Friedensfahrt „Berlin-Moskau“: Nützliche Idioten á la russe

Unglaublich, aber wahr: Die Friedensfahrt Berlin – Moskau wird auf russischer Seite von ganz oben kuratiert. Zumindest schreibt das der „Wohltätigkeitsfond Emec“, St. Petersburg:

„Liebe Freunde!
Eine Initiativgruppe von Bürgern Deutschlands hat mit Unterstützung der Verwaltung des Präsidenten der Russischen Föderation, gemeinsam mit der All-Russischen Veteranenvereinigung „Boevoe Bratstvo“ [Kampfbruderschaft] [1], der gesellschaftlichen Jugendbewegung für die Einrichtung eines Jugendparlaments in St. Petersburg, dem Wohltätigkeitsfond „Emec“, der Kulturkommission des Jugendkollegiums beim Gouverneur von St. Petersburg, der allrussischen Jugendorganisation „Mir“ [Frieden] und anderen Partnern, mit dem Ziel einer allseitigen Entwicklung und Verstärkung der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Verständnisses und der Interaktion zwischen der Zivilgesellschaft Deutschlands und Russlands, ein Programm-Projekt für die Petersburger Etappe der internationalen Bürgerinitiative „Autotour für den Frieden Berlin – Moskau – Berlin: Völkerfreundschaft statt NATO-Propaganda“ erarbeitet und präsentiert es Euch.“

So honorig die russischen Co-Organisatoren, so bunt das Programm in den zwei Tagen St. Petersburg. Am Freitag geht es in eine Schule mit Deutschunterricht, außer der Direktorin steht der Elternbeiratsvorsitzende bereit. Ein Mysterium bleibt, warum das Programm für erwähnenswert hält, dass dieser Herr in Personalunion noch „Mit-Vorsitzender des Motorradklubs „Strafbataillon“ ist, wie man von Sergey Fiba erfährt, der den auf besonders wichtlige Inhalte spezialisierten Youtube-Kanal „Golos Germanii“ führt.

Friedenstäubchen unter sich: Owe Schattauer, Sergey Fiba, Rainer Rothfuss und Willi Wimmer bei der Abschiedsfeier für den „Friedenskonvoi“ nach Russland in Berlin am 07.08.2016
Owe und Sergei
Owe Schattauer aka C-Rebell und Sergei Fiba


Ob das schon mal auf das Treffen mit Nikolaj Starikov einstimmen soll, das am Samstag ansteht? Ein weiteres Personalunion-Wunder. Der ist laut russischer Wikipedia Stalin- und Putin-Fan, Vorsitzender der Partei „Großes Vaterland“, Geschäftsführer der Petersburger Abteilung des allseits beliebten Ersten Fernsehkanals ORT. Die Bewegung „Antimaidan“ leitet er gleich auch noch mit, findet Liberalismus scheiße und ist anscheinend auch sonst wahnwichtelkompatibel. Er soll Autor einer Reihe Bücher zur neuen und zeitgenössischen Geschichte Geopolitik und Wirtschaft sein, die nach Meinung von Spezialisten voller „zweifelhafter Schlussfolgerungen“ und „absurder Auslegungen“ seien.

Die Weitsicht und das diplomatische Fingerspitzengefühl der russischen Organisatoren dürften der Grund sein, warum nur eine katholische und eine protestantische Kirche besucht werden. So lässt sich der potentiell peinliche Moment vermeiden, die Friedensfahrer mit den Bekleidungsvorschriften in russisch-orthodoxen Kirchen zu konfrontieren. Ohne züchtige Kleidung und Kopftuch für Frauen kommt da keiner rein. Nicht dass die ausländischen Besucher noch auf den Gedanken geraten, der Unterschied zwischen der Russischen Föderation und „irgendwelchen Islamisten“ könne so groß nicht sein, nur weil das Gastland selbst etwas religiös-konservativ veranlagt ist.

