KenFM: Mit Pegida-Anhängern gegen „NATO-Künstler“ und „Migrationswaffen“

Ken Jebsen beruft sich mal wieder auf Pegidafreunde, hetzt wieder gegen Flüchtlingsfreunde und schwurbelt von „Migrationswaffen“.

In dem ausgerechnet mit „Wenn Flüchtlinge politisch missbraucht werden“ überschriebenen Text empört sich Jebsen, dass Ruch angeblich keine Politik mit den Flüchtlingen machen will, nicht so sehr auf die Fluchtursachen eingeht, nicht wie Jebsen selbst nach Sündenböcken sucht.

KenFM​ behauptet, dass das Zentrum für Politische Schönheit​ ein „von Antideutschen ferngelenkter Think- oder besser Täusch-Tank“. Weitere Vokabeln, mit denen er Ruch und das ZPS belegt: „Auftrags-Künstler“, „’Aktionskünstler‘ mit CIA-Praktikumsausweis“,  „Teil der NATO-Propaganda“, „PR-Marionette“. Grandios mal wieder die „Beweisführung“:

Wetten, Philipp Ruch hatte nie Frank Zappa oder Thomas Sankara über seinem Bett zu hängen. Nicht, dass Ruch kein Fan wäre. Im Gegenteil, er himmelt Joschka Fischer an[…]

Und dann zeigt Jebsen ein Herz für die „besorgten Bürger“:

Für Ruch sind die Flüchtlinge einfach da und der nicht alle aufnehmen möchte ein herzloser Mensch. Wahrscheinlich ein Neurechter. Mit diesem Label kann man Menschen mit BWL-Studium, die nie ein Buch außerhalb ihres Faches gelesen haben, leicht mobilisieren und vor allem lenken.

[…]

System-Künstler wie Ruch & Co. sind gefährlicher als so mancher verwirrter echter Rechter

Erst vor wenigen Tagen lud Jebsen Nazis zur „Friedensdemo“ in Ramstein ein(Transkript von „Nazienkel“, dort auch in längerer Version):

[…] als ich in der Zeitung las, dass in Deutschland wieder Flüchtlingsheime brennen. Das kotzt mich natürlich dermaßen an, ja äh und deswegen will ich an dieser Stelle diesem äääh ja wie soll ich sagen diesem durchgeknallten Mob, die irgendwie die Faxen dicke haben gefrustet sind und ein Ventil suchen – und deswegen z.B. in Heidenau randalieren und Menschen bedrohen, denen will ich Folgendes sagen: […] wenn Ihr wirklich mal an die Stelle gehen wollt wo man sagen kann da fängt das Flüchtlingsdrama an, […] fahrt doch einfach mal nach Ramstein, liebe rechte Freunde, fahrt einfach nach Ramstein und bringt Euren Unmut dort mal zum Ausdruck dort trefft Ihr dann auch auf sehr viel Polizei oder auf amerikanische Sicherheitskräfte aber weil Ihr ja so schlagkräftig seid ähm näh…[…]

Jebsen behauptet die „Menschenlawinen“ würden zum „NATO-Drehbuch“ gehören und beruft sich dabei auf einen „besorgten Bürger“, der im letzten KenFM-Jahresrückblick Pegida verteidigen durfte, nämlich Willy Wimmer, der auch eine Nähe zu Jürgen Elsässer pflegt – andere vom rechten Flügel der Aluhutquerfront wie Eva Hermann und Gerhard Wisneswski vom KOPP-Verlag äußerten das gleiche, aber auf die wollte Jebsen sich wohl lieber nicht berufen, er möchte ja neuerdings gerne als „links“ gelten:

Der ehemalige Vize-Präsident der OSZE, Willy Wimmer, nennt dies Migrationswaffe. Geplant und eingesetzt von den USA gegen die zuvor attackierten Länder und in Anschlag gebracht gegen die EU.

Und weil Jebsen auch keine Probleme damit hat völlig widersprüchliches zu behaupten, kann er auch erzählen die „Menschenlawine“ sei nicht nur eine Waffe der USA gegen die EU, sondern gleichzeitig auch noch im Interesse der EU und beruft sich dabei auf Karin Leukefeld von der jungen Welt, die nicht nur schon bei KenFM war, sondern auch die von iranischen Staatsmedien gestreute Hoax übernahm, laut Snowden sei der IS von Israel und den USA initiiert wurden:

Dass er mit der bedingungslosen Unterstützung der Flüchtlingsströme nach Europa Teil einer Taktik ist, die darauf abzielt, die zuvor von der NATO bombardierten Länder ausbluten zu lassen, indem man ihre Bildungsschicht abzieht, anstatt den Krieg zu beenden, hat Ruch nicht mal im Ansatz gerafft.

Auslandskorrespondentin Karin Leukefeld schon, aber die lebt auch für ihre Recherchen in den betroffenen Ländern, während Ruch sich in Deutschland vor dem Laptop neue Aktionen ausdenken lässt.

Zur „Querfront gegen Flüchtlinge“ merkte Peter Nowak kürzlich an:

Festung Europa von links?

