsen „überraschend“ beim Friedenswinter auf und hieltwie Lars Mährholz eine unangekündigte Rede vom ebenso unangekündigten Lauti der Mahnwachen. Zuvor hatten Politiker aus der Linken ihre Engagement beim Friedenswinter damit verteidigt dass Jebsen und Mährholz mit der Demo nichts zu tun hätten. Ob sich diese vorgebliche Ahnungslosigkeit bei Sahra Wagenknecht wiederholt?

Zwischen den beiden Berliner Demos trafen sich auf einer dritten Demo, allerdings in Essen, Wahnwichtel und Abgeordnete der Linken auf einer gemeinsamen Demo unter anderem um der NS-Relativierung des altfriedensbwegten Eugen Drewermann zu lauschen. So ist es kein Zufall dass auch der Nachfolger der Bautzner Mahnwache, der Bautzner Frieden neben dem Bundesvorstand der Linkspartei und der linksjugend [solid] auf der Unterstützerliste der Demo am 8.Oktober steht, für die nicht nur nach unserer Einschätzung Rainer Braun maßgeblich mitverantwortlich ist.

Am 8.Oktober taucht auch die Konkurrenz auf

Nicht einmal 300m Luftlinie von Brauns Demo am 8.Oktober entfernt wird zur selben Zeit der offen rechte Flügel der Mahnwachen demonstrieren. Hier haben stramme Neonazis, wie Teile von Bärgida, Stephan Boehlke (NPD) Enrico Stubbe (ProDeutschland und verantwortlich für die „Merkel muss weg“-Demos in Berlin) und andere über Facebook ihr Interesse an der Teilnahme angekündigt. Für die Veranstalter um Frank Geppert (Endgame), Stephans Steins, Guido Chiburski und Martin Große dürfte das kein größeres Problem darstellen, schließlich marschiert man umgekehrt ja auch bei deren Demos mit.14520412_1318901491453969_3174947944846497736_n Insgesamt müssen die Grenzen zwischen all diesen Bewegungen mehr als durchgängig beschrieben werden, wie sich zuletzt am 1. Oktober vor dem Kanzleramt gezeigt hat. Und auch ideologisch steht man sich nahe, was sich unfreiwillig daran zeigte dass der jungen Welt und den Freidenkern zur Konkurrenzveranstaltung kaum anderes als verschwörunbgsideologisches Geschwurbel einfiel, diese sei wahlweise von Geheimdiensten oder einfach „den Herrschenden“ initiert. Man wird wohl kaum eine Diskussion mit Jebsen und ähnlich Hartgesottenen suchen brauchen, hat man sich doch prima gegen jede Kritik immunisiert:

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Nur die CIA würde  Jebsen kritisieren. Der Ken-FM-Stammgast und Friedensforscher Daniele Ganser deutete sogar an Geheimdienste hätten das Wort „Verschwörungstheorie“ Gansers Wikipediaartikel geschrieben und meint:“Wikipedia gibt es seit 2001, also genau gleich lange wie den Krieg gegen den Terror.“

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