Sahra Wagenknecht​, der Antikriegstag und die Sehnsucht nach dem Volkserwachen

„Ich erwarte sehnsüchtig den Tag, an dem das Volk erwacht.“

Das ist der Kommentar mit den mit Abstand meisten Likes unter dem letzten friedensbewegten Posting der vermutlich kommenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestags-Linksraktion.

Vor kurzem sehnte sich auch Jakob Augstein​ nach einer Volksgemeinschaft und erkor die Banken zum gemeinsamen Feind – ein Mainstreamkompatibler Aufruf zur Querfront. Der Politwissenschaftler Stephan Grigat​ beschrieb den Antiamerikanismus als Ideologie, die die Gefahr der Bildung einer Volksgemeinschaft in postnazistischen Gesellschaften wie Deutschland und Österreich birgt.

Und genau an dieses ressentimentgeladene Ideologie appelierte Wagenknecht, um Zustimmung und Kommentare wie den oben zu erheischen[2]. Das sie es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt muss einen nicht wundern: Wer braucht schon Fakten, wenn er ein Ressentiment zu bieten hat? Und nicht nur die „Es ging ums ÖL“-Legende greift sie auf:

So verbreitet sie auch die unsichere Behauptung, aber in Deutschland vielen als Fakt geltende Behauptung die Taliban seien durch die USA „aufgerüstet und unterstützt“ wurden als wäre es eine unumstrittende Wahrheit. Gesichert ist aber nur, dass die Taliban als „Islamisches Emirat Afghanistan“ durch Pakistan, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate anerkannt und unterstützt wurden. Freilich haben die USA die Mudschaheddin in ihrem Krieg gegen die Sowjet Union und deren afghanischer Marionettenregierung unterstützt, aber die Taliban sind nun einmal eine andere Gruppe, die in Flüchtlingslagern in Pakistan ausgebildet wurden und erst nach Abzug der sowjetischen Truppen in Afghanistan einfiel und eben gegen jene Mudschaheddin einen Bürgerkrieg führte, die nach dem 11.September 2001 als Nordallianz an der Seite der NATO kämpften(Siehe z.B. hier).

Emanzipation und Frieden“ schrieb zu Analysen wie derer Wagenknechts:

Besonders gerne verstehen sich Antiimperialisten als Friedensfreunde. Auffällig ist, dass sie für „den Frieden“ – oder jedenfalls für ihre Vorstellung davon – regelmäßig nur dann kämpfen, wenn es gegen die USA, Israel oder den Westen geht. Können sie denen beim besten Willen nichts anhängen, lassen sie Kriege und Militäraktionen auf der ganzen Welt verdächtig kalt. Wie ressentimentgeladen dieses Weltbild ist, lässt sich anhand der Losung „Kein Blut für Öl“ zeigen. Als die USA 2003 den Irakkrieg begannen, demonstrierten hunderttausende unter diesem Motto. Es erwies sich als fähig, staatstragende BürgerInnen zusammen mit linken Antiimps, Islamisten und Nazis in Scharen auf die Straßen zu treiben. Vom positiven Bezug auf „das Blut“ wollen wir hier einmal schweigen. Reden wir über die andere Flüssigkeit. Dass das Saddam-Hussein-Regime Öl an den Westen verkaufte und unter Umgehung von Embargobestimmungen liebend gerne noch viel mehr geliefert hätte, es folglich keinen Krieg brauchte, damit die USA an irakisches Öl kamen, blendeten alle miteinander aus. Auch, dass die Hälfte des weltweit geförderten Öls zur Aufrechterhaltung des Verkehrs dient, ein „Krieg für Öl“ folglich auch dafür geführt worden wäre, dass deutsche Friedensfreunde jederzeit volltanken können, musste natürlich abgewehrt werden. Ein Aufruf zum Tankstellenboykott, zehntausendfach auf Friedensdemos verteilt, blieb erwartungsgemäß ohne Resonanz. Er passte nicht ins Bild von „uns Guten“ und „den Bösen“. Auch stellt sich zehn Jahre nach dem Irakkrieg – gegen den man aus anderen Gründen durchaus etwas haben konnte – keineR der vermeintlichen FriedensfreundInnen die Frage, wo denn nun eigentlich die US-Tankerflotten geblieben sind, die „dem irakischen Volk“ sein Öl raubten. KeineR fragt, warum ausgerechnet chinesische Konzerne den großen Deal machten, als die neue irakische Regierung Lizenzen für die Erdölindustrie vergab. (Siehe z.B. China plant milliardenschweren Öl-Deal im Irak, Spiegel online, 30.12.2012) Obwohl Kapitalismus also anders funktioniert, als sich Antiimperialisten das vorstellen, kramte eine angebliche Friedensbewegung im Jahre 2011 erneut die Parole „Kein Krieg für Öl“ hervor. Dass jedoch auch das libysche Gaddafi-Regime einen Großteil seines Reichtums aus dem Ölverkauf an den Westen bezog, dieser folglich auch diesmal dafür keinen Krieg nötig hatte, durfte einfach nicht wahr sein.

„Die Linke​ lehnt als einzige Partei im Deutschen Bundestag Krieg als Mittel der Politik konsequent ab.“ sagt Wagenknecht stolz. Grigat würde antworten, dass dieser Pazifismus auch eine Art der Vergangenheitsbewältigung ist, mit dem der allierte Krieg gegen Nazideutschland nachträglich delegitimiert werden soll, denn in diesem wäre es dann ja auch nur um „geostrategische Interessen, um Rüstungsprofite und um Öl“ gegangen.

Freilich ist es nicht das erste mal, das die Unterstützerin der querföntelenden Friedenswinter Wagenknecht Dinge äußert, die Wichtelherze höher schlagen lassen. „Fluchtursachen bekämpfen heißt insbesondere dem US-Imperialismus die rote Karte zeigen!“ hieß es neulich bei ihr in Berufung auf das die Wichtelseite „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“, denen sie schon ein Interview über „unheimliche Komplizenschaften zwischen Deutschland und den USA“ gab, in dem sie behauptete, die deutsche Außenpolitik und Medien wären von den USA gesteuert und ähnlich wie nun im Falle warf sie auch im syrischen Bürgerkrieg gekonnt FSA und IS bzw.  alle Gegner Assads in einen Topf um den Wahnwichteln, die zumeist glauben der IS wäre direkt durch die Amerikaner aufgerüstet wurden, eine Steilvorlage durch Doppeldeutigkeit zu geben.

 

Volk erwache Wagenknecht

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