Solche und ähnliche Reaktionen von Rechtsaußen waren voraussehbar und sind nicht verwunderlich. Erstaunlich ist schon eher, wenn in der jungen Welt, die sich marxistische Tageszeitung nennt, unter der Überschrift „Instrumentalisierung von Flüchtlingen“ Sätze zu finden sind, die klingen, als wollte man Argumente für die Festung Europa von links zusammentragen. „Für Gauck, Merkel und deren Gehilfen sind ‚Buntheit‘ oder ‚Willkommenskultur‘ allenfalls Marketinginstrumente. Sie haben die Interessen der Mächtigen durchzusetzen, nicht einen Karneval der Kulturen zu organisieren. Empathie ist das Verkaufsargument“, heißt es da.

„Die Heuchler sagen, Deutschland und Europa brauchen Fachkräfte. Nein, das Kapital braucht sie. Es verlangt nach ihnen, weil seine Institutionen – Unternehmen, Stiftungen und der von ihm gelenkte Staat – zu wenig heranbilden. Es ist billiger, Ingenieure und Ärzte aus aller Welt abzuwerben, Handlangerjobs von Menschen aus dem Kosovo erledigen zu lassen. Das eigene Prekariat braucht schließlich Konkurrenz.“

Hier wird mit vermeintlich linker Phraseologie gesagt, dass Migranten vom Kapital ins Land geholt werden, um die Arbeiterklasse zu spalten. Das könnte man noch als Schwundstufe eines Schmalspurmarxismus bezeichnet. Doch das Ende des Beitrags lässt wenig Raum für solche wohlwollenden Vermutungen:

„Meinungsinquisitoren wachen über eine politisch korrekte Verarbeitung des Themas. Diskussionen, womöglich solche, die nach den materiellen Hintergründen des ganzen Komplexes fragen, werden nicht geduldet, bestraft wird mit Shitstorm und medialem Mobbing.“

Da sind die Töne von der Lügenpresse, die auf Pegida-Demonstrationen zu hören sind, nicht weit.

Die nationale Linke für Ausgrenzung

Kein Wunder, dass der Compact-Herausgeber Jürgen Elsässer solche Töne in dem Blatt, für das er selbst einige Jahre geschrieben hat, positiv erwähnte. Schließlich passt sie gut zu Elsässers Versuchen, Linksparteimitglieder zu finden, die über eine zu migrantenfreundliche Linie ihrer Partei klagen. Einen Solinger Kommunalpolitiker der Linken hat er schon aufgetrieben.

Und auch seinen Lieblingsfeind „musste“ Jebsen wieder unterbringen:

Auch über die weltweit größte Gruppe von Flüchtlingen – 7 Millionen Palästinenser sind auf der Flucht – haben wir von Ruch noch nie auch nur einen Satz gelesen. Der letzte große GAZA-Krieg, bei dem über 2000 Menschen durch die Atommacht Israel im Freiluftgefängnis Gaza einfach geschlachtet wurden, fand keinen Niederschlag im ZPS.
Das rassistisch-zionistische Apartheidregime unter Benjamin Netanjahu kollidiert für Ruch nicht mit dem was selber als „politische Schönheit“ definiert.

Tja, was Jebsen natürlich verschweigt ist wie 7 Millionen hier zu Stande kommen:

Das Hochkommissariat ist mit dem Schutz von Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen weltweit beauftragt und ist auch im Bereich der humanitären Hilfe tätig. Die Behörde ist Nachfolgeorganisation des Flüchtlingskommissariats des Völkerbundes. 1954 sowie auch 1981 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis und 1986 mit dem Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern ausgezeichnet, da sie erfolgreich dafür sorgt, aus Flüchtlingen wieder Bürger zu machen. Der UNHCR ist somit offensichtlich eine gut funktionierende Behörde. […] Warum also versagt der UNHCR in diesem Fall? Die Antwort ist so einfach wie verwunderlich: weil er für die Palästinenser nicht zuständig ist.

Die palästinensischen Flüchtlinge sind die einzige Gruppe, für die sich die Vereinten Nationen eine eigene Behörde leistet: UNRWA. (Tapfer im Nirgendwo)

Eine Reihe von Quellen ist der Meinung, dass Handlungen dieser Organisation keine Wirkung zeigen und lediglich die bestehende Situation weiterführen, anstatt Integration zu fördern und damit die Anzahl der Flüchtlinge zu reduzieren. Die Organisation habe, nach einer Studie des Washington Institute von 2009, ihr Tätigkeitsgebiet ständig selbst erweitert und übernehme mittlerweile klassische Regierungsaufgaben wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Stadtplanung und Sozialhilfe.[11]

Ein weiterer Kritikpunkt ist die ständige Ausweitung des Flüchtlingsbegriffs und damit der Anzahl der Fürsorgeberechtigten. Ursprünglich war unklar ob Enkel von Flüchtlingen überhaupt als Flüchtlinge zählen, inzwischen kann der Flüchtlingsstatus auch per Adoption an Personen weitergegeben werden, die bislang keinen Anspruch auf Unterstützungsleistungen der UNRWA hatten.(Wikipedia)

Wenn Flüchtlinge politisch missbraucht werden“ nannte Jebsen seinen Text. Die Überschrift passt, aber anders als Jebsen das suggerieren will.

Ein Gedanke zu „KenFM: Mit Pegida-Anhängern gegen „NATO-Künstler“ und „Migrationswaffen““

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