Ja, und reden dürfen die Friedensbewegten endlich frei von der Leber weg in diesem Hort der Meinungs- und Pressefreiheit. Auf die Seite der Regierung des Kaliningrader Bezirks haben sie es die Tage schon geschafft und brachten ihr „großes Bedauern angesichts des Informationskrieges, der sich in Europa gegen die russische Bevölkerung entfaltet“ zum Ausdruck. Auch das Komitee für Auswärtige Beziehungen der Stadt St.Petersburg, angesiedelt bei der Regierung dieses Föderationssubjekts, lässt sich nicht lumpen und zitiert Rainer Rothfuß, mit folgenden Worten: „[…] Und unsere Autotour wird, so hoffe ich, ein Startsignal für neue Projekte im Bereich der russländisch-deutschen Zusammenarbeit geben. Gerade Bürgerinitiativen in Sachen Friedensstärkung, gerade freundschaftliche Beziehungen zwischen Bürgern unserer Länder können der beste Schutz gegen NATO-Propaganda und Provokationen werden.“

Halleluja, wir warten gespannt auf den 13.08., an dem das Wunder vollbracht werden wird, bei einem Wohltätigkeitskonzert ohne Eintritt, das Geld aus den Ticketverkäufen als Spende dem Wohltätigkeitsfond „Emec“ zukommen zu lassen, wie die offizielle Seite der Stadtverwaltung von St. Petersburg ohne den kleinsten Zweifel verkündet.
Leider ist aktuell noch nicht ersichtlich wer die „deutsche[n] und russische[n] Volkslieder, Klassik-und Jazzkompositionen und ebenso Rockhits“ im sozial-kulturellen Zentrum „Burevesnik“ zum Besten geben wird. Wir hoffen natürlich auf den laut russischer Medien „in Deutschland populären Sänger Owe Schattauer“, der – wie wir berichteten – sein Debüt aufm russischen Dorf hatte.
St. Petersburg gilt nicht umsonst als die musikalische Hauptstadt Russlands, wenn der Wohltätigkeitsfond „Emec“ die „Teilnahme der herausragendsten Vertreter der russländischen und Petersburger Kultur“ ankündigt, dann erwarten wir einiges.

Wer jetzt vor Lachen noch nicht geplatzt ist, dem sei heute ausnahmsweise nuoviso empfohlen. Der Bericht über Pleiten, Pech und Pannen an Tag 5 ist überaus lustig, mit einer Leiche auf der Straße und ernüchternden Eindrücken in der berühmten „Großstadt Pskov“. Zumindest bis sich Mark Bartalmai mit dem Rat, einmischt, man solle über derartige Dinge nicht berichten.

Mark Bartalmai bei der Abfahrt der Friedenstour in Berlin

Wir haben aber auch Verständnis für alle, die jetzt einfach nur noch still weinen möchten angesichts der Tatsache, dass die Kontakte dieser Friedensfahrer bis in die russische Präsidialverwaltung reichen und vice versa.

Mit Putin und Assad für den Frieden- zumindest meint das ein Teilnehmer der Abschiedsveranstaltung vom 07.08.2016 in Berlin.

 

[1] [„Kampfbruderschaft“, die sich u.a. damit hervorgetan haben, dass sie ihre Mitglieder Konstantin Malofeev, Igor‘ Girkin, Aleksandr Borodaj mit Orden geehrt haben, kurz nachdem diese sich bei der Krim-Annexion hervorgetan hatten. siehe: https://cgrozev.wordpress.com/2015/03/26/oh-combat-brother/]

 

 

Ein Gedanke zu „Friedensfahrt „Berlin-Moskau“: Nützliche Idioten á la russe“

  1. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so zum Heulen wäre.
    Der Ausdruck „Nützliche Idioten“ entspricht vollkommen den Tatsachen, aber es gibt nun mal Leute, die sich – egal wie und wo – auf Teufel komm raus, profilieren müssen.
    Bitte bleibt alle gleich in Moskau – niemand vermisst Euch !!!!!!!

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